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Nöm zwischen Fairness und hohem Kostendruck © Nöm
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Redaktion 06.05.2022

Nöm zwischen Fairness und hohem Kostendruck

Die Kosten explodieren. Lieferstopps bei einigen Produkten sind für Nöm-Chef Alfred Berger nicht ausgeschlossen.

••• Von Georg Sander

Energie- und Rohstoffversorgung unsicher”, bettitelte die Nöm eine Aussendung – ungewöhnlich klare Worte eines Lebensmittelproduzenten. Nach zwei Jahren Pandemie, teilweise mit Lieferkettenproblemen, stellt der Krieg gegen die Ukraine mit all seinem Leid die Welt vor eine neue Krise. Eine, von der man zumindest in Europa glaubte, sie käme nie wieder. Die niederösterreichische Molkerei gilt bei ihren Handelspartnern als zuverlässiger und zeitgerechter Lieferant von qualitativ hochwertigen Milchprodukten, jedoch ist die derzeitige Lage der Energie- und Rohstoffversorgung besonders herausfordernd und veranlasst das Unternehmen sogar dazu, vorsorglich Lieferstopps von bestimmten Produkten anzukündigen. medianet hat bei Vorstand Alfred Berger nachgehakt, was das im Detail heißt.

Klartext reden

In der Kommunikation nimmt sich Berger aufgrund der außergewöhnlichen Situation kein Blatt vor den Mund. Die Nöm ist im Processing aktuell noch zu 100% von Gas abhängig; sollte es hier zu Ausfällen kommen, steht der Betrieb still, inklusive der Abholung der Rohmilch bei allen Bauern. Und nun ist die Steigerung der Energiepreise, besonders bei Gas, enorm. „Der Anteil am Endprodukt ist höher als vermutet. Das ganze Unternehmen, von der Sammlung bis zur Erhitzung, Kühlung, etc. ist auf Gasbetrieb aufgebaut”, stellt Alfred Berger klar. Daher spiele sich dies bei jedem Liter Milch doch im mehrere Cent-Bereich ab. Entgegnen kann man dem nicht: „Eine Umstellung auf Öl haben wir geprüft und wir werden diese als Sicherheitsmaßnahme auch umsetzen; die Energiekosten vervierfachen sich dadurch aber. ”

30 Prozent Steigerung

Rohmilch ist um 30% pro Liter teurer, also schon das Ausgangsprodukt; das bedeutet, das kostet die Nöm 44 Mio. €, die bereits ausbezahlt sind. Die Milchbauern brauchen aber diesen fairen Preis, um ihre Kosten zu decken: „Mais hat sich auch verdreifacht und Soja ebenso. Daher ist die Futtergrundlage auch enorm gestiegen. Kraftfutter und Dünger sind ebenso ganz starke Teuerungsfaktoren. Die Konsequenz ist, dass das Futter sehr genau ‚berechnet' wird und es daher auch zu weniger Milchproduktion kommen wird.” Milch hat sich also von einem Überschussprodukt zu einem knappen Gut gewandelt. Dazu noch der Krieg in der Ukraine, das wirkt sich nun alles auf die Weltmarktpreise aus.

Schon in der erwähnten Aussendung sind Änderungen im Sortiment angekündigt. Da gehe es laut Berger um viele Faktoren: „Früchte sind nicht nur massiv teurer geworden, wir wissen auch nicht, wie die Ernten werden und ob wir ausreichend bekommen, daher kann es sein, dass gewisse Sorten einfach nicht verfügbar sind.” Das gelte aber auch für so banale Dinge wie Kartons oder Platinen – hier kann es laut den Vorlieferanten immer wieder Engpässe geben.

„Finanziell nicht lustig”

Demzufolge hätten Angebote der Vorlieferanten oftmals nur für ein paar Tage Gültigkeit. Die daraus resultierende Anspannung übertrage sich weiter auf die Handelspartner, die einen professionellen Umgang von der Nöm gewohnt sind. „Die Vorlieferanten sichern sich ab, um nicht auf den sich ständig weiter steigenden Rohstoffkosten sitzen zu bleiben”, äußert er Verständnis, sagt aber auch: „Die Angebote sind zeitlich sehr begrenzt. Wir haben leider mit den Handelspartnern zeitlich längere Rhythmen, das ist im Moment finanziell nicht lustig.”

Konkrete Zahlen

Um es klar zu sagen: Verpackungen wie Karton haben sich verdoppelt bis verdreifacht. rePET ist auch auf dem Weg zum Dreifachen, und Aluminium für die Platinen kostet auch schon mehr als das Doppelte. All das führe zu einem mehr als herausfordernden Geschäftsjahr 2022 für die Molkerei.

Der allgemeinen Teuerung zum Trotz versucht man sich bei der Nöm dennoch so gut es geht vorzubereiten und auf das Schlimmste vorbereitet zu sein: „Wir haben in einen Zweistoffbrenner investiert, um bei einem Gasstop weiter produzieren zu können.”

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