RETAIL
Wenn der Postmann das Futter bringt
23.10.2015

Wenn der Postmann das Futter bringt

Lebensmittel online checken – kann das was?

Leitartikel••• Von Christian Novacek

ANALOG vs. DIGITAL. Im Freundes- und Kollegenkreis gedeiht das zur veritablen Streitfrage: Soll ich oder soll ich nicht mir Lebensmittel nach Hause liefern lassen? Das größte Bedenken gipfelt im Zustand der Tomate, die vor die Haustür rollen soll. Meine Versicherung lautet darauf, dass ein Billa schon weiß, dass eine patschige, des Rollens nicht befähigte Tomate jeden nicht tast- und sehbehinderten Kunden vergrault. Ergo wird man sich ganz schön hüten, knapp vor dem Ablauf rangierende Waren zu liefern.

Infolge geht's um die Wertigkeit der Freizeit. Am Samstag drei Stunden lauern, dass der Einkauf kommt, ist nicht für alle das Wahre. Eine Stunde selber einkaufen schafft, scharf gerechnet, zwei Stunden mehr Freizeit. Das sagen natürlich nur jene, die psychisch nicht in der Lage sind, beim Warten freizeitlich zu empfinden.
Gut, andererseits: die Schlepperei! Wasser in Haushaltsmengen liefern lassen, spart Kraft und Energie. Die Definition von ‚Haushaltsmenge' bleibt zu klären. Aus Beobachtungen im stationären Handel bei 20 Prozent Warengruppenrabatt-Aktionen folgere ich, dass die Haushaltsmenge bei Bier rund 5 Kisten beträgt; Mineralwasser schätze ich vorsichtig mit vier Kisten ein. Fazit: Wenn dereinst meine Knie wackeln, wird das Bier – Verzeihung: Wasser – selbst­redend geliefert.
Zum Schluss die Frage: Rechnet sich Online-Handeln für Billa und Pfeiffer? Dafür gibt es zwei indirekte Antworten: Der andere große Händler Spar, dem das Handeln genetisch mit Gewinn verbandelt ist, lässt die Finger davon. Andererseits: Ein Aldi machts in England und Lidl bringt jetzt in Deutschland die Vorratsbox. Jedenfalls: Wenn sichs durchsetzt, ist die Flächendichte der Supermärkte hierzulande bald fürn Hugo.

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