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Einkaufserlebnis sucht Digitalisierung © Panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd
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christian novacek 21.06.2019

Einkaufserlebnis sucht Digitalisierung

Im Interview legt Michael Buchacher von DMS dar, wie sich digitale Helferleins stationär am besten einsetzen lassen.

••• Von Christian Novacek

Michael Buchacher, Gründer des Wiener Unternehmens Digitale Mediensysteme, beschäftigt sich seit 15 Jahren erfolgreich mit innovativen technischen Lösungen mit Fokus auf Point-of-Sale. In dieser Marktnische ist er Insidern ein Begriff – und nun im medianet-Interview.

 

medianet: Sie sind bisher nur informierten Fachkreisen bekannt. Was macht die DMS eigentlich?
Michael Buchacher: Wir konzipieren, gestalten und betreiben im Unternehmen alles, was der stationäre Handel und andere Retail-Betriebe wie Banken oder Telekom-Unternehmen für die Digitalisierung in den Filialen benötigen. Im Kern geht es um ein angenehmes Shopping-Erlebnis; dabei verschmelzen Online- und Offline-Welt. Das kann ein angenehmes Klangbild sein, oder Werbe- und Infodisplays mit kuratiertem Programm in unterschiedlichen Größen und Spezialanfertigungen für Flagship-Stores bzw. Messeauftritte, oder auch Sensorlösungen. DMS agiert dabei als Full-Service-Agentur, die von der Konzeption, über Entwicklung und Implementierung bis hin zur laufenden redaktionellen und technischen Betreuung alles anbieten kann. Wir arbeiten vom Standort in Wien-Ottakring aus mit den besten Technologieanbietern zusammen und entwickeln eigene technische Lösungen, die für sich stehen und unsere Kunden weiterbringen.

medianet: Womit kann man Kunden in Zeiten der digitalen Überinformation gut erreichen?
Buchacher: Im stationären Handel wissen wir, dass gerade ab der Generation der Millennials Menschen wieder das Erlebnis in der Markenwelt im Store suchen und nicht mehr ausschließlich digital einkaufen wollen. Es geht ihnen dabei um das Erlebnis von Funktionalität, die Haptik von Produkten, die Beratung – und oft auch um das Zusammensein mit Freundinnen und Freunden in der Freizeit.

medianet: Was ist in Sachen digitale Kommunikation am POS aktuell im Trend?
Buchacher: Online- und offline-Welt verschmelzen – das Schlagwort dafür ist ‚phygital'. Das liegt einerseits an kleineren Flächen der Filialen wegen höherer Kosten und geringerer Vielfalt vor Ort. Dafür bieten wir zum Beispiel Virtual Shelf/Endless Aisle-Lösungen als Online-Shop im Store, der mittels Touchscreens nutzbar ist und als Verkaufsunterstützung für das Personal dient. Ein solcher Screen unterstützt die Auswahl der Produkte und macht die Konfiguration vor Ort möglich. Kunden lassen sich dann z.B. das ausgewählte Produkt nach Hause liefern, während durch individuelle QR-Codes die Verkaufsprovision dem jeweiligen Händler automatisch gutgeschrieben wird.

 

medianet: Was ist sonst schon möglich – und wird aus Ihrer Sicht zu wenig genutzt?
Buchacher: Zum Beispiel kann ein Display in einer Filiale automatisiert jederzeit Fakten wie Ort, Uhrzeit, Wetter, Anzahl der Personen in der Umgebung und lokale Ereignisse ‚wissen' und darauf entsprechend reagieren – durch Einspielung bestimmter Inhalte, Länge der Anzeigedauer, etc.; dadurch wird eine echte Lokalisierung des Store-Erlebnisses möglich.

medianet: In welche Richtung wird sich die digitale Kommunikation am POS im Handel weiterentwickeln?
Buchacher: Wir sehen hier einige unterschiedliche Richtungen, die sich auch gegenseitig beeinflussen, etwa die Verkaufsunterstützung vor allem für die Beschäftigten im Handel durch mehr Infos für bessere Beratung. Gleichzeitig dient eine Filiale als das Ambiente, das Marken und ihre Images erlebbar macht. Digitale Lösungen als Unterstützer bei der Konfiguration und Individualisierung von Bekleidung, Möbel, etc. sind bereits im Einsatz, ebenso ‚Click & Collect'-Lösungen, wo sich Kunden nur mehr die ausgewählten Artikel abholen. Auch der Trend zu Tags/RFID ist mittlerweile unübersehbar. Und dann wäre da noch das bereits beschriebene Virtual Shelf, mit dem man etwa Produkte zeigen kann, die im Store nicht lagernd, aber bestell- und lieferbar sind. Mit 5G werden Datenverbindungen stärker und echtzeit-fähig. Das bietet uns neue Chancen, die Verzögerung bei der Übertragung von Inhalten wird künftig nicht mehr spürbar sein.

medianet: Wie kommen Sie an neue Trend-Informationen und Innovationen?
Buchacher: Wir informieren uns regelmäßig für unsere Kunden bei Fachmessen und internationalen Events, heuer etwa bereits in New York bei einer Zukunftsreise der Wirtschaftskammer Österreich oder erst im Mai bei einer wichtigen Fachmesse in Barcelona. Unser Wissen geben wir gern weiter – bei Besuchen in unserem Showroom in der Hasnerstraße, bei Kongressen oder Veranstaltungen wie dem NÖ Handelstag der Sparte Handel. Im persönlichen Dialog lernen wir, was aktuell aus Kundensicht möglich ist. Außerdem veranstalten wir gemeinsam mit unseren Kunden gern (kontrollierte) Tests mit unseren Kunden. Ohne ein top-motiviertes und kompetentes Team wäre das alles nicht möglich.

Weitere Infos:
https://www.digitale-medien.at/approach-solutions/

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