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Saisonstart bei der LGV Sonnengemüse © www.zweischrittweiter.at

Der Branchenexperte vertritt seit 1989 die Gemüseproduzenten aus dem Seewinkel; seit Oktober 2018 ist er Alleinvorstand der LGV Sonnengemüse.

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Der Branchenexperte vertritt seit 1989 die Gemüseproduzenten aus dem Seewinkel; seit Oktober 2018 ist er Alleinvorstand der LGV Sonnengemüse.

Redaktion 24.04.2020

Saisonstart bei der LGV Sonnengemüse

Für den Fall, dass Erntehelfer ausbleiben, wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen.

••• Von Daniela Prugger

Die Coronakrise stellt auch die LGV Sonnengemüse vor neue Herausforderungen. Da die Produktion des Frischgemüses bei LGV Sonnengemüse auf über 150 kleinstrukturierte Familienbetriebe verteilt ist, kann eine Belieferung des LEH aus heutiger Sicht dennoch auch in den kommenden Wochen garantiert werden, erklärt Vorstand Josef Peck. Für den Fall, dass es durch Covid-19 zu Ausfällen bei Erntehelfern kommt, wurden Vorkehrungen getroffen. Derzeit ist man sich bei der LGV sicher: Speziell heimisches, regionales Gemüse gewinnt gerade jetzt an Bedeutung. Peck geht davon aus, dass dieses nachhaltige Bewusstsein langfristig eine höhere Nachfrage nach österreichischem Gemüse zur Folge haben wird.


medianet: Der Branchenverband für Obst und Gemüse geht aktuell von bis zu 5.000 fehlenden Arbeitskräften aus. Wie sieht es bei der LGV aus?
Josef Peck: Bei LGV Sonnengemüse sieht es aktuell noch gut aus. Wir und auch unsere Mitgliedsbetriebe sind voll leistungs- und lieferfähig. Die meisten unserer Mitgliedsbetriebe sind Familienbetriebe und arbeiten selbst mit. Jene Betriebe, die ausländische Arbeitskräfte beschäftigen, quartieren diese in Unterkünften in der Region ein. Im Seewinkel arbeiten LGV Sonnengemüse und seine Mitglieder mit Pendlern, die täglich über die österreichisch-ungarische Grenze fahren. Solange es zu keinen Infektionen in den Betrieben kommt, haben wir keine Probleme.

medianet:
Osteuropäische Ernte­helfer können derzeit nicht oder nur schwer einreisen. Welche Maßnahmen erhoffen Sie sich von den Regierungen der osteuropäischen Nachbarländer und Österreichs?
Peck: Wir im Osten von Österreich sind mit der Situation sehr zufrieden. Die österreichische Regierung hat sich sehr für die Landwirtschaft eingesetzt. Unter anderem stehen uns über die Plattform ‚die.lebenmittelhelfer.at' Ersatzarbeitskräfte zur Verfügung.

medianet:
Welche Vorkehrungen haben Sie für den Fall getroffen, dass es bei den Ernte­helfern zu starken Ausfällen kommt?
Peck: LGV Sonnengemüse hat einen Pool an Ernte­helfern angelegt und nimmt Bewerbungen dafür unter bewerbung@lgv.at entgegen. Wir haben bereits viele Bewerbungen von Arbeitskräften aus anderen Branchen, von Schülern und Studenten erhalten.

medianet:
Vor welchen Herausforderungen steht die LGV hinsichtlich der nationalen und internationalen Logistik?
Peck: Auch da sind wir gut abgesichert. Unser langjähriger Partner, die Firma Müller Transporte, stellt uns ausreichend Logistikkapazität im In- und Ausland zur Verfügung. Unsere Verpackungslieferanten stammen zum größten Teil aus Österreich.

medianet:
Welche Veränderungen gab es zuletzt hinsichtlich der Produktvielfalt und der Nachfrage aus dem LEH?
Peck: Wir können unseren Kunden die von uns gewohnte Produktvielfalt bieten. Zu Lieferengpässen kommt es kaum. Einzig durch die kurzfristig angekündigten und durchgeführten Änderungen von Geschäftsöffnungszeiten ist es zu Wellen in der Nachfrage gekommen, die wir aber größtenteils bewältigen konnten.

medianet:
Wie hat sich der Gemüsebedarf in Österreich verändert?
Peck: Eine eindeutige Veränderung gab es natürlich bei den Gastrokunden – da ist die Nachfrage komplett zusammengebrochen. Im Lebensmitteleinzelhandel bemerken wir eine geringfügige Steigerung der Nachfrage nach heimischen Produkten, die den Rückgang bei unserem geringen Gastro-kundenanteil wettmacht.

medianet:
Am Osterwochenende hat LGV Sonnengemüse eine ‚Kistl-Drive-In'-Aktion gestartet. Wie ist denn der Verkauf abgelaufen?
Peck: Die Nachfrage war enorm. Wir haben innerhalb von fünf Stunden über 2.000 Kistln verkauft. Ich denke, wir haben mit den angebotenen Kistln auch die Nachfrage gut getroffen: Neben dem ersten Frühlingsgemüse mit Salaten, Paprika, Paradeisern und Radieschen gab es am Punkt genau den ersten Spargel.

medianet:
Ist die Kistl-Drive-In- Aktion ein Modell, das sich langfristig etablieren könnte?
Peck: Diese Aktion sollte ein Test sein, der gut verlaufen ist. Unsere Hauptkunden und Partner werden die Supermarktketten bleiben. Wir wollten damit auch Risikogruppen und Menschen, die sich besonders schützen wollen, eine Gelegenheit zum Kauf frischer Produkte bieten. Ob wir das zu besonderen Terminen oder Anlässen wiederholen, werden wir in den nächsten Wochen entscheiden.

medianet:
Vor welchen Herausforderungen steht die LGV aufgrund des Klimawandels?
Peck: Auch mit dem Klimawandel können wir halbwegs gut umgehen. Alle unsere Flächen sind bewässerbar. In den geschützten Kulturen bewässern wir ressourcenschonend mit Tropfbewässerung. Wir versuchen uns auch durch die Suche nach Sorten, die ein wärmeres Klima vertragen, auf den Klimawandel einzustellen.

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