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Die Arbeitswelt wird digitaler und weiblicher © APA/AFP/Yoshikazu Tsuno
© APA/AFP/Yoshikazu Tsuno

Redaktion 02.09.2016

Die Arbeitswelt wird digitaler und weiblicher

Die Schwerpunktausgabe „Fokus Frauen” spannt den Bogen von Alpbach bis zu Wonder Womans Jobperspektive.

An sich sollte man das Thema im 21. Jahrhundert nicht mehr hervorstreichen müssen – schließlich müssten Frauen in Technik- und IT inzwischen gleichermaßen eine Selbstverständlichkeit sein wie etwa Männer in Pflege-berufen.

Dennoch sehen wir uns mit einem Paradoxon konfrontiert: Die Chefsessel der „Großen” in der heimischen IT-Szene sind mittlerweile durchwegs weiblich besetzt. „Egal ob Xerox, IBM oder Microsoft – die rot-weiß-roten Dependancen dieser Milliardenkonzerne werden alle erfolgreich von Frauen geleitet”, bestätigt Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien. „Gleichzeitig sehen wir aber den Fachkräftemangel in diesen Branchen, und der Frauenanteil in IT und Technik ist – formulieren wir es einmal vorsichtig – ‚ausbaufähig'. Frauen gelten in diesen Berufszweigen immer noch als Exotinnen – und wie es für Exotinnen zum traurigen Alltag gehört, müssen sie permanent damit rechnen, kritisch bis interessiert beäugt zu werden, im Schaufenster zu stehen und mit einem anderen Maß gemessen zu werden als die männliche Kollegenschaft.” Höllinger setzt sich seit Jahren intensiv mit den Themen Digitalisierung und Aus- und Weiterbildung auseinander.

Schuld sind die Männer?

Dass sich die Situation so darstellt, liege dabei aber nicht nur an „undurchlässigen Männerzirkeln, sondern durchaus auch an uns Frauen selbst”, so Höllinger. „ Technik- und IT-Jobs schrecken viele ab – einerseits, weil viele Angst vor dem beschriebenen Exotinnendasein haben und weil in den Köpfen vieler noch die anti­quierte Sichtweise verwurzelt ist, dass Frauen für Technik und IT von der Veranlagung her nicht geeignet sind. Das ist natürlich absoluter Mumpitz.”

Selbst sind die Frauen

Es liege nun an den Frauen, dieses Bild zurechtzurücken. Warum man sich diesen vermeintlichen Stress antun sollte? „Ganz einfach: Weil es um die Gestaltung unserer Zukunft geht”, sagt die BFI-Chefin. „Auf Facebook, Amazon und Co. zu surfen, ist zwar amüsant. Das war's aber noch nicht: Auch wenn Cyborgs und menschenlose Fabriken noch Science-Fiction sind – die Zukunft ist digital. Und warum sollten wir Frauen davon nicht profitieren?”

Dabei müssten jetzt nicht alle Programmiererinnen oder Roboteringenieurinnen werden – „auch wenn die Jobaussichten in diesen Feldern verlockend sind”. Aber die Berufsfelder verschwimmen durch die Digi­talisierung zunehmend. Und die Nachfrage nach Menschen, die branchenübergreifend vermitteln – also als Übersetzer zwischen den einzelnen Disziplinen, etwa zwischen „Tekkies” und „fachlichen Experten”, fungieren –, steigt.

Kompetenz schlägt Kraft

Höllinger: „Keine Branche wird künftig gänzlich digifreie Zone sein.” Wer die Sprache verschiedener Fachdisziplinen spricht – also Digitalkompetenzen und Fach-Know-how mitbringt –, hat beste Chancen am Arbeitsmarkt. „War es früher oft die Muskelkraft, mit der man punkten konnte, ist es heute das Köpfchen. Und genau das sollten wir Frauen einsetzen, unsere Digitalkompetenz in Angriff nehmen und die frauenfreie Zone in IT- und Technik in die Geschichtsbücher verbannen”, meint Höllinger. (sb)

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