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Der „Plan T” läuft nach Unterbrechung weiter © Salzburger Sportwelt
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Redaktion 24.01.2020

Der „Plan T” läuft nach Unterbrechung weiter

"medianet" hat die wichtigen Branchenplayer im Tourismus um eine Bewertung der Regierungspläne gebeten.

••• Von Britta Biron

Dass sich von den über 300 Seiten des vor Kurzem präsentierten Regierungsprogramms nur sieben dem Tourismus widmen, scheint angesichts der großen wirtschaftlichen Bedeutung dieses Sektors etwas dürftig. Aber Quantität ist bekanntlich nicht alles – auch nicht bei politischen Zielen. Ausschlaggebend dafür, dass die verschiedenen Stakeholder wie Wirtschaftskammer, Österreichische Hoteliervereinigung und Österreich Werbung das neue Programm durchwegs positiv sehen, ist der Umstand, dass es auf dem im Vorjahr von allen Branchenplayern gemeinsam fixierten Strategiekonzept „Plan T – Masterplan für Tourismus” basiert und dem entsprechend praktisch alle Punkte beinhaltet, die die Branche als essenziell für eine erfolgreiche Zukunft erachtet.

Bewährte Basis

Neben der geplanten Senkung der Lohnnebenkosten, von der natürlich auch andere Branchen profitieren würden, ist für Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer, die Verkürzung der Abschreibungsdauer ein zentraler Punkt: „Seit der Steuerreform 2015 setzen wir uns konsequent dafür ein. Unsere Immobilien und Ausstattungen sind ein wesentlicher Teil des Angebots an die Gäste. Wir können es uns nicht leisten, die Abschreibungsdauer von Gebäuden bei 40 Jahren zu belassen und gehen davon aus, dass 25 Jahre eine gerechtfertigte Abschreibungsdauer für unsere Immobilien ist. Böden, Bäder und Installationen bei Neubauten und Wellness- und Freizeitinfrastruktur sollten auf 15 Jahre abschreibbar sein.”

Mehr Fairness

Ein weiteres für die Beherbergungsbranche wichtiges Thema des Regierungsprogramms ist, dass der Wettbewerb zwischen heimischen Unternehmen und den oft global agierenden Online-Plattformen gerechter gestaltet werden soll.

Vorgesehen ist etwa eine Registrierungspflicht für alle Vermieter – egal ob gewerblich oder privat – als Voraussetzung für das Anbieten von Unterkünften auf Online-Plattformen.
Geprüft werden soll zusätzlich auch eine Regelung zur Begrenzung der touristischen Vermietung von Privatwohnungen auf maximal 90 Tage pro Jahr.
Für Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinnigung (ÖHV), würde das „ein faires Miteinander von professionellen Anbietern und Hobby-Hoteliers einerseits und Gastgebern und Anrainern andererseits ermöglichen”. Eine möglichst rasche Umsetzung hält sie daher für essenziell: „Weil gesetzliche Verbesserungen gar nicht so schnell umgesetzt werden können, wie das notwendig ist, und manches im Betrieb besser gelöst werden kann, werden wir hier die Hebel auf allen Ebenen gleichzeitig ansetzen. Wir werden der Politik vor allem mit dem Know-how aus dem betrieblichen Alltag zur Seite stehen, damit bestmögliche und praxisnahe Regelungen beschlossen werden können.”
Wesentlich aus ihrer Sicht ist auch die Forcierung der unternehmens- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit im HR-Bereich. Potenzial gebe es etwa im aktiven Kommunizieren von Fringe Benefits wie Unterkünften, Spa oder F&B anstelle des Inserierens von Mindest-KVs sowie gemeinsamen Mitarbeiterunterkünften und Kindergärten, deren Öffnungszeiten sich an den speziellen Anforderungen der Tourismusjobs orientieren.

Weniger Bürokratie

Als wichtige Pluspunkte sieht Kraus-Winkler weiters den Fokus auf Nachhaltigkeit im Tourismus, den Abbau von bürokratischen Hürden sowie die Maßnahmen zur Attraktivierung der Lehre.

Wichtige Erleichterungen für die Tourismus-Unternehmen erwartet die WKO darüber hinaus von der Ausweitung des Gewinnfreibetrags, der Senkung der KÖSt auf 21%, der KESt-Befreiung für ökologische Investitionen, der Anhebung der Freigrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter oder der Streichung der Schaumweinsteuer.

Thema Arbeit

Ganz nach dem Geschmack von Mario Pulker, Obmann des Fachverbands Gastronomie, ist das Regierungsziel, Österreich als die führende Kulinarikdestination in Europa zu positionieren. „Erfreulich ist auch, dass die Regierung vorhat, konkrete Konzepte gegen das Gasthaussterben auszuarbeiten.”

