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Hoch konzentriert und flächendeckend präsent © Panthermedia.net/Viktor Cap

KonzentriertIn fast allen Branchen haben die Top-Filialisten in den letzten Jahren Marktanteile ausbauen können und schwächere Unternehmen verdrängt.

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KonzentriertIn fast allen Branchen haben die Top-Filialisten in den letzten Jahren Marktanteile ausbauen können und schwächere Unternehmen verdrängt.

christian novacek 21.09.2018

Hoch konzentriert und flächendeckend präsent

Eine aktuelle Analyse von RegioData-Research zeigt auf: Die Konzentration im österreichischen Einzelhandel steigt weiter an.

••• Von Christian Novacek

WIEN. Es ist stadtbekannt: Die drei größten Supermarktketten Rewe (Billa, Merkur, Penny), Spar und Hofer dominieren den österreichischen Lebensmittel-Einzelhandel – und das mit dem mächtigen Marktanteil von 83,9%. Der ist laut RegioData Research weiterhin im Steigen, wenn auch nicht mehr in ausgeprägter Rasanz.

Im Jahr 2005 standen die Top Fünf im LEH für einen Marktanteil von 88%; heute haben sie knapp 95%.
Noch etwas aussagekräftiger wirkt der Umstand von hinten aufgezäumt: Alle anderen Lebensmittelhändler müssen sich mit kärglichen fünf Prozent des Marktes zufriedengeben.

Unverzichtbare Größen

International können in Sachen Konzentration laut RegioData nur Finnland, Norwegen und Schweden annähernd mithalten. In der Praxis schaut der hohe Konzentrationsgrad so aus: Mehr als vier von fünf Österreichern kaufen bei Rewe, Spar oder Hofer ein.

Die Macht der Drei bedient somit eine derart erkleckliche Konsumentenschar, dass sie dieserart nicht nur für die Konsumenten direkt, sondern ebenso für die Lebensmittelindustrie als Lieferanten unverzichtbar geworden sind. Ergo stehen laut RegioData die Markenartikler vor der Problematik, dass, wenn ein neues Produkt bei Rewe oder Spar nicht gelistet wird, dieses kaum Chancen hat, zu reüssieren.
Andererseits entstünden durch Oligopole Chancen für Nischenanbieter – im Lebensmittelhandel etwa für Ethnogeschäfte wie die türkische Kette Etsan oder für Biosupermärkte wie „denn’s”.

Produktivitätskaiser Hofer

Strukturell entwirft RegioData Research für den LEH folgendes Szenario: Rewe hat österreichweit die meisten Standorte, die umsatz- und flächenstärksten davon in Wien. Die größten und umsatzkräftigsten Spar-Standorte sind in Oberösterreich und Westösterreich daheim. In der Produktivität brilliert Hofer mit mehr als 9.500 € Umsatz pro m² Verkaufsfläche – das liegt um mehr als 50% über dem Branchen-Durchschnitt!

Eine ähnlich starke Konzentration wie der LEH weist auch der DFH auf. Nach dem Ausfall von Schlecker geben dm und Bipa den Ton an, gemeinsam mit Müller stehen die Top 3 in der Branche für 79,7% Marktanteil. Im Unterschied zum LEH ist das stagnierend – was teils am Selbst- und Wiedererfindungsprozess der zur Rewe gehörenden Vertriebslinie Bipa liegt.
Gänzlich anders aufgeräumt gibt sich die Marktanteilskonstellation bei Schuhen und Bekleidung: Die drei größten Modehändler H&M, C&A und Peek&Cloppenburg kommen zusammen nicht einmal auf ein Drittel des österreichweiten Gesamtumsatzes. In der Mode gibt es stetig neues Gedrängel auf dem Catwalk, letztlich hat das dazu geführt, dass mittlerweile die Marktführer schwächeln.

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