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Kurs auf Nachhaltigkeit und Profitabilität © Manner/Bernhard Noll
© Manner/Bernhard Noll

Redaktion 15.10.2021

Kurs auf Nachhaltigkeit und Profitabilität

Manner-CEO Andreas Kutil über Haselnüsse aus Aserbaidschan und die Umstellung auf Fairtrade.

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Nachhaltiges Wirtschaften bildet seit über 130 Jahren die Grundlage für Manner, sagt CEO Andreas Kutil. In diesem Jahr hat das Unternehmen mit der Umstellung auf Fairtrade-Waffeln, -Schnitten und -Kakao begonnen. Mit medianet sprach Kutil über die Umstellung auf Fairtrade, die Auswirkungen der Coronakrise und die gekauften Anbauflächen in Aserbaidschan.

medianet: Mit 1. März 2021 haben Sie die die CEO-Funktion bei Manner übernommen. In welche Richtung werden Sie das Unternehmen lenken?
Andreas Kutil: Ich möchte das Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch erfolgreicher machen. Nachhaltigkeit und auch Profitabilität sind mir wichtig, gleichzeitig wollen wir ein toller Arbeitgeber sein.

medianet:
Welche Auswirkungen hatte Corona auf Manner?
Kutil: Die Pandemie hat den Süßwarenmarkt wesentlich beeinflusst. Weniger Touristen, aber auch weniger soziale Kontakte im Inland hatten zur Folge, dass bei Geschenksartikeln und Mitbringseln wie etwa Bonbonieren die Nachfrage zurückging. Produkte des Backsortiments hingegen erfuhren einen regelrechten Boom. Langfristig wird sich sicherlich das Arbeiten verändern. Wir haben durch die Pandemie einen enormen Schritt zu Digitalisierung im Bürobereich gemacht, jetzt gilt es, hybride Arbeitsmodelle zu etablieren, bei denen auch die soziale Komponente nicht zu kurz kommt. Mit dem Jahr 2020 sind wir sicherlich nicht zufrieden, aber wir blicken positiv in die Zukunft. Vorsichtig opti­mistisch gehen wir auch in unser wichtigstes Saisongeschäft und haben einige Innovationen für den Weihnachtsteller geplant.

medianet:
Warum wurde der Shop am Flughafen trotz grassierender Coronakrise und der geringen Frequenz am Flughafen Mitte 2021 eröffnet?
Kutil: Der neue Shop liegt am hochfrequentierten Terminal 3, F-Gate. Durch Reisebeschränkungen kann der Shop sein volles Potenzial noch nicht zeigen, wir sind aber bereits jetzt mit der Entwicklung zufrieden. Reisende bringen einen Gruß ins Ausland mit, Touristen nehmen ein Stück vom Urlaub mit nach Hause – das alles bietet der Manner Shop am Flughafen.

medianet:
Manner wollte sich von Rohstofflieferanten unabhängiger machen und hat für den Haselnussanbau Grundstücke in Aserbaidschan gekauft. Wie gestaltet sich der Anbau?
Kutil: Qualitativ hochwertige Haselnüsse sind für den Geschmack vieler unserer Produkte ausschlaggebend. Mit dem Landkauf in Aserbaidschan haben wir einen wichtigen Schritt in Richtung Versorgungsicherheit und Preisstabilität gesetzt. Insgesamt haben wir Agrarland für den Anbau von 200.000 Haselnusspflanzen im Norden Aserbaidschans gekauft. Wenn alles nach Plan läuft, können wir im Spätsommer 2024 mit einer ersten, kleinen Ernte rechnen. Bei voller Auslastung können wir zukünftig rund 20 bis 25 Prozent unseres Bedarfs an Haselnüssen von unserer Manner-Haselnussfarm decken.

medianet:
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie in einem Land wie Aserbaidschan?
Kutil: Die größte Herausforderung für das Projekt ist der Bau einer Bewässerungsanlage. Nach ihrer Fertigstellung wird das Bewässerungssystem eine Länge von ca. 1.500 Kilometern, also ungefähr einmal die Strecke Wien–Barcelona, aufweisen. Zurzeit arbeiten wir an der Etablierung einer Verwaltung; hier gibt es noch einige Herausforderungen bei der Organisation – vor allem in Zeiten der Pandemie und Flugbeschränkungen.

medianet:
Bis zum Jahresende sollen 80 Prozent der Manner-Produkte das Fairtrade-Gütesiegel tragen. Für die Fair­trade-Kakaobauern bringt die Steigerung der Mengen deutliche Verbesserungen. Mit welchen zusätzlichen Kosten rechnen Sie für das Unternehmen? Werden diese Kosten auch an die Konsumenten weitergegeben?
Kutil: Die Manner-Produktion findet ausschließlich in Österreich statt, wir verwenden ausschließlich zertifiziert nachhaltigen Kakao, stellen eben heuer alle Manner Schnittenprodukte auf Fairtrade-Kakao um. Diese Umstellung bringt Kosten im siebenstelligen Bereich mit sich. Die Konsumenten achten verstärkt auf nachhaltige Produkte. Es ist immer wichtiger, woher das Produkt stammt und wie das Unternehmen, das es herstellt, agiert. Die Preisgestaltung ist immer eine Gesamtbetrachtung aller Faktoren – hier muss man sich auch andere Kosten berücksichtigen wie etwa Energie- oder Verpackungskosten.

medianet:
Wie läuft die Umstellung konkret ab?
Kutil: Wir haben zu Beginn des Jahres die Umstellung angekündigt und kommuniziert, dass diese Schritt für Schritt erfolgen wird. Denn lagerndes Verpackungsmaterial zu vernichten, kommt für uns nicht infrage. Der Einkauf ist relativ schnell umgestellt, da wir mit den Fairtrade-Partnern bereits seit einigen Jahren bei Casali Schokobananen und Victor Schmidt Mozartkugeln sehr gut zusammenarbeiten. Herausfordernd ist hier die Umstellung des Verpackungsmaterials, denn da muss genau geplant werden.

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