RETAIL
Die Nahversorgung auf ein neues Level gehoben © UniGruppe

Unimarkt-Eigentümer Andreas Haider (r.) und Co-Geschäftsführer Robert Knöbl präsentieren neben Geschäftszahlen große Pläne für 2022.

© UniGruppe

Unimarkt-Eigentümer Andreas Haider (r.) und Co-Geschäftsführer Robert Knöbl präsentieren neben Geschäftszahlen große Pläne für 2022.

Redaktion 25.03.2022

Die Nahversorgung auf ein neues Level gehoben

Energieautarke Unimärkte, Pilotprojekte mit Unibox und Nah&Frisch: Die UniGruppe setzt frische Impulse.

••• Von Oliver Jonke und Paul Hafner

TRAUN. Ende April 2021 wurde der langjährige Unimarkt-Geschäftsführer Andreas Haider zum Alleineigentümer der Unimarkt Gruppe; er zog damit eine Option, die bereits vier Jahre zuvor im Rahmen seines Einstiegs als Gesellschafter vereinbart worden war. Elf Monate nach dem Management-Buy-out wird die Handschrift des Pfeiffer-Erben immer deutlicher sichtbar – da passt es ins Bild, dass die Handelsgruppe mit Anbruch des neuen Geschäftsjahres als „UniGruppe” auftritt, wie Haider im Rahmen der Präsentation der Geschäftszahlen bekannt gab.

Solide Bilanz

Der Reihe nach: Im abgelaufen Geschäftsjahr 2021/22 konnte das Unternehmen ein konsolidiertes EBT in Höhe von 3 Mio. € bei einem konsolidierten Umsatz von rd. 432 Mio. € erzielen. Der Umsatzrückgang von 1,8% relativiert sich für Haider angesichts des vorangegangenen Wachstums von 13% im GJ 2020/21, er spricht von einem „besseren Ergebnis, als wir erwartet haben”.

Dass man mit den Zahlen unter dem Vorjahresniveau liegen würde, sei angesichts des „überproportionalen Aufschwungs aufgrund der Pandemie” absehbar gewesen. „Wir haben aber überplanmäßig abgeschlossen, in allen Bereichen eine gute Performance bewiesen und sind mit den Zahlen zufrieden”, betont Haider.
Besonders erfreulich seien die Zahlen der Unimarkt Handelsgesellschaft, die es auf rd. 320 Mio € Umsatz brachte und die damit deutlich über dem Vor-Krisen-Niveau (GJ 2019/20) von 286 Mio. € liegt. Die Fortsetzung des eingeschlagenen Wegs in Richtung Franchise-Organisation – aktuell werden 71 der 132 Standorte von Franchisepartnern geführt, bis Ende des Jahres sollen weitere zehn dazukommen – wird fortgesetzt. Davon abgesehen, will man die Weiterentwicklung der digitalen Bestellplattform vorantreiben, aktuell werde im urbanen Raum (Haider: „Zurzeit gibt es einen Run von Anbietern auf die Ballungsräume mit starkem Verdrängungswettbewerb”) eine Kooperation mit dem Lieferdienst mjam getestet.

Unimarkt wird grün(er)

Wenngleich Unimarkt 2015 der erste Lebensmittelhändler gewesen sei, „der die Zustellung vom Neusiedler- zum Bodensee” angeboten habe, liege der strategische Fokus der UniGruppe „ganz klar auf der Nahversorgung im ländlichen Raum”, erklärt Haider. Entsprechend entfällt auf deren Verbesserung und Ausbau auch der Löwenanteil jener 15 Mio. €, die man 2022 für Investitionen veranschlagt hat.

Konkret sollen dem im November 2021 eröffneten „grünsten Unimarkt Österreichs” im steirischen Neumarkt mindestens fünf weitere folgen, die sich am neuen Unimarkt-Prototyp orientieren, der sich neben dem Fokus auf den Baustoff besonders durch Energieautarkie (dank Photovoltaik-Anlage) und einen „rundum ressourcenschonenden Betrieb” auszeichnet.
Gänzlich neue Wege beschreitet man bei Nah&Frisch, wo neben der Modernisierung von 14 Standorten und der Eröffnung von vier bis fünf neuen Standorten außerdem die Einführung eines Hybrid-Supermarkts geplant wird. „Am Vormittag einkaufen und klassisch an der Kasse bezahlen, am Nachmittag die Bezahlung selbst per autonomen Self-Checkout abwickeln”, fasst Robert Knöbl, Co-Geschäftsführer der UniGruppe, die Idee hinter dem neuen Konzept zusammen. Gerade für Standorte in ländlichen Strukturen sei es oft schwer, eine Nachbesetzung bzw. Personal zu finden; „damit wir aber auch dort weiterhin die Nahversorgung sichern können, setzen wir immer wieder auf neue Ansätze für stationäre Lebensmittelgeschäfte”, so Knöbl. Pilotstandort wird der Nah&Frisch-Markt in Gaflenz, der im Sommer seine Eröffnung feiern soll.

Ein Jahr Unibox

„Sehr gut angenommen” wird laut Haider auch das Konzept der unbemannten Unibox; man liege aktuell bei rd. 20.000 Kunden-Registrierungen. Von den geplanten 20 Standorten habe man bisher nur elf eröffnen können; weil es aufgrund der Rechtslage in Oberösterreich und der Steiermark in puncto Öffnungszeitengesetze spezielle Standortgenehmigungen brauche, verzögere sich der Rollout je nach Standort um bis zu einem halben Jahr. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl der Standorte jedenfalls verdoppeln. Auch wolle man sich auf die Unterwegs- und Convenienceversorgung bei Tankstellen konzentrieren; ein Self-Service-Pilotprojekt mit OMV und Bistrobox in Linz (medianet berichtete) habe sich als „großer Erfolg” entpuppt, und das Konzept werde nun weiter ausgerollt, die nächste Eröffnung steht schon Ende April oder Anfang Mai in Graz an.

Absage an „Rabattitis”

In Sachen Sortiment spricht sich Haider klar für Regionalität („In jedem Outlet mindestens 10-30 m² für lokale und regionale Produkte”) und Bio („Der Umsatzanteil liegt bei zehn Prozent, Tendenz steigend”) aus: Die im Vorjahr lancierte Eigenmarke Unipur sei bereits für vier Prozent des Umsatzes verantwortlich, das Sortiment von aktuell ca. 160 Produkten solle mittelfristig um 50 bis 100 Artikel wachsen.

Eine Absage erteilt Haider indes der grassierenden Aktionitis – mit Spitze in Richtung Mitbewerb: „Während manche Player im LEH über ihren Aktionsanteil von mitunter über 40 Prozent weiter wachsen, hat die UniGruppe einen Aktionsanteil von 20 Prozent und will nicht riskieren, auf diesem Wege Werte zu vernichten.” Umgekehrt rechnet Haider aufgrund des Ukrainekriegs und der Rohstoffkrise zwar nicht mit Lebensmittel-Engpässen, es sei aber „leider sehr wohl weiterhin mit Preiserhöhungen zu rechnen”.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL