Eis sorgt für Schub, Neoh wächst weiter
© Neoh
Manuel Zeller
RETAIL Redaktion 10.07.2026

Eis sorgt für Schub, Neoh wächst weiter

Neoh-Chef Manuel Zeller über den Erfolg der Eislinie, die Chancen von Zero Plus und die Expansion nach Deutschland.

•• Von Oliver Jonke  und Christian Novacek

Neoh-Chef Manuel Zeller spricht im Interview mit medianet-Herausgeber Oliver Jonke über den überraschenden Erfolg des neuen Eises, die zunehmende Bedeutung von Zero plus und die nächsten Expansionsschritte. Nach sieben Jahren Aufbauarbeit sieht der Unternehmer Neoh an einem bedeutenden Wendepunkt angekommen.

Eigentlich wollte Neoh vor allem das Schokoladenregal aufmischen. Dass ausgerechnet Eis zu einer Erfolgsgeschichte werden würde, war nicht vorherzusehen. „Unser Schokoladenproduzent hat gefragt, ob er unsere Schokolade und Zero plus auch in einer klassischen Eiscreme versuchen kann“, erzählt Manuel Zeller. Die ersten Muster hätten sofort überzeugt. „Das hat in der Sekunde mega geschmeckt. Da haben wir uns gedacht: Was spricht eigentlich gegen Eis?“

Im Gegensatz zu Produkt­entwicklungen, welche Jahre in Anspruch nehmen, ging es mit dem Eis flott: „Wir haben uns überhaupt nicht ausgekannt im Business und es war auch nicht wirklich geplant“, sagt Zeller. „Aber hin und wieder nimmt man auch gern den einfacheren Weg, wenn er einmal passiert.“
Der Markt reagierte positiv: Laut Zeller entwickelte sich das Produkt unmittelbar nach der Einführung zum Bestseller. „Die ersten warmen Wochen – und das Eis hat den Topseller sogar überholt“, berichtet er. Besonders bemerkenswert sei auch, dass die Nachfrage bereits im Frühjahr anzog.

Eis mit weniger Kalorien
Das Eis soll speziell bewusste Konsumenten ansprechen. Während vergleichbare Produkte meist zwischen 140 und 150 Kalorien enthalten, bleibt die Neoh-Variante unter 100 Kalorien pro Portion und kommt ohne zugesetzten Zucker aus. „Das ist ein perfekter Snack“, sagt der Neoh-Gründer. Angeboten wird das Produkt im Viererpack mit Vanilleeiscreme, Schokoladenüberzug und Mandelsplittern; aktuell ist es bei Billa und Billa Plus erhältlich.

Auch preislich versucht Neoh näher an konventionelle Produkte heranzurücken. „Wir wollen so viele Menschen wie möglich wegbringen von Zucker“, betont Zeller. Beim Eis sei es gelungen, den Preisunterschied deutlich zu reduzieren. „Das ist fast beim Faktor 1,2 oder 1,3 gelandet. Das ist ein minimaler Premiumaufschlag.“

Neuer Geschäftsbereich
Neben der Marke Neoh rückt zunehmend auch Zero plus in den Fokus. Der auf Ballaststoffen basierende Zuckerersatz wird nicht nur in den eigenen Produkten eingesetzt, sondern soll als eigenständiges Ingredients-Geschäft an andere Lebensmittelhersteller vermarktet werden. Der Zuckerersatz wurde mithin für Schokolade entwickelt, eröffnet mittlerweile aber größere Perspektiven. „Wir haben immer mehr herausgefunden, dass Zero plus tatsächlich bahnbrechend ist“, erklärt Zeller. Die Anwendung funktioniere nicht nur in Schokolade, sondern ebenso in Eiscreme, Joghurt, Ketchup oder Getränken.

Gerade im Getränkebereich sieht der Unternehmer großes Potenzial. Zwar hätten sich zuckerfreie Produkte etabliert, dennoch seien viele Konsumenten geschmacklich nicht vollständig überzeugt.
Hier soll Zero plus ansetzen. Erste Gespräche mit Getränkeherstellern laufen bereits. Die Bandbreite reicht von Eistee über Fruchtgetränke bis hin zu Energy-Drinks. Namen könne man derzeit noch nicht nennen, das Interesse sei jedoch groß.

Qualitätssiegel Zero plus
Langfristig soll Zero plus zum Qualitätsmerkmal werden. „Die Idee ist dann eben über Zero plus dieses Qualitätsmerkmal auch abzustempeln“, erläutert Zeller. „Ein bisschen wie Intel Inside.“ Konsumenten sollen erkennen können, dass Zucker durch Ballaststoffe ersetzt wurde, ohne geschmackliche Einbußen hinnehmen zu müssen.

In Bezug auf internationales Wachstum ist Zeller selbstkritisch. „Da sind ein paar Fehler passiert. Wir waren zu schnell im Ausland unterwegs“, sagt er offen. Mittlerweile verfüge Neoh jedoch über mehr Erfahrung und über Produkte, die den eigenen Ansprüchen voll entsprechen.

Eine starke Homebase
Österreich bleibt dabei das Fundament. „Wir sind fast Richtung zehn Millionen Euro Umsatz in Österreich unterwegs“, berichtet Zeller. Nach sieben Jahren Unternehmensgeschichte sei das eine erfreuliche Entwicklung. Nun soll vor allem Deutschland stärker bearbeitet werden. „Jetzt haben wir Produkte, bei denen ich wirklich meine Hand dafür ins Feuer lege“, betont der Unternehmer. „Die Formel funktioniert, der Geschmack funktioniert und wir haben die Geschmäcker erwischt, die die Menschen lieben.“

Künftig soll Neoh auf zwei Säulen aufbauen: die Marke Neoh im Süßwarensegment und Zero plus als skalierbare Lösung für weitere Lebensmittelkategorien. „Zucker ist überall drinnen“, sagt Zeller. „Es wäre fast vermessen, diese Innovation nicht auch über andere Marken zu verbreiten.“

Die Forschung bleibt wesentlicher Bestandteil der Strategie. „Die wird nie aufhören“, unterstreicht Zeller. Dass die Entwicklung an Dynamik gewinnt, spürt Zeller im gesamten Unternehmen. „Bei Neoh ist wirklich dieser Tipping Point erreicht“, sagt er. „Wir wachsen wahrscheinlich über 50 Prozent.“ Für Zero plus ist das nicht anders.

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