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Egger zischt los! © Marius Höfinger/Privatbrauerei Egger

St. Pölten-Bgm. Matthias ­Stadler, Braumeister Wolfgang ­Reither, LH ­Erwin Pröll, Egger-GF ­Bern­hard ­Prosser, GF Kurt ­Ziegleder.

© Marius Höfinger/Privatbrauerei Egger

St. Pölten-Bgm. Matthias ­Stadler, Braumeister Wolfgang ­Reither, LH ­Erwin Pröll, Egger-GF ­Bern­hard ­Prosser, GF Kurt ­Ziegleder.

christian novacek 03.03.2017

Egger zischt los!

„Wir wollen Österreichs größte Privatbrauerei werden!”, lautet Egger-Chef Bernhard Prossers Kampfansage.

••• Von Christian Novacek

Egger will’s wissen: „Wir haben in sieben Jahren 50 Mio. Euro investiert”, sagt Geschäftsführer Bernhard ­Prosser, „und wir verfügen jetzt über eine der modernsten Braustätten Europas. Auf diesem Weg wollen wir weitermachen.” Der aktuelle Meilenstein des Weges ist eine Dosenabfüllanlage. Sie hat sechs Mio. € gekostet, dazu kam noch rd. 1 Mio. € für notwendige Zubauten. „Damit haben wir eine Anlage für höchste Ansprüche in Betrieb genommen”, freut sich Prosser. Die ist mit 36.000 Dosen in der Stunde (entspricht rd. 850.000 täglich) nicht nur bestens dosiert, sie spielt auch verpackungstechnisch am ganz großen Biertisch mit: Sieben Verpackungsgrößen sind möglich, der Egger-Geschäftsführer spricht in dem Zusammenhang von einer „Maßschneiderei für Kunden”. De facto wäre nun gar Wein in Dosen umsetzbar – für Egger gewichtiger ist aber, dass die Dose im Exportgeschäft unverzichtbar ist.

Dynamik im Export

Export: Der macht bei Egger Bier inklusive Handelsmarken und Lohnfüllungen bereits deutlich mehr als ein Drittel des Gesamtausstoßes aus. „Die Dose als Verpackungseinheit ist die richtige Wahl für den Export”, ist Prosser, zuständig für Marketing und Vertrieb, überzeugt. „Die Qualität des Produkts ist für eine sehr lange Zeit gewährleistet, da keine Kohlensäure entweichen und auch kein Lichteinfall das Getränk trüben kann.” Logische Conclusio der engen Verflechtung von Dose und Export: Der geplante Expansionsschub kann nun produktionsseitig bestens bedient werden.

Dabei lag der Egger Exportanteil bereits 2016 bei 37%, im Vergleich zum Jahr 2015 ist er damit um 48% gestiegen. Insgesamt wird in rund 22 Länder exportiert. Neben den Nachbarländern Ungarn, Deutschland, Slowenien oder Italien sind die Produkte aus Unterradlberg ebenso in exotischen Destinationen wie China, Paraguay, ­Südkorea und Russland zuhause. Besonders gern zur Egger-Dose greifen die Südkoreaner: Sie konsumierten ganze 11.000 hl Egger Radler. Prosser dazu: „Wir sind in Südkorea in rund 10.000 Supermärkten gelistet!” Aber auch in Russland gingen 2.500 hl Radler „weg” – was 2,7 Mio. Krügel bedeutet und dank eines kompetenten Importeurs selbst im prinzipiell export-trüben ­Gelände (Stichwort: Embargo) eine stabile Größe darstellt.
Das Egger-Exportfähnchen soll aber noch in einigen Ländern mehr wehen: „Unsere Expansionstätigkeiten konzentrieren sich sowohl auf die Eroberung neuer Länder, als auch auf den Ausbau bereits vorhandener Märkte, wo wir versuchen wollen, weitere Produkte aus unserem Haus zu platzieren”, skizziert Prosser die Strategie.

Kompetent auf drei Säulen

So viel Egger in so vielen Ländern – da bleibt letztlich die Frage nach der Kompetenz im Heimmarkt. Grundsätzlich steht die Privatbrauerei auf drei Säulen, die jeweils rund ein Drittel des Geschäfts ausmachen: Das Markengeschäft mit Egger, die Lohnabfüllung und die ­Eigen- bzw. Handelsmarkenproduktion. „Wenn was zwickt, bleiben immer noch zwei Standbeine, auf denen wir stabil stehen können”, meint Prosser leicht verschmitzt.

Veränderungen im Geschäft gibt es immer, Flexibilität ist ein Gebot. Wer gestern noch sein Bier gänzlich von Egger produzieren ließ, kann morgen auf die Idee kommen, die dazugehörigen Rohstoffe lieber selbst anzuliefern – was dann logischerweise den Erlös drückt.
Trotz Lohnfüllungskunden, die ihr eigenes Rohmaterial zur Verfügung stellen, lief es für die Privatbrauerei zuletzt gut: Der Umsatz wird im Vergleich zum abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende April) leicht zulegen, also mehr als zuletzt 49 Mio. € betragen. Von der abgefüllten Menge von „deutlich über” einer Mio. hl wurden im Vorjahr 930.000 hl Bier selbst gebraut, 2015 waren das 870.000.
Gemeinsam mit dem für die Finanzen zuständigen Geschäftsführer Kurt Ziegleder proklamiert Prosser indes ein ehrgeiziges Ziel: „Mittelfristig wollen wir die größte Privatbrauerei Österreichs werden.” Bis zur Erfüllung der Kampf­ansage sind zwar noch einige (Salzburger) Stufen zu erklimmen, aber die unabdingbare ­Voraussetzung erfüllt Egger aufgrund der national starken Distribution durchaus.

Egger on the road

Ein weiterer Sprung in Richtung neue Größenordnung (neben dem großen Schritt via Dosenfüllanlage) erfolgt 2017 mittels „Marketingschub”. Per Mitte April startet u.a. der „Egger Genuss-Truck”, der die Zahl von 500.000 derzeit dem Bier aus Unterradlberg Zugeneigten deutlich erhöhen soll: „Ich erwarte mir viele Konsumenten, die dann sagen: Ich hab gar nicht gewusst, dass Egger das beste Bier ist!”, ist Prosser anlässlich der Dosenanlagen-Eröffnung (siehe medianet, Seite 54) gut gelaunt.

Gerade anlässlich der Eröffnung der neuen Dosenabfüllanlage rückt eine weitere Eigenheit der Privatbrauerei in den Mittelpunkt: die Heimatverbundenheit. Das Tiroler Unternehmen, das nahe St. Pölten seine Wurzeln gegraben hat, schwört auf Österreich als Produktionsstandort. Prosser: „Wir bedienen sämtliche Exportmärkte hier von Unterradlberg aus.” Als Wirtschaftsfaktor hat das folgende Entsprechung: Aktuell bietet das Unternehmen, also die Egger Getränkegruppe gesamt, 204 Arbeitsplätze – und tendenziell werden das mehr.

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