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Kommt der große Push für den E-Commerce? © APA/zb/Monika Skolimowska
© APA/zb/Monika Skolimowska

Redaktion 17.04.2020

Kommt der große Push für den E-Commerce?

Im heimischen Digital Retail dominieren die großen, internationalen Player. Die Corona-Pandemie könnte für Verwerfungen sorgen.

••• Von Christian Novacek

An sich scheinen die Onlinegleise in Österreich stabil verlegt: Amazon dominiert gewaltig, und Unito spricht ein starkes Wort mit. Bei den österreichischen Anbietern herrscht gepflegte Diversifikation, und shöpping.at sticht mit einem jährlichen Erlös von 20 Mio. € positiv hervor.

Unito-Chef Harald Gutschi kommentiert das abgelaufene Geschäftsjahr entsprechend: „Im Kernmarkt Österreich wachsen wir im Onlinegeschäft sogar stärker als der Markt und gewinnen Marktanteile im E-Commerce.” Die Unito-Gruppe generiert mittlerweile 95% ihrer Umsätze online.
Die Gesamtsituation umreißt indes Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands: „Rund 9.000 heimische Webshops profitieren vom wachsenden Markt leider nur begrenzt, da mehr als jeder Zweite im Ausland bestellt und so den Kaufkraftabfluss verschärft.” Der aktuelle Boost im Digital Retail ist in seiner Einschätzung naturgemäß nicht enthalten – er dürfte aber gehaltvoll sein. So bestätigt etwa shöpping.at-Geschäftsführer Robert Hadzetovic: „Im Moment hat sich das Volumen im Vergleich zum Vorjahr rund verzehnfacht.”
Wie rund es vergleichsweise im Lebensmittelhandel online derzeit läuft, bleibt Spekulation – die sich über die Bande gespielt als klar positiv darstellt: Wer dieser Tage auf billa.at oder interspar.at sein Lieferfenster aufmachen konnte, hat nämlich Glück gehabt – die waren kaum geöffnet auch schon wieder ausgebucht. Die Umsatzdimension, die der LEH bezüglich E-Commerce gern publiziert, belief sich stets auf ein bis zwei Prozent des Gesamterlöses. Man darf nun gespannt sein, was Covid-19 hier kurz-, aber auch langfristig betrachtet angestellt hat.

Neue Plattformen gegründet

Um kräftig am aktuellen und ggf. auch zukünftig leckeren Online-Kuchen zu naschen, bringen sich mittlerweile einige Anbieter und Plattformen in Position. Diese Woche hat zum Beispiel geizhals.at verkündet, das „rasche, unkomplizierte Umrüsten auf einen Online-Shop” dadurch zu unterstützen, indem das Geizhals-Shopsystem österreichischen Händlern ab sofort für drei Monate kostenlos zur Verfügung steht.

In der Vorwoche wiederum hat die Regierung das Portal www.oesterreich.gv.at/onlinemarktplatz gelauncht – gleichfalls eine Einladung an heimische Anbieter, ebenda Online-Shops aufzusperren. Sozusagen der Startschuss für die vielen, meist regionalen Schritte ins Digital Retail-Universum war die Zusammenführung heimischer Produzenten auf der Webseite der Autorin und Aktivistin Nunu Kaller – ihre Motivation dabei: „Stell dir vor, es ist Krise, und keiner bestellt bei Amazon oder einem anderen, großen internationalen Konzern, sondern stattdessen bei heimischen Unternehmen.”

Rappeln im Bauernladen

Zu den Alternativen mit da und dort holprigen Selbstläuferqualitäten gesellen sich einige Initiativen von jenen, die wissen, wie es geht. Darunter besonders hervorzuheben das „Gastro Home Delivery Startpaket” der Handelsgruppe Kastner, das, ausgehend von der umweltfreundlichen Verpackung, über digitale Speisekarte, kontaktlose Bezahlung, Gutscheinservice und Click2Collect keine Wünsche offen lässt.

Überaus erfrischend schiebt sich mit bauernladen.at zudem ein bestens austariertes, regionales Netzwerk mit rd. 900 Produzenten ins Geschehen; dessen Geschäftsführer Markus Bauer berichtet von aktuell „um 300 Prozent höheren Zugriffs­raten”.

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