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Schnitzel & Eiernockerl
christian novacek 25.05.2018

Schnitzel & Eiernockerl

In Simmering hat sich das Wiener Schnitzel gegenüber gebackenem Gemüse klar durchgesetzt.

Die Finstere Brille ••• Von Christian Novacek

 

FETTSCHMECK. Meine liebste Erinnerung an die Pionierzeit der vegetarischen Ernährung: „Wissen Sie”, sprach der weise Chefredakteur zum hoffnungsfrohen Fachjournalisten, „mit dieser Dame stimmt was nicht – die geht nämlich zum Vegetarier!” Tja, so hat sich im Laufe der Jahrzehnte der Argwohn gewandelt: Heut steht der Fleischfresser unter Generalverdacht, bei ihm stimmt’s moralisch nicht, fehlende Empathie ist das Mindeste, das ihm vorzuwerfen ist.

Über die Frage, wie das Schnitzel in seinen vorangegangenen Manifestationen leiden musste, bevor es auf den Teller kam, lässt sich trefflich diskutieren. Außer in Simmering. Im Wiener Arbeiterbezirk, wo sich die Redaktion der medianet befindet, bilden Schnitzel und Teller eine funktionierende Einheit; nur vollständiger Verzehr des Erstgenannten endigt diese. Anders gesagt: In Simmering kommt das Schnitzel unschuldig daher. Es mäandert in seiner Wirkkraft über den Tellerrand hinaus. Vegetarisches bleibt dabei nicht unberührt: Selbstredend ist in Simmering das Gemüse im besten Schweineschmalz herausgebacken. Allerdings ist das kein Renner. Denn das einzige von der Bevölkerung wirklich akzeptierte vegetarische Gschmaus hier sind Eiernockerl – sehr zu meiner Freude.

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