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Nachhaltiges Schweigen © Brau Union Österreich

Nur 46% der heimischen Top-Betriebe veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht – die Brau Union (am Bild: Solaranlagen bei der Brauerei Göss) gehört dazu.

© Brau Union Österreich

Nur 46% der heimischen Top-Betriebe veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht – die Brau Union (am Bild: Solaranlagen bei der Brauerei Göss) gehört dazu.

Redaktion 26.08.2022

Nachhaltiges Schweigen

Weniger als die Hälfte von Österreichs Top-Unternehmen veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht.

WIEN. In Sachen Transparenz und Offenlegung unternehmerischer Bemühungen um Nachhaltigkeit und Umweltschutz herrscht Nachholbedarf in Österreichs Betriebslandschaft: Nur 46% von Österreichs Top-Unternehmen – gemeint sind die 100 umsatzstärksten (gemäß trend Top 500-Ranking) – veröffentlichen laut aktueller EY-Analyse einen Nachhaltigkeitsbericht.

Während der Wert einen Zuwachs von immerhin vier Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt, könnten die übrigen Unternehmen bald ein Problem bekommen: „Schon ab 2025 wird die Corporate Sustainability Reporting Directive – kurz CSRD – erwartet, unter der Betriebe ab 250 Mitarbeitenden zu Nachhaltigkeitsthemen berichten müssten”, erklärt EY-Nachhaltigkeitsexperte Georg Rogl. Unternehmen, die bereits jetzt einer Berichtspflicht unterliegen, müssen die CSRD ein Jahr früher, ab 2024 umsetzen. Rogl: „Wer heute Nachhaltigkeitsberichterstattung noch gar nicht am Schirm hat, wird in den kommenden Jahren so richtig ins Schwitzen kommen.”

„Prime Market” verpflichtet

Wie viele Betriebe zum Nachhaltigkeits-Reporting verpflichtet werden, sei aktuell noch unklar und hänge von der konkreten Ausgestaltung der EU-Richtlinie ab. Im Moment sind in Österreich nur 83 Unternehmen gesetzlich zum Nachhaltigkeitsreporting verpflichtet. „Durch die CSRD werden es deutlich mehr werden – wir rechnen mit mindestens 20- bis 25-mal so vielen Betrieben”, so Rogl.

Ganz anders ist die Lage im „Prime Market”, dem Top-Segment der Wiener Börse, deren Unternehmen vertraglich zur Einhaltung erhöhter Transparenz-, Qualitäts- und Publizitätskriterien verpflichtet sind. Die Auswirkungen der Berichterstattung gemäß Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), dem der Großteil der Unternehmen des Prime Market unterliegt, sind weiter spürbar: Heuer berichteten erstmalig alle Unternehmen aus diesem Segment über Nachhaltigkeit (Vorjahr: 97%).

Externe Prüfung

Einer freiwilligen externen Prüfung unterzogen sich zuletzt 57% jener Top-Betriebe, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen; im Vergleich zu Deutschland (73%) liegt Österreich damit deutlich zurück. Als gängigster Berichtsstandard wurden, wie in den Vorjahren, die Standards der Global Reporting Initiative (GRI) herangezogen – 74% der Berichte der Top-Betriebe wurden dieses Jahr in Übereinstimmung mit GRI erstellt (Vorjahr: 72%). (red)

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