Auch die geplanten Erleichterungen bei der Betriebsübergabe – gerade bei Familienunternehmen –, Maßnahmen im Bereich Digitalisierung und Nachhaltigkeit, zur Attraktivierung der Lehre, die Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte oder die Anpassung der Jahreskontingente für Saisoniers bewerten die WKO-Vertreter positiv.

Bundesausbildungsexperte Gerold Royda erkennt in den Maßnahmen zur Stärkung der dualen Berufsausbildung viele der langjährigen Forderungen der Branche wieder: „Wir engagieren uns laufend, um unsere Lehrberufe zu modernisieren, und bekennen uns auch klar zu einer Qualitätsoffensive in der Lehre.”

Rasche Umsetzung

Wichtig sei, dass nun die geplanten Maßnahmen sukzessive aufgearbeitet und zügig umgesetzt werden: „Wir haben durch die Neuwahlen wertvolle Zeit verloren, die nun aufgeholt werden muss”, betont Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKÖ. „Es hat sich gelohnt, dass wir schon im Vorfeld mit detaillierten Konzepten, die nun im Regierungsprogramm ihren Niederschlag gefunden haben, Überzeugungsarbeit geleistet haben.”

Auch für einige, nicht explizit im Regierungsprogramm enthaltene, sinnvolle Maßnahmen – z.B. eine Bagatellgrenze für die Registrierkassen-Belegerteilungspflicht oder die Rückführung des Mehrwertsteuersatzes für sonstige touristische Leistungen auf 10% – hofft Nocker-Schwarzenbacher auf eine Lösung bei der konkreten Umsetzung der Reformmaßnahmen.

Dass Tourismus und Landwirtschaft mit den vielen, sich überschneidenden Agenden weiterhin in einem gemeinsamen Ressort unter der Leitung von Ministerin Elisabeth Köstinger angesiedelt ist, sieht sie dabei im Sinne personeller Kontinuität als wichtigen Vorteil: „Damit ist die weitere gemeinsame Umsetzung der Tourismusstrategie ‚Plan T' sichergestellt.”

Auf gutem Weg

Auch Petra Stolba, Chefin der Österreich Werbung, bewertet das türkis-grüne Regierungsprogramm grundsätzlich positiv: „Tourismus steht sowohl in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht, aber auch als soziales Phänomen vor einem fundamentalen Wandel. Tourismusbetriebe werden sich stärker in die regionalen Kreisläufe einbringen und das eigene Wirken verstärkt mit der einheimischen Bevölkerung ausverhandeln. Genau das hat bei der Erarbeitung des Masterplan Tourismus schon zu konkreten Strategien und Zielen geführt und ist nun im Regierungsprogramm bestätigt worden – damit geht der gemeinsame Zukunftsweg weiter.”

Stärkung der ÖW

Die im Regierungsprogramm explizit erwähnte Weiterentwicklung der Österreich Werbung zu einer Innovationsdrehscheibe für die ganze Branche hält sie für wichtig: „In Summe decken sich die im Regierungsprogramm angeführten Punkte mit unseren Vorhaben sehr gut und wir sehen uns in unserer strategischen Ausrichtung gestärkt. Für die Umsetzung all dieser Vorhaben braucht es allerdings auch eine adäquate Mittelausstattung.”

Innovationen fördern

Dass der im Vorjahr gestartete kooperative Ansatz sehr gut funktioniert, zeige z.B. die sehr erfolgreiche Radkampagne „You like it? Bike it!”. „Die wird auch heuer fortgesetzt und wir arbeiten schon am nächsten gemeinsamen Thema, das dann auch die Vernetzung mit der Landwirtschaft ins Zentrum rückt”, erklärt die ÖW-Chefin.

Neben der Kommunikation ist aber auch die Innovationsunterstützung für die Branche entscheidend, gerade in der jetzigen Umbruchphase des Tourismus. „Dazu haben wir letztes Jahr die Plattform NETA (Next Level Tourism Austria) in der ÖW installiert, und heuer werden konkrete Umsetzungen, etwa im Bereich digitale Weiterbildung und Lernen voneinander, durchgeführt”, erklärt Stolba und weist in diesem Zusammenhang auch gleich auf die Österreichischen Tourismustage (ÖTT) hin.

Der gemeinsam von Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft und der Österreich Werbung organisierte Branchen­event findet vom 25. bis 28. Mai im Austria Center Vienna statt und steht unter dem Motto „Creating remarkable experiences”. Erstmals findet in diesem Rahmen auch die Austrian Travel Business (ATB) statt.

Wichtiger Tourismus-Event

Die komplette Programmübersicht steht online auf www.tourismustage.at zur Verfügung. Ergänzend gibt es laufend auch aktuelle Blogbeiträge zu verschiedenen Themen und Infos zu zahlreichen Referenten aus dem In- und Ausland.

Panoramalink zur Tour


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