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Liga außergewöhnlicher Club-Vorteile eröffnet © UÖBC
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christian novacek 10.05.2019

Liga außergewöhnlicher Club-Vorteile eröffnet

Ulrike Kittinger und Mario Günther Rauch hieven die Rewe-Kundenkarten mit jö auf ein neues Level.

••• Von Christian Novacek

Der Club, auf den Rewe-Vorstand Marcel Haraszti schon im Vorfeld stolz war, ist seit 2. Mai im Einsatz. Bereits am Vormittag des ersten Tages gab es 250.000 Anmeldungen zum jö Bonus Club, diese Woche, Montag, waren es bereits mehr als eine Million und in der Endausbaustufe geht es dann mehrfach in die Millionen. Das in zweifacher Hinsicht, denn: „Wir rechnen mit einer Million Transaktionen am Tag”, sind die beiden Geschäftsführer Ulrike Kittinger und Mario Günther Rauch überzeugt.

Dass das hinkommt, liegt schon in der Natur der Karte: Der Multibonusclub umfasst die Rewe-Vertriebsschienen Billa, Bipa, Merkur, Penny und Adeg sowie als Partnerunternehmen Libro, Pagro, Interio, Bawag PSK und OMV. Ebenfalls inkludiert ist Billa Reisen – auf lukrative Art: „Auch wenn Sie nur um 35 Euro eine Nacht in Kärnten buchen, erhalten Sie 500 Ös dafür”, berichtet Kittinger.
Aber was ist die neue Währung Ös nun wert? Grundsätzlich gibt es für einen Einkauf 1 Ö pro Euro Einkaufswert, umgekehrt stehen 100 Ös für einen Euro (Preisnachlass). Ob das nun viel oder wenig ist, ist tendenziell geschmäcklerisch. Sicher ist, dass das Punktesammeln prinzipiell leicht gemacht wird. Wer mit Billa in den Urlaub fährt, bei OMV tankt und seine Lebensmittelwocheneinkäufe bei der Verbrauchermarktlinie Merkur erledigt und das alles auch noch mit einer Bawag-Bankomatkarte bezahlt und, weil das zusammen vielleicht ein bissel viel wird, ggf. einen Kredit bei der Bawag beantragt – dem regnet es die Ös nur so rein!
Das Schöne daran: Ös haben gute Sammeleigenschaften, denn sie verfallen erst nach drei Jahren. Nachdem auch Caritas und Rotes Kreuz Clubfreunde sind, kann man sich von überstandigen Ös nach drei Jahren menschenfreundlich verabschieden.

Kooperationen gesucht

Auch genetisch betrachtet, sind Ös vermehrungsfreudig, zumal der jö Club durchaus offen ist: „Zwei Drittel der Österreicher wollen ein Multipartnerprogramm”, ist Kittinger überzeugt. Multipartner hat schon im Namen mitklingen, dass Kooperationswillige willkommen sind. Inwieweit hier diverse Konkurrenz-Befindlichkeiten greifen bzw. stören, bleibt offen; auffällig ist jedenfalls, dass OMV im Club ist, Jet hingegen draußen. Das, obwohl sich Billa bei beiden für die Jausensemmel beim Tanken zuständig fühlt.

Grundsätzlich dürfte die Wahl der Mitglieder unbedingt Rewe-freundlich ausfallen. Wer nicht Mitglied im Rewe-Fanclub ist, wird sich schwertun, denn letztlich ist die Rewe Eigentümer des Clubs.
Ansonsten gilt laut Geschäftsführer Mario Günther Rauch: „Der jö Bonus Club ist viel mehr als die Summe der teilnehmenden Partnerunternehmen.”
Das wird in der mehr oder minder individuellen Handhabung der Ös evident. Bestes Beispiel dafür der LEH; dort haben sich Konsumenten an die Vorteils-Packs der verschiedenen Vertriebslinien bestens gewöhnt – und um den Verzicht möglichst schleichend (konkretes Auslaufdatum gibt es nicht) zu gestalten, werden die wichtigsten Kundenboni weitergeführt. In variierter Form: Etwa gibt es bei Merkur jetzt für 250 Ös den 15%-Rabatt; zuvor war der nach vier Einkäufen bei der Verbrauchermarktlinie wohlfeil. Damit die Entwöhnung nicht zu harsch ausfällt, gibt es nun für vier Einkäufe immerhin 50 Ös extra. Und weil, wie vorhin schon ausgeführt, Ös aus vielen Quellen in die virtuelle Brieftasche sprudeln, gibt es als besonderes Leckerli neu einen 20%-Rabatt bei Merkur auf den Gesamteinkauf – was in dieser Dimension dann fast mehr eine Verschärfung als die angekündigte Entspannung in der im LEH grassierenden Rabbatitis darstellt.

Erfolgreiche Sammler

Einer der wesentlichen Unterschiede zwischen einem Friend of Merkur damals und heute ist, dass mit der Multibonuskarte ein Erfolgserlebnis mitgeliefert wird. Der Sammeltrieb lässt sich online und via App am Smartphone bestens stimulieren bzw. screenen. Sowohl ist der Punktestand jederzeit ablesbar, als auch die Frage geklärt, woher welcher jö-Punkt geschlüpft ist. Überdies ist die individuelle Ansprache griffiger. Statt Rabatten aus der Gießkanne gibt es nun für solche, die gern Babywindeln einkaufen, genau die zum Sonderpreis. „Damit liefern wir in Sachen Kundenbindung die Antwort auf die Dominanz der großen Onlinehändler”, ist Rauch überzeugt. Er liefert die Strategie dahinter gleich mit: „Nur wer seine Kunden kennt, kann die Kunden in den Mittelpunkt stellen.”

Daten & Datenschutz

Dass der jö Bonus Club einen jö schau-Effekt gleichfalls intern zu nutzen versteht, versteht sich von selbst. Bis dato hat Rewe International in Sachen Kundendatenverwertung sein Potenzial nicht ausgeschöpft. Das ist jetzt anders, zumal um einige Beobachtungsgefilde beträchtlich erweitert. In den rechtlich relevanten Belangen erfolgt die Datenverarbeitung selbstredend anonymisiert.

Aber jö bietet weitere Steuerungsmöglichkeiten, die für Industrie und Handel aus verschiedenen Blickwinkeln reizvoll dünken: Bei der Einführung von neuen Eigenmarken gibt es quasi als Kennenlernbonus Ös im Multipack.

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