Rewes grüne Weste ist mit Bio gut gefüttert
© Rewe International
RETAIL christian novacek 08.09.2017

Rewes grüne Weste ist mit Bio gut gefüttert

Anlässlich des fünften Rewe-Nachhaltigkeitsberichts zieht Rewe-Chef Frank Hensel eine positive Bilanz zwischen Bio und Nähe.

••• Von Christian Novacek

Es gibt doch schon in jedem Dorf einen Billa! „Da sind wir durchaus froh darüber”, ist Rewe Österreich-Chef Frank Hensel entspannt, „denn wir wollen der führende Nahversorger sein und glauben, dass das Zukunft hat.” Nahversorgung ist in, und wo Europa teilweise erst hin will, steht der Handel in Österreich schon lange. Kunden suchen Nähe – und finden Billa. Das wird so bleiben, der Onlinehandel ändere laut Hensel wenig bis nichts daran – und, in Bezug auf Diskonter und Großflächen: „Die Leute fahren auch weniger gern in die großen Märkte.”

Langfristig wähnt sich Rewe mit den Formaten Billa, Merkur, Penny und Adeg auf der Überholspur. Aktuell dürfte man allerdings im ersten Halbjahr 2017 im Lebensmittelbereich weniger stark gewachsen sein als Hauptkonkurrent Spar. Während im Zielpunkt-Insolvenzjahr die Umsätze des pleitegegangenen Händlers erst mal zu verpuffen schienen, ploppen sie jetzt auf anderen Kanälen auf. Und zwar tendenziell zugunsten der Mitbewerber, zumal, so ­Hensel: „Wir hatten als Marktführer die stärksten Auflagen zu erfüllen. Für nahezu jeden Markt, den wir bekamen, mussten wir einen anderen schließen.”

Positive Tendenzen

Für die nächste Jahresbilanz ist Hensel prinzipiell zuversichtlich: „Der Markt entwickelt sich derzeit sehr positiv. Ich hoffe, dass sich das weiter fortsetzt.” Sein kleines Misstrauen in Bezug auf den Aufwärtstrend leitet sich aus dem Direktvergleich mit dem großen Nachbarland ab: „In Deutschland ist die Konsumstimmung super, das fehlt bei uns ein bisschen.” Mithin stünde das Verbraucherverhalten der Österreicher tendenziell noch „auf der Bremse”.

Rewe und der Bio-Boom

Ungebremst nach oben geht es indes beim Thema Nachhaltigkeit, klar ersichtlich bei den Bioprodukten (siehe Story Seite 48): „Wir konnten unsere Bio-Erfolgsstory vor allem dank unserer Bio-Pionier-Marke Ja! Natürlich eindrucksvoll fortsetzen”, sagt der mit Jahreswechsel scheidende Rewe-Chef – und verweist auf das satte Wachstum von 21% für den Bio-Gesamtumsatz der Rewe im Zeitraum 2015/16. Ja! Natürlich steht bereits für 394 Mio. € (2016, +7%). Dazu kommt, dass sich der Händler mit der Ex-dm-Exklusivmarke Alnatura biologisch klar verbreitert hat.

Marcel Haraszti, Bereichsleiter Handel Österreich, konnotiert Bio mit Fairness: „Wir schließen langfristige und innovative Verträge mit unseren Partnern ab. Wir sind daran interessiert, die Partnerschaft mit unseren Kunden zu intensivieren, um so möglichst passgenaue Angebote zu schneidern.”

Freundschaft fürs Leben

Beispiele für kongeniale Partnerschaften sind der Tomatenproduzent Zeiler oder die historisch gewachsene Zusammenarbeit mit Radatz. Das sind Win-Win-Kooperationen. Es gibt aber gleichfalls Kooperationen, wo die Rewe direkt investiert, speziell in der Bio-Produktion. Hensel spricht im Kontext von Zuschüssen, die für die Rewe „verlorenes Geld” sind. Damit ist ein Geschenkgedanke mit im Spiel. Mindestens sekundär ist aber die gesicherte Rohstoff­basis, die künftig wahrscheinlich eine größere Rolle spielen wird – nicht zuletzt bei der Differenzierung vom Mitbewerb. Hensel subsumierend: „Wir fördern nicht uneigennützig.”

Trotzdem sind die Verträge, wie der Händler sie mit den Bio-Bauern schließt, einseitig gewichtet: Rewe verpflichtet sich nämlich zur fünfjährigen Abnahmegarantie, während der Bauer seinen Vertrag jährlich kündigen kann. „Wir haben das bewusst so gemacht”, erläutert Hensel, „damit keiner sagen kann: Die kleinen Bauern existieren nur in Abhängigkeit der großen Händler.”
Bio und Bauern gehört für Rewe übrigens so zusammen wie Merkur und Regionalität; besonders in der Verbrauchermarktkette soll diese nun eindrucksvoll lokal heruntergebrochen werden. Mittels eigenem Team, das die Produzenten vor Ort auskundschaftet, um sie, so Hensel, möglichst unkompliziert unter Vertrag zu nehmen. Eine Abstimmung mit dem dortigen Merkur-Personal versteht sich dabei von selbst.

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