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Netzwerken ist der beste Weg für Frauen in den Aufsichtsrat © UBIT Wien/Wieser

Claudia M. Strohmaier, Monica Rintersbacher, Martina Denich-Kobula, Kasia Greco, Josef Fritz, Kathrin Kränkl.

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Claudia M. Strohmaier, Monica Rintersbacher, Martina Denich-Kobula, Kasia Greco, Josef Fritz, Kathrin Kränkl.

Redaktion 14.06.2018

Netzwerken ist der beste Weg für Frauen in den Aufsichtsrat

56 Unternehmerinnen holten sich Tipps von UBIT Wien und „Frau in der Wirtschaft“.

WIEN. Unter dem Motto „Netzwerken – ein guter Weg in den Aufsichtsrat“ holten sich 56 Wiener Unternehmerinnen am Montagabend im Gewerbehaus der Wirtschaftskammer Wien Anregungen von Unternehmensberaterinnen, Netzwerkerinnen und Aufsichtsräten. Geladen hatten die Unternehmensberater der Fachgruppe UBIT Wien und „Frau in der Wirtschaft Wien“. Nach einer spannenden Podiumsdiskussion unter der Leitung der Unternehmensberaterin und Berufsgruppensprecherin Claudia M. Strohmaier ging es ans Netzwerken, damit die aktuelle Frauenquote von 17% in den Aufsichtsräten künftig steigt.
 
Mit Jahresbeginn gibt es die Quote
Seit Anfang 2018 müssen alle börsennotierten Konzerne sowie Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten eine gesetzliche Frauenquote von 30% in den Aufsichtsräten erfüllen, indem sie frei werdende Mandate mit Frauen nachbesetzen. Berechnungen zufolge müssen deshalb in den nächsten Jahren bis zu 600 Aufsichtsrätinnen neu besetzt werden - ein Umstand, der Kasia Greco (Unternehmensberaterin, Aufsichtsrätin und Vorstandsmitglied bei „Frau in der Wirtschaft“) zum Einstieg der Podiumsdiskussion die folgende Frage aufwerfen ließ: „Es gibt unter aufsichtsraetinnen.at eine Datenbank mit 530 potenziellen Aufsichtsrätinnen. Ich frage mich daher: Wo ist das Problem, diese Positionen nachzubesetzen?“
 
Netzwerken kann mühsam sein, aber es zahlt sich aus
Einhellige Zustimmung erntete Greco für ihre Aussage, wonach weder eine gute Ausbildung ausreichend sei, um den Frauenanteil in den Aufsichtsräten zu heben, noch der Eintrag in eine Datenbank. Vielmehr sei Netzwerken angesagt, wozu es bei der Veranstaltung im Gewerbehaus der Wirtschaftskammer Wien ausreichend Gelegenheit gab. 56 Unternehmerinnen aus Wien sind gekommen, um sich Tipps und Anregungen von den Unternehmensberaterinnen, Netzwerkerinnen und Aufsichtsräten zu holen. „Ich gebe zu, Netzwerken ist extrem mühsam. Sie müssen viel Zeit und Geduld in die Netzwerke investieren, und es kann sein, dass von 100 Netzwerken nur zwei funktionieren. Aber es zahlt sich aus.“ Daher ihr Tipp: „Wenn sich die Gelegenheit ergibt, überlegen Sie nicht lange, sondern sagen Sie zu und lernen Sie danach sukzessive dazu“.
 
Wer sich in seinem Brotjob bewährt, hat die besten Chancen
Den Sprung ins kalte Wasser empfahl den Unternehmerinnen auch Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria. „Ich empfehle Ihnen aber, nicht krampfhaft ein Aufsichtsratsmandat zu suchen oder unauthentisch aufzufallen. Fallen Sie lieber authentisch auf, dann wird man ohnehin auf Sie aufmerksam werden“, so die Expertin. „Wir müssen nicht Aufsichtsrätinnen werden, um eine Quote zu erfüllen, sondern weil wir die Qualifikation dafür haben und man uns braucht.“ Eine gute Basis sei auf jeden Fall, wenn man hauptberuflich in einer Führungsposition tätig sei. „Bewähren Sie sich in Ihrem Brotjob, dann kommt das andere ganz von selbst“, so ihr Ratschlag. Rintersbacher hielt sich stets an einen Tipp ihres Vaters, jeden Weg in kleinen Schritten zurückzulegen und hat daher ihren Karriereweg in Meilensteinen aufgebaut.
 
