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Forschung setzt global auf Personalisierung © PantherMedia/Miriam Kaina
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Martin Rümmele 05.10.2018

Forschung setzt global auf Personalisierung

Nicht nur in Europa, auch in Asien, Afrika, Südamerika und Nordamerika arbeiten Forscher mit Biomarkern, um individuelle Fragen zu beantworten.

••• Von Martin Rümmele

Personalisierte Medizin und Präzisionsmedizin gebe es im Grund schon lange, und es wird heute erwartet, dass man so weit wie möglich die Konzepte der Präzisionsmedizin in der Forschung verwendet, sagt Beatrice Knudsen, Professorin für Biomedical Sciences and Pathology am Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles, im Interview mit medianet. In einem Rundruf durch sechs ­globale Forschungszentren zeigt sich, dass die Themen Personalisierte Medizin bzw. Präzisionsmedizin überall ganz oben auf der Tagesordnung stehen (siehe nächste Seite).

Zentraler Bestandteil

Die Aufnahme von genetischem Wissen in die Patientenversorgung sei bereits ein wichtiger Teil der klinischen Forschung und Behandlung in der Umgebung von Boston, sagt etwa der dortige Forscher, Thomas J. Diefenbach, Ko-Direktor des Ragon Institute Imaging Core of MGH, MIT and Harvard. Dort gebe es bereits seit 2001 ein Partner Healthcare Personalized Medicine Center, das die Nutzung genetischer und genomischer Informationen für die klinische Praxis und die Ausbildung von Ärzten unterstützt und erleichtert. Die Finanzierung derartiger Programme gehöre bereits zu den operativen Budgets von amerikanischen Forschungskliniken. „Im Jahr 2016 vergab das National Institute of Health (NIH) Millionen von Dollar für die Einrichtung von vier weiteren Zentren innerhalb des nationalen Netzwerks von Health Care Provider Organizations, die das Kohorten-Programm der Precision Medicine Initiative (PMI) implementieren”, sagt Diefenbach. Im Bereich von Boston befinden sich die Personalisierte Medizin bzw. Präzisionsmedizin bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Eingliederung.

Förderungen in Brasilien

Auch in Südamerika gibt es entsprechende öffentliche Förderprogramme. In Brasilien schreibt etwa die staatliche Stiftung „CNPq”Programme zur Erforschung spezifischer Krankheiten aus, wie Regenerative Medizin oder auch Früherkennung und Behandlung von Krankheiten, sagt Henning Ulrich, Professor für Biochemie an der Universität São Paulo. Seine Arbeitsgruppe arbeitet im Bereich von regenerativer Medizin und neurodegenerativen Erkrankungen. „Hier sind präzise histologische Aufnahmen und Analysen von Hirnschnitten notwendig”, schildert er und betont dabei auch, das System des österreichischen Unternehmens TissueGnostics zu verwenden. „Meine Meinung ist, dass die TissueGnostics-Systeme immer mehr an Bedeutung in Grundlagen- und angewandter Forschung gewinnen werden, und auch in keinem Pathologielabor fehlen dürfen.”

HIV-Fokus in Afrika

In Afrika wird die Personalisierte Medizin unter anderem verwendet, um neue Therapien gegen HIV-Aids zu entwickeln. Nicht alle Menschen reagieren gleich auf das HIV-Virus, und man könnte hier von jenen Personen lernen, die aufgrund ihrer Gene das Virus in Schach halten können, sagt Zaza Ndhlovu von der Universität KwaZulu Natal in Südafrika. Die südafrikanische Regierung finanziert über den Medical Research Council (MRC), der dem NIH in den USA entspricht, Gesundheitsforschung in Südafrika. „Das MRC finanziert eine Reihe von Gesundheitsforschungsprogrammen, einschließlich derer, die sich auf Gesundheitsinnovationen konzentrieren, durch strategische Partnerschaften und Zuschüsse, die von der Grants Innovation and Product Development (GIPD) verwaltet werden.” Die staatliche Finanzierung von Genomics-Zentren in Kapstadt und in Durban haben hier auch das Potenzial, die Entwicklung der Personalisierten Medizin im Land zu fördern.

Dieser komme hier entgegen, dass die afrikanische, traditionelle Medizin Krankheit ganzheitlich wahrnimmt. „Gemäß der traditionellen Medizin ist Krankheit nicht nur eine körperliche Störung, sondern es wird angenommen, dass sie ein Ergebnis eines Ungleichgewichts in den physischen, spirituellen, moralischen und sozialen Bedingungen des Patienten ist. Daher ist das traditionelle Patientenmanagement sehr personalisiert, weil alles von den individuellen Umständen des Patienten abhängt.”
Eine Zusammenarbeit von Industrie und staatlichen Einrichtungen hält auch Makoto Yawata, Professor an der Yong Loo Lin School of Medicine der National University of Singapore, für wichtig: „Ich halte dies für vernünftig, da im Wesentlichen alle diagnostischen und therapeutischen Produkte einen Kommerzialisierungsschritt erfordern.” Wie in den Vereinigten Staaten und in Japan seien auch in Singapur Plattformen notwendig, um umfassende genetische, phänotypische und Gesundheitsinformationen von Patienten zu sammeln, um Diagnose- und Behandlungsoptionen zu optimieren. „Es wird notwendig sein, Algorithmen zu entwickeln, um den riesigen Datensatz von jedem Patienten für effektive klinische Entscheidungen zu analysieren. Ähnlich wie in den USA umfasst Singapur mehrere Ethnien und daher eine erhebliche menschliche Vielfalt. Was die echte Personalisierte Medizin betrifft, ist dies eine Herausforderung für die Ärzte in diesem Land.” Helfen können dabei auch ­Systeme, wie jenes der Firma Tissue­Gnostics aus ­Österreich.
Eingesetzt wird das auch von Professor GuoGuang Ying am Tianjin Key Laboratory of Cancer Prevention and Therapy: „TissueGnostics hat das bis dato effektivste System zur Gewebebildgebung und Datenanalyse entwickelt, das Forschern und Molekulartherapeuten nützliche Werkzeuge für die Gewinnung wertvoller molekularer Profilinformationen liefert, die zur Diagnose von Erkrankungen und Mechanismen beitragen.” Das molekulare Profiling sei der Kern der Präzisionsmedizin und werde insbesondere durch genomische, proteomische und Lokalisationsinformationen verkörpert, die durch verschiedene Technologien wie Sequenzierung, Chipping und Immunhistochemie-Färbung nachgewiesen und gesammelt werden.

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