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Regiert Plastik unsere (Um)Welt?

Hanna Simons, Greenpeace Österreich: Laut der neuen Richtlinie müsse sich in Österreich in Sachen Plastiktaschen-Verbrauch nichts mehr verändern.

Hanna Simons, Greenpeace Österreich: Laut der neuen Richtlinie müsse sich in Österreich in Sachen Plastiktaschen-Verbrauch nichts mehr verändern.

29.04.2015

Regiert Plastik unsere (Um)Welt?

Plastiktaschen 100 Mrd. Stück Plastiktaschen werden jährlich in der EU verbraucht (Stand: 2010) – 89 Prozent werden nur einmal verwendet

Die neue Richtlinie der EU ist für Greenpeace allenfalls ein „Kompromiss”.

Wien. Plastiksackerl im Supermarkt sind seit Jahren eher verpönt. Gern gesehen werden sie allenfalls dann, wenn die hauseigenen Müllsäcke ausgehen. 100 Mrd. Stück werden jährlich in der EU verbraucht, so die Zahlen der EU-Kommission aus dem Jahr 2010. Plastik muss der Umwelt zuliebe reduziert werden. Das sieht auch das EU-Parlament so und hat gestern eine Richtlinie zur Reduktion von Plastiksackerln angenommen.

Doch für die Umweltorganisation Greenpeace ist die Richtlinie allenfalls ein schwach geratener Kompromiss: „Im Laufe der Entstehung der Richtlinie wurde diese immer weiter aufgeweicht. Eine Reduktion auf 40 Plastiksackerl pro Person und Jahr bis 2025 ist ein zu schwaches Ziel in zu ferner Zukunft”, kritisiert Hanna Simons, Direktorin für Umweltpolitik bei Greenpeace Österreich. Für Österreich bestehe der Richtlinie zufolge trotz rund einer Mrd. verbrauchter Plastiksackerl im Jahr kaum Handlungsbedarf. Und das, obwohl „in Österreich offiziell immer wieder von 350 Mio. verbrauchten Plastiksackerl gesprochen” wird, ergänzt Simons. Den Berechnungen von Greenpeace zufolge würden in Österreich pro Jahr rund eine Mrd. Sackerln gratis ausgegeben werden. „Multipliziert man die vorgegebenen 40 Plastiksackerl mit der Einwohnerzahl von Österreich, kommt man auf knapp 340 Mio. Eine Einsparung von zehn Mio. Sackerln wäre ein Witz und kaum wahrnehmbar”, betont Hanna Simons. Dazu komme, dass die Richtlinie nicht für ganz dünne Obst- und Gemüsesackerl gelten soll bzw. dass es den Staaten freigestellt wird, diese vorerst von den Maßnahmen zur Erreichung der Verringerungsziele auszunehmen. „Obst- und Gemüsesackerl machen jedoch hierzulande einen Großteil des Plastiksackerlverbrauchs aus und sollten in der österreichischen Umsetzung der Richtlinie dringend auch berücksichtigt werden”, so Simons. Effektiver wäre daher eine Neuerhebung des Plastiksackerlverbrauchs durch das Umweltministerium und eine Reduktion um 80%.(dp)

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