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„Digital und finanziell sehr gut aufgestellt” © Unito / Georg Aufreiter
© Unito / Georg Aufreiter

Redaktion 23.09.2022

„Digital und finanziell sehr gut aufgestellt”

Otto Österreich will seinen Umsatz bis 2030 verdrei- bis vervierfachen – auch der Mutterkonzern rechnet langfristig mit saftigen Zuwächsen.

••• Von Paul Hafner

SALZBURG. Das heurige Jahr steht für die Unito-Gruppe ganz im Zeichen des 30-jährigen Bestehensjubiläums von Otto in Österreich. Hervorgegangen aus dem 1894 in Graz gegründeten und 1988 von der deutschen Otto Group erworbenen Versandhaus Moden Müller, erschien 1992 der erste Katalog von Otto Österreich; frühzeitig erkannte man die Zeichen der Zeit, stellte 1998 mit dem Launch von ottoversand.at die Weichen für die digitale Zukunft, läutete 2017 mit dem Otto-App das Ende des gedruckten Katalogs ein – und präsentierte sich im Frühling zum runden Geburtstag komplett vom Katalogversender zum Onlinehändler transformiert und mit einem Umsatz von rund 100 Mio. €.

Anlässlich des Jubiläums sowie der gegenwärtigen Herausforderungen luden Michael Otto, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Otto Group, und Harald Gutschi, Sprecher der Geschäftsführung der Unito-Gruppe, zum Pressegespräch ins Hotel Motto in Wien-Mariahilf.

„In privilegierter Lage”

Ein Gewinner der Coronakrise – im Geschäftsjahr 2020/21 (1. März 2020 bis 28. Februar 2021) legte Otto Österreich im direkten Warengeschäft mit Kunden (Vertriebsumsatz) um 32,3% zu –, peilt die Unito-Marke und Tochter der Otto Group bis 2030 eine Verdrei- bis Vervierfachung ihres Umsatzes an; aufgrund der Teuerung und Energiekrise habe man die Wachstumserwartung für 2023 allerdings „von zehn Prozent auf fünf bis zehn Prozent reduziert”, so Gutschi; danach plane man wieder mit Wachstumsraten von 15%+.

Generell sieht der Unito-Chef das Unternehmen in einer privilegierten Lage: „Mit unserem Geschäftsmodell ist alles weitestgehend organisierbar. Wir können etwa rasch über Werbekosten entscheiden – diese runterfahren, wenn das nötig ist, und genauso schnell wieder hochfahren, wenn sich die Lage entspannt. Da geht es uns viel besser als anderen Unternehmen.”

Kalter Herbst, grüne Zahlen

Die Folgen der Energiekrise spüre man in den letzten Wochen auch am Kaufverhalten der Kunden: „Die Leute kaufen sich warme Decken und Kaminöfen. Sie kuscheln sich ein für einen herausfordernden Winter”, beobachtet Gutschi. „Die Menschen richten sich wirklich ein, dass sie die Wohnungen um zwei Grad runterkühlen, und kaufen sich warme Sachen.”

Nicht das angestrebte „zweistellige Plus” erreichen konnte Otto Österreich im Investitionsgüterbereich, wo man letztlich ein Prozent unter dem Vorjahreswert bilanzierte; ein solides Wachstum von 15% weist man dagegen im Textilgeschäft auf (Gutschi: „Die Leute gehen raus, Corona ist vorbei. Baden, Urlaub – die Kleidungsgrößen passen nicht mehr”).
„Überraschend hoch ausfallende Wachstumsraten von bis zu 50 Prozent” habe man indes in den ersten Wochen des zweiten Halbjahres im Bereichen Living und Möbel gemessen; auch bei Technik – wo man im ersten Halbjahr deutlich unter den Erwartungen „und nur knapp über dem Vorjahr” zwischenbilanziert hat – liege man im noch jungen zweiten Halbjahr mehr als 50% über dem Vorjahreszeitraum, da laut Gutschi viele vor dem Hintergrund steigender Energiepreise energieeffiziente Geräte kaufen würden.

Breites Markenportfolio

Die Aktivitäten der Otto Group in Österreich gehen indes über die Unito-Marken – neben Otto Österreich auch Universal, Quelle und Lascana – „weit hinaus”, wie Michael Otto. Aufsichtsratschef des in rd. 30 Ländern aktiven Hamburger Konzerns (Gesamtumsatz 2021/22: 16,1 Mrd. €) betont: „Wir sind hier auch mit About You, Bonprix, Frankonia, Mytoys, Witt und Hermes vertreten – und seit vier Jahren mit dem Warenhaus Manufactum Am Hof in Wien auch stationär präsent.”

Den Umsatz der Gruppe in Österreich beziffert Otto auf insgesamt 431 Mio. € – damit habe man schon „eine gewisse Bedeutung auf dem österreichischen Handelsmarkt”.
Der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage begegne man im gesamten Konzern mit Respekt, versichert Otto. „Ich habe in meinen weit mehr als 50 Berufsjahren manche Herausforderung erlebt – aber diese ist eine besondere”, meint Michael Otto. „Aus der Coronapandemie haben wir es noch immer mit Störungen auf der Beschaffungsseite zu tun, die sich durch den Krieg in der Ukraine und die drohenden Auseinandersetzungen mit China erheblich verschärft haben.” Der Krieg, die Inflation, die Ängste der Bürgerinnen und Bürger und die Energiekrise verschärfen die Absatzprobleme. Das alles führt in vielen Ländern Europas zu einer erheblichen, in Deutschland einmalig großen Nachfrageunlust.”

„Sehr gut aufgestellt”

Allen Widrigkeiten und Unwägbarkeiten zum Trotz sei die Handelsgruppe mit über 43.000 Mitarbeitern derzeit „digital, kundenmäßig sowie finanziell sehr gut aufgestellt” und halte am Kurs der Investition in Digitales, Logistik und neue Geschäftsfelder fest, bekräftigt Otto: „Von den früheren großen Katalogversendern ist die Otto Group mit ihren Marken der letzte, der überlebt hat. Ich bin als CEO mit meinem jeweiligen Technikvorstand ab den 1980ern regelmäßig in die USA gereist, um zu sehen, an welchen technologischen Entwicklungen gearbeitet wird. Zentral für unseren Erfolg ist, dass wir Technologie zu einem frühen Zeitpunkt für den Nutzen der Kundinnen und Kunden eingesetzt haben.”

Spuren hinterlassen werde die Krise aber dennoch – beim Umsatz und insbesondere beim Ertrag, da man in dieser angespannten Situation höhere Einstandskosten nicht zur Gänze an die Kunden weitergeben könne.

Klimaneutral in Österreich

Auch das Thema Nachhaltigkeit kam im Rahmen des Pressegesprächs zur Sprache: Seit Mitte der 80er-Jahre sei man bestrebt, die Prozesse im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu optimieren, betont Otto; bis 2030 soll der gesamte Konzern klimaneutral sein.

Otto Österreich, das seit Anfang 2021 alle Sendungen CO2-neutral zustellt, darf sich bereits seit 1. Juli diesen Jahres klimaneutral nennen. Gutschi stellt klar: „Wir agieren nach dem Grundprinzip Vermeidung, Reduzierung, Kompensation. Sind alle Möglichkeiten, schädliche Klimagase zu vermeiden und zu reduzieren, ausgeschöpft, kompensieren wir unvermeidbare Emissionen mit Projekten höchsten Qualitätsstandards – und das zu zehn Prozent mehr, als wir an Emissionen ver­ursachen.”

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