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„Regionale Versorgung steht im Vordergrund” © www.zweischrittweiter.at
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Redaktion 09.10.2020

„Regionale Versorgung steht im Vordergrund”

LGV-Chef Josef Peck über neue Konsumtrends und die ­Rolle von Plastikverpackungen während der Coronakrise.

••• Von Daniela Prugger

Die heurige Witterungssituation war gut zu den Produktionsgebieten der LGV Sonnengemüse. Vorstand Josef Peck geht davon aus, dass die Konsumenten trotz der Einschränkungen, die es in naher Zukunft noch geben wird, weiterhin vorwiegend auf regionale und saisonale Lebensmittel zurückgreifen werden. Doch gerade wenn es um die Produktion geht, zeigt sich Peck im Interview mit medianet besorgt. Wie sich die entstehende Wirtschaftskrise in diesem Zusammenhang auswirken wird, bleibt noch abzuwarten. In diesem Jahr jedenfalls, in dem die LGV eine gesteigerte Nachfrage verzeichnet und die Ernte mit den Kunden abgestimmt hat, stieg der Umsatz um knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

medianet: Im Juni sprachen wir über einen etwaigen Arbeitskräftemangel durch Corona. Wie hat sich denn die Lage seither entwickelt?
Josef Peck: Wir sind gut durch die Krise gekommen. Besser gesagt: durch den ersten Teil. Wir und unsere Mitgliedsbetriebe haben bis dato kaum Ausfälle verzeichnet. Es gab bei LGV Sonnengemüse eine positiv getestete Mitarbeiterin, aber durch die getroffenen Vorkehrungen konnten Infektionen bei anderen Mitarbeitern vermieden werden.

medianet: Welche neuen Arbeitsstandards wurden wegen der Pandemie eingeführt?
Peck: Wir haben sowohl in der Verwaltung bei LGV Sonnengemüse als auch im Betrieb eine ganze Reihe von Maßnahmen umgesetzt. Alle Arbeitsplätze wurden so adaptiert, dass der Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden kann. Unter anderem wurden dort, wo es möglich ist, Plexiglaswände zwischen den Arbeitsplätzen aufgestellt. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist bei Betreten des Betriebs Pflicht. Die Arbeitsgruppen wurden so eingeteilt, dass bei einem Verdachts- oder Infektionsfall nur eine geringe Anzahl von Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden muss. Insgesamt wurde für zusätzliche Corona-Maßnahmen ein Betrag von über 100.000 Euro aufgewendet.

medianet: Welche Trends in der Nachfrage von Gemüse beobachten Sie derzeit?
Peck: Die neue Situation hat die Nachfrage nach frischem, regionalem Frischgemüse nochmals verstärkt. Seit dem ersten Tag wurden wir sowohl von Kunden als auch von Vertretern der öffentlichen Hand nach unseren Liefermöglichkeiten und der damit verbundenen Versorgungs­sicherheit gefragt. Nach einem explosionsartigen Bedarfsanstieg zu Beginn des Lockdowns hat sich die Nachfrage auf einem Niveau eingependelt, das deutlich über den Vorjahren liegt. Dort, wo es möglich ist, bei kurzzeitigen Kulturen oder Kulturen, die erst im Frühjahr oder Sommer angebaut wurden, haben wir dem Rechnung getragen und mehr angebaut. Bei Langzeitkulturen, die bereits in der Ernte waren, haben wir die gestiegene Nachfrage mit unseren Kunden abgestimmt. In Summe haben wir eine Umsatzsteigerung von knapp 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

medianet: Inwiefern hat Plastik als Verpackungsmaterial wieder an Bedeutung gewonnen?

Peck: In den letzten beiden Jahren, vor Corona, gab es einen großen Trend gegen Plastik. Wir wurden von allen unseren Kunden aufgefordert, dort, wo es möglich ist, auf Kunststoffverpackungen zu verzichten. Die Krise hat diesen Trend kurzzeitig gestoppt und in einigen Fällen sogar ins Gegenteil gekehrt. So mussten wir im Frühjahr den offenen Verkauf von Snack-Gemüse stoppen, da die Konsumenten aus (unbegründeter) Angst vor Infektionen mit einer Kaufzurückhaltung reagierten. Wir sollten die Situationen zum Anlass nehmen, um diese Thema objektiv aufzuarbeiten. Plastik ist nicht gleich Plastik. Es gibt schon sehr gute Ansätze, wo entweder aus Recyclingmaterialien Kunststoff hergestellt oder Verpackungen aus Kunststoff recycelt werden.

medianet: Wie blickt die größte Erzeugergemeinschaft für frisches Gemüse auf die Gemüsesaison 2020 zurück? Welche Bilanz ziehen Sie?
Peck: Wir blicken positiv auf das laufende Jahr zurück. So dramatisch diese Krise auch ist, sie hat die Wichtigkeit einer regionalen, sicheren Versorgung mit schmackhaftem Gemüse noch weiter in den Vordergrund gerückt. Die von unseren 160 Familienbetrieben erzeugten Lebensmittel sind gut nachgefragt, die Produktion durch unsere Familienbetriebe gesichert.

medianet: Welche Herausforderungen kommen auf die LGV Sonnengemüse zu?
Peck: Mittel- und langfristig liegen unsere größten Herausforderungen nicht in der Vermarktung, sondern in der Produktion, die zunehmend schwierig wird. Pflanzenschutzmittel, die in anderen Ländern zugelassen sind, dürfen in Österreich nicht angewendet werden. Wir wollen dies auch nicht einfordern. Keinen Sinn macht es, weniger nachhaltig produzierte Lebensmittel zu importieren – in dieser Beziehung geben uns auch die Konsumenten Recht.

Eine weitere Herausforderung für den Gartenbau und die Landwirtschaft sind die Arbeitskräfte. Auch hier möchten wir nichts ‚umsonst' haben. Wir beschäftigen unsere Mitarbeiter vorschriftsmäßig und entlohnen sie nach den gesetzlichen Vorgaben.

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