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Wiener Schmuck für exotische Märkte © Frey Wille

Hub für Südamerika Nicht nur der Wiener Schmuck­erzeuger Freywille ist mit einer Filiale vor Ort. Die Zahl der Niederlassungen österreichischer Unternehmen in Kolumbien nimmt stetig zu – 2016 werden es schon mehr als 30 sein. Immer mehr Firmen wählen das Land als Standort und Hub für hre Aktivitäten in Südamerika. (Bild: Bogotá).

© Frey Wille

Hub für Südamerika Nicht nur der Wiener Schmuck­erzeuger Freywille ist mit einer Filiale vor Ort. Die Zahl der Niederlassungen österreichischer Unternehmen in Kolumbien nimmt stetig zu – 2016 werden es schon mehr als 30 sein. Immer mehr Firmen wählen das Land als Standort und Hub für hre Aktivitäten in Südamerika. (Bild: Bogotá).

erika hofbauer 20.05.2016

Wiener Schmuck für exotische Märkte

Freywille-CEO Friedrich Wille: Expansion außerhalb der EU als strategisches Ziel – die Boutique in Kolumbien ist erst der Anfang.

••• Von Erika Hofbauer

Das Freihandels­abkommen TTIP beherrscht derzeit die Diskussion in Medien und Öffentlichkeit: Zwar will die EU-Kommission – ungeachtet der heftigen Kritik von Verbraucherschützern – noch in diesem Jahr eine Einigung erzielen. Aber der Imageschaden durch das Bekanntwerden geheimer Verhandlungspapiere ist massiv – insbesondere in Österreich, wo die Stimmung diesem Abkommen mit den USA gegenüber von Anfang an vergiftet war. „Wir arbeiten so hart wie möglich daran”, ließ Handelskommissarin Cecilia Malmström beim letzten EU-Ministertreffen in Brüssel verlauten. Inzwischen äußern sich viele Vertreter von EU-Staaten äußerst skeptisch, dass der anvisierte Zeitplan noch zu ­halten sei.

Thema „Internationalisierung”

Dass insbesondere exportorientierte Länder wie Österreich eigentlich „für einen erfolgreichen Abschluss des Abkommens werben” müssten, statt dagegen anzurennen, wie Agenda Austria-Chef Franz Schellhorn in einem Kommentar für ­medianet kürzlich anmerkte, ändert am schlechten Klima hierzulande nur wenig. Schließlich erwirtschaftet Österreich den Großteil seines Wohlstands jenseits der Landesgrenzen. „Nicht voreilig ablehnen, bevor überhaupt ein Ergebnis vorliegt”, riet am Mittwoch in der Aktuellen Europastunde zu TTIP und CETA auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Ein Beispiel für den Erfolg kluger rot-weiß-roter Internationalisierungsstrategien abseits der TTIP-Komplikationen ist die Wiener Schmuckmanufaktur Freywille. Was 1951 mit einer kleinen Werkstätte in Wien begonnen hat, hat sich in den letzten 65 Jahren zu einer international renommierten Luxus-Marke im Schmuckdesign entwickelt.
Die Marke Freywille steht laut Unternehmensdefinition „für Handwerkstradition und künstlerische Gestaltung von Schmuckstücken aus Feueremail und Edelmetallen”. Und diese Kombination, die nach einem eigens entwickelten Verfahren produziert wird, findet auch jenseits der Grenzen immer mehr Fans.
Das jährlich um ein bis zwei Kollektionen wachsende Sortiment wird in mehr als 90 Boutiquen rund um die Welt angeboten. Jedes Schmuckstück, heißt es aus dem Haus Freywille, ist ein Unikat, das in Wien in bis zu 100 Arbeitsschritten von Künstlern und Kunsthandwerkern individuell gestaltet wird.

Made in Austria, sold everywhere

Freywille verkauft seine Schmuckstücke und Accessoires „Made in Austria” mit 550 Mitarbeitern weltweit auf allen Kontinenten. Im vergangenen Jahr stieg das Unternehmen auch mit einer eigenen Online-Boutique in den virtuellen Handel ein.

Seit einigen Jahren gibt sich der Manufakturbetrieb auch als Pio­nier in der Eroberung eher exotischer Märkte. In Kolumbiens Hauptstadt Bogotá wurde im Juni 2013 eine eigene Boutique eröffnet, die Expansion in weitere Länder außerhalb der EU steht bevor.