Frauen sollten sich überlegen, wo sie hinwollen
„Wir müssen auch öfters unsere Netzwerke ändern“, empfahl die Kommunikationsexpertin und international tätige Unternehmensberaterin Kathrin Kränkl. „Erkundigen Sie sich bei Ihrem Netzwerk nicht, ob jemand Ihre Leistung benötigt, sondern überlegen Sie sich, wo Sie selbst hinwollen und versuchen Sie dann einen Kontakt herzustellen. Es muss ja nicht gleich der Generaldirektor sein.“ Ein Schlüsselerlebnis hatte Kränkl bei einem IT-Event in den USA; dort ertappte sie sich selbst dabei, wie sie ein Unternehmen bewunderte, das von drei Frauen geleitet wurde, während die Männer niedrigere Positionen innehatten: „Ich fand das toll, so wie man es toll findet, wenn Väter mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen. Solange wir solche Gedanken haben und das besonders bemerkenswert finden, haben wir noch einen Weg zu gehen.“
 
48.000 Unternehmerinnen in Wien haben eine große Macht
Dass für Frauen der Weg noch weit ist, bewies mit ihren Aussagen auch Martina Denich-Kobula, Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien: „Wir Frauen repräsentieren 52 Prozent der Bevölkerung, sind aber gerade einmal zu 17 Prozent in den Aufsichtsräten vertreten. Wenn wir die Doppelmandate herausrechnen, sind wir sogar nur bei dreizehn Prozent. Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Es gibt allein in Wien 48.000 Unternehmerinnen. Wenn wir miteinander netzwerken, sind wir tatsächlich eine Macht.“ Anecken sei dabei durchaus erlaubt, denn Everybody's Darling zu sein, sei nicht der Weg zum Erfolg.
 
Tipps vom Aufsichtsrats-Headhunter
Zu der Frauenrunde gesellte sich mit Josef Fritz auch ein Mann, der in seinem Leben bereits an rund 1.000 Aufsichtsrats-, Vorstands-, und sonstigen Sitzungen teilgenommen hat. Heute ist er als Geschäftsführender Gesellschafter von Board Search auf die Suche nach Aufsichtsratsprofis spezialisiert. Laut dem Experten habe sich die Rolle der Aufsichtsräte in den letzten Jahren drastisch geändert: „Auch wenn es da draußen noch immer Vorstände von Weltkonzernen gibt, die anderer Meinung sind, sind die Vorstände heute nicht mehr die Spitze eines Unternehmens, sondern die Aufsichtsräte.“ Die Vorstände und Geschäftsführer seien de facto entmachtet, denn ohne Zustimmung der Aufsichtsräte gehe fast gar nichts mehr. Auch die Vorstellung, dass Aufsichtsräte männlich, weiß und 65 Jahre alt sein müssten, sei längst überholt. Unlängst habe er im Digitalbereich Positionen mit einer 28-jährigen Frau sowie mit einer 31-jährigen Frau besetzt. Fritz warnte aber auch vor der falschen Vorstellung von Netzwerken: „Ihr Beziehungsnetzwerk ist zwar wichtig, aber aus Sicht des Unternehmens. Denn warum holt Sie ein Unternehmen in den Aufsichtsrat? Weil die Unternehmen hoffen, dass Sie etwas Bereicherndes einbringen“, so der Experte.
 
Mit einer Frau mit Hausverstand im Aufsichtsrat wäre das nicht passiert
Fritz erzählt ebenfalls ein Bonmot: Zu einer hochkarätigen reinen Männeraufsichtsratsrunde stieß eines Tages eine Frau. Diese Frau hatte fünf Fragen gestellt, die nicht nur exzellent waren, sondern noch nie von jemandem gestellt wurden. „Frauen bringen ein Out-of-the-Box-Denken, Empathie und Kommunikationsstärke mit. Daher meine Bitte: Versuchen Sie nicht das bessere Streifenhörnchen zu werden, denn Sie werden kläglich scheitern. Bringen Sie lieber Ihre weiblichen Fähigkeiten ein!“ Es gebe nämlich eine Rückkehr der Werte in den Aufsichtsräten, wobei Frauen einen anderen Risikozugang hätten als Männer. „Wenn bei so manchen Großkonzernen in den letzten Jahren Frauen in den Aufsichtsräten gewesen wären, wäre ihnen wahrscheinlich so mancher Skandal erspart geblieben“, so Fritz. (red)

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