RETAIL
Der Sündenfall © dpa/Victoria Bonn-Meuser
© dpa/Victoria Bonn-Meuser

daniela prugger 02.09.2016

Der Sündenfall

Kapseln sind mittlerweile eine unbestrittene Größe am Kaffeemarkt – über Nutzen und Kritik eines Verbrauchsgegenstands.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Lange Zeit standen Kaffee-Experten und Liebhabern bereits beim reinen Wort „Kapsel” die Haare zu Berge. Noch immer sind die Fragen nach Geschmack, tatsächlichem Recycling-Erfolg und der generellen Umweltverträglichkeit von Kaffeekapseln nicht unberechtigt – genauso wenig wie jene nach dem Stil und der Qualität einer Kaffeezubereitung, die wenige Sekunden dauert. Über (das Vorhandensein von) Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Doch rein wirtschaftlich gesehen, muss man den Kapsel- und Kapselmaschinen-Herstellern zugestehen: Der Kapselverbrauch pro Jahr liegt in Österreich bei 157 Mio. (Nielsen YTD KW 31/2016) „Der Kaffeemarkt hat sich über die Jahre entwickelt, Kaffee ist heute mehr ein Lifestyle-Produkt – Qualität und Individualität sind den Konsumenten sehr wichtig”, erklärte Christiane Fellner, Business Executive Managerin von Nescafé Dolce Gusto Österreich, gegenüber medianet. Diese Aspekte hätten auch dem Kapselmarkt zum Erfolg verholfen – im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel hat der Kaffeeportionsmarkt im vergangenen Jahr laut Nielsen ein 6%iges Wachstum verzeichnet.

„Schnell und sauber”

Daran, ihre Produktrange auszubauen (um Tee und Kakao zu erweitern), denken immer mehr Kaffeeröster und versuchen in einer wachsenden Fast Food- und Drink-Kultur zu reüssieren. Dabei feiert doch gerade der Filterkaffee – am liebsten per Handaufguss – sein Comeback (auf Fachmessen wie der Coteca etwa). Tatsächlich aber hat sich die Ausstattung der Haushalte, was Kaffeemaschinen betrifft, in den letzten Jahren deutlich verändert. Während ein Kaffeevollautomat in deutschen, Schweizer und österreichischen Haushalten noch immer am häufigsten vertreten ist (46,2%), besitzen bereits 11% Kapsel- und 7,3% Kaffeepad-Maschinen. „In Österreich ist es immer noch so, dass die meisten Haushalte zwei Kaffeemaschinen zu Hause haben – ein Vollautomat ist dann in der Regel die Zweitmaschine”, erklärt Marisa-Mercedes Moser, Marketing Managerin von De’Longhi; und weiter: „Die Österreicher lieben ihre Filtermaschinen.”

Clooney im Kapselfieber

Befragt, wie oft sie Kaffeekapseln konsumieren, gaben 24,7% jener Verbraucher, die ohnehin Kapseln kaufen, an, sie mehrmals täglich zu verwenden. Lediglich 6,2% gaben an, Kaffee aus Kapseln nur „selten” zu trinken. Die Vorteile von Kaffeekapseln liegen auf der Hand: Die Zubereitung ist einfach, schnell und die Anschaffung einer Kapselmaschine ist vergleichsweise wohl auch günstiger als bei den Vollautomaten. Eine Schulungsleiterin von De'Longhi – das Unternehmen ist Systempartner für Nespresso-Maschinen – ergänzt: „Kaffeekapseln sind vor allem beliebt bei Menschen, die nur wenig Kaffee trinken. Wer es schnell und sauber haben will, benützt wohl eher Kapseln.” Außerdem – Clooney sei Dank – bemühen sich die Hersteller seit Jahren um eine Image-Aufpolierung; die Werbestories enthalten in der Regel die Komponenten Italien, Stil und Eleganz. Dabei ist gerade die Einnahme von Kaffee in jenem Land, in dem bis dato noch nicht einmal Starbucks Fuß fassen konnte (Expansionsvorhaben für Italien wurden für 2017 angekündigt), noch Ehrensache – und eine ­dominante Kapselkultur noch Zukunftsmusik.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL