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Fressnapf schreibt seine Erfolge auch in XXL © Fressnapf Österreich
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Redaktion 29.04.2022

Fressnapf schreibt seine Erfolge auch in XXL

Fressnapf-Geschäftsführer Hermann Aigner hat seine Filialen digital und in XXL in die Moderne gehievt.

••• Von Georg Sander

KLAGENFURT. Am 14. April 2022 eröffnete der Tierbedarfshändler Fressnapf in Klagenfurt den ersten österreichischen XXL-Markt. Gemeinsam mit Bürgermeister Christian Scheider durchschnitt Geschäftsführer Hermann Aigner das Band am Eingang: Auf 1.400 m² präsentiert das Unternehmen über 15.000 Produkte, einen Salon, einen neuen Servicepoint und eine BARF-Abteilung (biologisch artgerechtes rohes Futter); neben lebenden Kleintieren wie zum Beispiel Kaninchen, Meerschweinchen, Hamstern und Nagern gibt es eine Abteilung für Vögel und eine naturnahe Aquaristik-Fachabteilung mit über 280 Zierfischarten.

Das neue Marktkonzept zeigt sich besonders hell, modern und übersichtlich – nach Tierarten gegliedert sowie in einer Art Marktplatz. Die Einrichtung präsentiert sich in einem Mix aus skandinavischem Design und Industrial-Look. Und das alles energiesparend und mit Grünstrom betrieben.
medianet hat die Eröffnung zum Anlass genommen, um mit Geschäftsführer Hermann Aigner über das neue Konzept, das Wachstum trotz der anhaltenden Krisen, die Trends der Branche und die Stärken von Fressnapf zu sprechen.

Der XXL-Markt

Im Konzern gibt es verschiedene Filialgrößen. Angefangen bei den Standortfilialen mit rund 500 m², Lebendtierfilialen mit 700 m² und den doppelt so großen, nun hierzulande neuen, XXL-Filialen.

„In Klagenfurt haben wir eine hervorragende Lage”, erklärt Aigner. „Das Sortiment ist breiter, es gibt einige Brands, die es in den normalen Stores nicht gibt. Insgesamt haben wir dort zusätzliche Sortimente, bis hin zu unseren neuen Imkerprodukten.” All das, was neu sei, sei auch „multiplizierbar”, also zum Teil an anderen Standorten umsetzbar. „Wir beginnen sukzessive, die Ökosystem-Bausteine auch ins Geschäft zu bringen”, meint er. Das heißt, dass es alles auf einem Fleck gibt – von Aquaristik, über Nagetiere bis hin zum Hundesalon. Andernorts gibt es sogar Tierärzte.
Das Herzstück der Filiale ist der neue Infopoint: Eine zentrale Anlaufstelle für die Kunden, wie sie auch andere Fachmärkte mehr und mehr umsetzen. Was kann jener von Fressnapf? „Der Infopoint hat mehrere Aufgaben. Der klassische Normalkunde wird den nicht wirklich benützen. Viele Kunden bleiben zum Beispiel konstant und stabil beim Futter”, spielt er auf die an, die wissen, was ihr Tier braucht und kaum Hilfe brauchen. Aber: „Dienstleistungen werden immer wichtiger. Wir wollen mit dem Kunden kommunizieren.” Genau dafür ist die zentrale Anlaufstelle gedacht. Es gibt aber auch eine digitale Adoptierstube. „Wir arbeiten mit zertifizierten Tierheimen zusammen; der Kunde kann per Touchscreen Fotos und Infos ansehen und so einem Tier eine zweite Chance geben”, erklärt er. Das gebe es schon in Seyring, dort arbeite man mit dem Qualitätshaus TierQuarTier zusammen.

Dienstleistung im Fokus

Weiters gebe es einen digitalen Marktplatz. Nischenanbieter können dort ihre Produkte offerieren, zum Beispiel kleine, regionale Betriebe. „Da findet man auch das, was wir als großer Store nicht anbieten können, weil es beispielsweise sehr spitz ist”, führt Aigner aus. Darüber hinaus will man die – auch für das Unternehmen überraschend gut laufenden – Fressnapf-Reisen prominenter platzieren, das Angebot ausbauen.

Der Markt selbst bietet noch den Hunde- und Katzensalon für Fell- und Krallenpflege. Zudem könne man auch Veranstaltungen durchführen: „Wir haben rund 500 Quadratmeter, die wir freiräumen können und wo wir mit Bühne und Sesseln Liveveranstaltungen durchführen können: etwa Hundetrainershows, Vorträge und so weiter. Der Infopoint wird multifunktional genützt werden.”

Zweistelliges Wachstum

Das muss man sich erst einmal leisten können, und das kann Fressnapf: 2021 legte der Umsatz von in Österreich um 12% auf 240 Mio. € zu „Wir haben einen Plafond erreicht, wachsen immer noch, aber hoch einstellig”, so Aigner. „In den letzten beiden Jahren sind wir überproportional gewachsen. Das ist im Retail-Bereich nicht so einfach, wenn man nicht expandierend unterwegs ist.” Einen Großteil des neuen Umsatzes führt er auf die Pandemie-Haustiere zurück, also jene neuen Kunden, die sich mit der vermehrten Zeit zu Hause beispielsweise vierbeinige Freunde angeschafft haben.

„Der Trend ist nachhaltig, ich glaube und bin davon überzeugt, dass man das Tier nicht weggibt”, führt Aigner den einen großen Wachstumsgrund aus. „Vielleicht nimmt man sich noch ein zweites Haustier. Das ist für unsere Branche eine Chance. Natürlich gibt es auch Menschen, die überfordert sind. Tierheime werden zukünftig gut gefüllt sein, aber die Mehrheit wird beim Haustier blieben. Wenn man den Mehrwert einmal gespürt hat, gibt man das Tier nicht auf.”

Wie geht es weiter?

Aber nachhaltige Entwicklungen sind dieser Tage nicht leicht zu prognostizieren. Natürlich war auch Fressnapf in den letzten Jahren teilweise von Lieferkettenproblemen betroffen. „Wir haben auch die Krise gespürt, das hat uns getroffen wie alle anderen auch. Wenn heute Container knapp sind, sind sie auch für unsere Branche knapp”, erklärt er. Selbiges gilt für Inflation, steigende Energiepreise und Co.: „Stromkosten verdoppeln sich nicht nur bei uns, sondern auch beim Lieferanten. Die Rohstoffe werden auch nicht billiger. Es müssen aber alle überleben können, das zieht sich durch.”

Nun kommen mit dem Krieg gegen die Ukraine weitere Herausforderungen. Es sei davon auszugehen, dass Rohstoffe zumindest aus diesem Bereich kommen oder zumindest an der Preisgabel dranhängen. Dadurch ergeben sich aus jeder Krise Einflussfaktoren: „Die Welt ist klein. Da hängt es nicht nur an einzelnen Orten, sondern an den Weltmarktpreisen.” Aber Fressnapf arbeitet auch sehr intensiv mit zwei Organisationen in der Ukraine-Hilfe zusammen, da zeigten sich die Spender großzügig.
Was Aigner sich jetzt kundenseitig erwartet, da man schließlich kaum damit aufhören wird, das eigene Tier zu füttern? „Wenn die Krise in den Haushalten ankommt, wird wohl der eine oder andere nicht mehr im Premiumbereich zugreifen, sondern eher Mid-Price. Alle Produkte wachsen gleichmäßig, aber irgendwann ist eine Preisschwelle erreicht, da geht der einkommensschwächere Haushalt nicht mehr drüber.”

Trends: BARF, digital, Service

Naheliegenderweise gibt es auch für günstigere Tiernahrung bei Fressnapf Angebote. Was es auch vermehrt gibt, ist BARF, also Rohfleischfütterung.

„Es wächst langsam und stetig. Wir haben mittlerweile viele BARF-Truhen”, blickt er zurück. „Ganz früher hatten wir in zehn Filialen eine Truhe stehen, vor fünf, sechs Jahren gab es ein paar Filialen, und heute bieten wir in 40 von 133 Filialen BARF. Wir geben mehr und mehr dazu, weil es eine sehr coole Alternative zum herkömmlichen ist.” Allerdings: Man müsse sich auskennen und mit der Thematik auseinandersetzen – und billiger ist sei es insgesamt auch nicht. Es passe aber in die Zeit.
Genauso in die Zeit passt die Digitalisierung. Das war kein Problem, verfügt Fressnapf doch über einen funktionierenden Online-Shop. „Wir sind diejenigen in der Branche, die ganz neue Maßstäbe setzen werden”, stellt Aigner klar und spricht die neue App an. Diese wird das Ökosystem digital abbilden – mit allen Services und Dienstleistungen. Der Startschuss ist für Juli geplant. Am Anfang soll es Grundinfos und Rabatte für die Haustiere, dann soll die App sukzessive erweitert und schließlich das „multifunktionale Werkzeug für den Verbraucher” werden. Der Kunde gibt Tiergattung, Alter und Gewicht an und bekomme eine echte Serviceleistung: „Die App wird kein Werbekanal, sondern für das Haustier: Was kann und was soll ich tun, damit es dem Tier gut geht?”

Experten warten vor Ort

Die klassische Beratung finde vor Ort statt. Die aus Aigners Sicht engagierten Mitarbeiter seien Experten. Wie früher beim Greißler, der wusste auch alles. Nur eben mit der riesigen Produktpalette dahinter. Fressnapf sei ein Fachgeschäft, das mehr als ein Baumarkt, LEH oder Drogerie liefere. Die Mitarbeiter verstünden das Tier: „Wir haben Hunderte Angestellte, die eine große Leidenschaft haben. Sie sind so cool und gut drauf. Ich glaube, wenn man einmal direkt mit einem Fressnapf-Mitarbeiter zu tun hatte, merkt man das und kommt wieder, vielleicht gar nicht so sehr wegen unserem Store.”

Aigner fasst es so zusammen: „Es geht um Vertrauen. Haustiere sind kein Gebrauchsgegenstand, sondern ein Familienmitglied. Wir haben Produkte, Auswahl, Expertise und die richtigen Berater.”

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