Pionier in Südamerika

Als Vorteil für den Eintritt in neue Märkte sieht Firmeninhaber Friedrich Wille erstens die „hohe Wertschätzung”, die seinen Design­stücken „Made in Austria” entgegengebracht wird, und zweitens eben auch die Möglichkeit, quasi ungehindert zu exportieren. Handelsabkommen wie sie die EU mit Ländern in Südamerika beispielsweise schon hat, wirken als „wesentlicher Turbo”. Die ersten Shops außerhalb des Europäischen Raums wurden schon 2002 in Dubai, 2004 in Moskau und 2005 in Los Angeles eröffnet. Die jüngsten Shop-Gründungen fanden 2013 in Bogotá und 2014 in New York statt. Und der Expansionskurs soll auch in Zukunft fortgesetzt werden.

Expansion in den USA und Kanada

In Bogotá soll zunächst die bestehende Boutique gestärkt und die Bekanntheit der Marke weiter ausgebaut werden: „Läuft diese Entwicklung wie geplant, sind im Raum Südamerika sicher weitere Boutiquen in den nächsten Jahren möglich”, beschreibt CEO Wille seine Pläne. Denn gerade in südamerikanischen Ländern gilt Freywille als ein Pionier im Luxus-Segment: „Wir profitieren sehr von unserem Image als europäischer Qualitätserzeuger; die positive Geschäftsentwicklung vor Ort bestätigt dies”, so der CEO.

Expansionsüberlegungen gehen auch Richtung USA und Kanada, wo zum Beispiel die Exporte 2015 um 13% gestiegen sind. Und das, obwohl der Wert der einzelnen Stücke immerhin zwischen 200 und 5.000 USD liegt. „Seit mehr als zehn Jahren expandieren wir auch in Märkte außerhalb der EU und haben die Erfahrung gemacht, dass EU-Handelsabkommen wie jene mit Kolumbien den Markteintritt durch klare und transparente Bestimmungen wesentlich erleichtern”, unterstreicht Wille seine ­Internationalisierungsstrategie. 2015 wurden Firmenchef Friedrich Wille und Gattin und Kreativdirektorin Simone Grünberger-Wille bei der 14. Auflage von „LOOT: MAD About Jewelry”, einer exklusiven Ausstellung mit dem Fokus auf zeitgenössische Schmuckkunstwerke im New Yorker Museum für Kunst und Design (MAD), für ihre Leistungen auf dem Gebiet des Schmuckdesigns mit dem LOOT Award ausgezeichnet.

Der USP heimischer Produkte

Österreich werde „international als Land mit hoher Design- und Produktqualität wahrgenommen. Es wird eng mit Kunst und Kultur verknüpft. Wir sehen uns als Botschafter der Marke Österreich und deshalb wird in alle unsere Schmuckstücke ‚Made in Austria' eingraviert.”

Bekannte Testimonials wie die slowenische Mode-Bloggerin Eva Ana Kazic oder das ebenfalls aus Slowenien stammende Model ­Nataša Pinoza sollen die Promotion der Schmuckstücke aus Email unterstützen.
Viele der Kollektionen verstehen sich als Hommage an große Künstler wie Gustav Klimt oder Claude Monet. Die Förderung von Kunsthandwerk und künstlerischen Talenten war in der Vergangenheit und ist in der Zukunft wichtiges Standbein des Unternehmens, erzählt Friedrich Wille: „Die Kunst geht bei uns über alles und ist untrennbar mit den Schmuckstücken verbunden.” Ihm sei es „besonders wichtig, künstlerisches Talent zu fördern und unsere Designer dabei zu unterstützen, sich frei zu entfalten. Aus meiner Zusammenarbeit zum Beispiel mit Yves Saint Laurent weiß ich, wie schlimm es für einen Künstler ist, unter kreativem Druck zu stehen; deswegen können unsere Künstler völlig frei arbeiten.”

Jubiläumsjahr 2016

Im heurigen Jubiläumsjahr hat man bei Freywille viel zu tun, weil ab Herbst größere Feierlichkeiten mit einer Retrospektive zu wichtigen heimischen Künstlern am Programm stehen. Wille: „Zum diesjährigen 65-Jahr-Jubiläum wird es viele Highlights geben. Unter anderem haben wir zwei spezielle Kollektionen kreiert, wobei die erste Kollektion von einem der größten Meisterwerke Gustav Klimts inspiriert ist und damit auch unserem Gründungsort Wien Tribut zollt.”

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