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Sporthandel hat es eiskalt erwischt © APA/AFP/Jeff Pachoud

Die Sessellifte stehen wegen Unrentabilität oft still, und die Sporthändler in den Wintertou­rismus-Gebieten stehen nicht selten vor einer Katastrophe.

© APA/AFP/Jeff Pachoud

Die Sessellifte stehen wegen Unrentabilität oft still, und die Sporthändler in den Wintertou­rismus-Gebieten stehen nicht selten vor einer Katastrophe.

Redaktion 22.01.2021

Sporthandel hat es eiskalt erwischt

Die Sportartikelhändler in den Wintersportgebieten sehen sich mit einem immensen Umsatzausfall konfrontiert.

WIEN. Die Verlängerung des Corona-Lockdowns trifft den Sportartikelhandel in einer aus der Umsatzperspektive essenziellen Zeit. Wirtschaftlich ist nun ein „absolutes Worst Case-Szenario” eingetreten, besonders für die Geschäfte in Tourismusgebieten.

WKÖ-Branchensprecher Michael Nendwich weist darauf hin, dass der Februar ebenda normalerweise der stärkste Monat sei. In diesem Jahr wird er nahezu komplett ausfallen. „Aus gesundheitspolitischer Sicht sind die Maßnahmen aber absolut nachvollziehbar und notwendig”, so Nendwich.

Verständnis vorhanden

Generell scheint das Verständnis für die Corona-Einschränkungen in der Sportgeschäft­branche recht ausgeprägt zu sein. Intersport-Geschäftsführer Thorsten Schmitz hat bereits zu Beginn des Winter-Lockdowns in medianet festgehalten: „Intersport hat immer alle Maßnahmen der Regierung mitgetragen und Sicherheitskonzepte entwickelt, die weit über das geforderte Maß hinausgehen. Für uns steht die Gesundheit unserer Kunden an oberster Stelle.”

Die Wintersport-Wirtschaft mit 700 bis 800 Sportartikelgeschäften (fast ausschließlich ­Familienbetriebe) in touristischen Regionen hat zuletzt mit 6.500 Mitarbeitern laut Branchenschätzungen einen Umsatz von 500 bis 700 Mio. € erzielt.
„Wir müssen einen negativen Domino-Effekt in der heimischen Wintersport-Wirtschaft unbedingt vermeiden”, mahnt Nendwich, schätzt aber gleichzeitig die Situation realistisch ein: „Wirtschaftlich zu retten wird diese Wintersaison für den touristischen Sportfachhandel aus heutiger Sicht nicht mehr sein.” Derzeit gebe es Umsatzausfälle von bis zu 95%. „Das geht an die betriebswirtschaftliche Substanz, daher ist jetzt rasche Liquidität für die Händler am wichtigsten.”

Gegengewicht Onlinehandel

Die Branche hofft auf schnelle Unterstützung durch Coronahilfen. „Inwiefern diese Wirtschaftshilfen wirklich ausreichend sind, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen, da die genauen Richtlinien noch nicht veröffentlicht wurden”, so Nendwich. Währenddessen versuchen die ­Händler mit mehr Online-Geschäft und Click & Collect gegenzusteuern. „Abfedern können diese Modelle den Umsatzverlust des stationären Handels auf keinen Fall”, sagt dazu der Präsident des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster, Gernot Kellermayr.

Online wird’s nicht richten

In den letzten Jahren ist der Onlineanteil in der Sportartikelbranche nur langsam gestiegen. „Wir haben uns bei etwa 15 bis 20 Prozent eingependelt – und hier sehen wir auch mittelfristig die Obergrenze”, so Kellermayr bezüglich der Grenzen des Machbaren. (red)

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