FINANCENET
Bargeld ist kein guter Kopfpolster Bargeld ist kein guter Kopfpolster © Panthermedia.net/Martin Novak
Bargeld ist kein guter Kopfpolster © Panthermedia.net/Martin Novak

Redaktion 28.05.2021

Bargeld ist kein guter Kopfpolster

Die Erste Bank fühlte den Österreichern bei ihrem aktuellen Spar- und Anlageverhalten auf den Zahn.

••• Von Reinhard Krémer

WIEN. Lockdowns, hohe Arbeits­losenzahlen und Kurzarbeit strapazieren nach wie vor die ­finanzielle Situation vieler Österreicher. Auswirkungen zeigen sich somit auch im Hinblick auf das Spar- und Anlageverhalten.

Aktuell ist die Investitionsbereitschaft noch verhalten, aber für die kommenden zwölf Monate zeigt sich bereits ein zuversichtlicheres Bild, wie aus der aktuellen Integral-Studie im Auftrag der Erste Bank hervorgeht.

Sicherheitspolster gefragt

Nach knapp 15 Monaten im Corona-Krisenmodus ist das Bedürfnis nach einem finanziellen Sicherheitspolster groß. Laut der repräsentativen Umfrage geben 38% der Befragten an, dass sie aufgrund von Existenzängsten ihr Geld lieber am Konto belassen.

Das belegen auch folgende Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB): Laut aktuellem Stand betragen alle Sicht- und Spareinlagen der privaten Haushalte in Österreich (2020) knapp 190 Mrd. €; das sind um 20 Mrd. € mehr als noch 2019 (170 Mrd. €).
Dieses Plus von 11,9% beruht hauptsächlich auf den pandemiebedingten Lockdowns – die Haushalte konnten das Geld nicht für den Konsum ausgeben – und den zahlreichen damit einhergehenden Unsicherheiten.

Cash wird angeknabbert

Doch das Geld unterm Kopfpolster ist nicht immer eine gute Idee, denn es wird sukzessive aufgefressen – zwar nicht unbedingt von Mäusen, aber: „Dieses Horten von Cash ist in manchen Fällen nachvollziehbar, aber langfristig von Nachteil. Inflation und Nullzinsen knabbern täglich an dieser Liquiditätsreserve”, so Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank. Nach wie vor gilt die Empfehlung, rund drei Netto-Monatsgehälter jederzeit verfügbar zu haben und Ersparnisse so zu veranlagen, dass inflationsbereinigt ein Plus übrig bleibt. Laut Umfrage geben 18% an, „ihr „Geld mehr investiert bzw. veranlagt zu haben, um auch Rendite zu machen”.

Was jetzt beliebt ist

Bei 17% hat aktuell der Konsum Vorrang – sie geben ihr Geld lieber aus als es anzulegen. Alarmierend ist allerdings, dass jeder Vierte aufgrund seiner prekären finanziellen Lage keinen Cent zur Seite legen kann.

Optimistischer zeigen sich die Befragten beim Spar- und Anlageverhalten für die nächsten zwölf Monate: Acht von zehn Österreichern wollen Geld veranlagen. Im Schnitt planen sie ein Investitionsbudget von rund 4.800 € – das sind um 200 € mehr als im Vergleichszeitraum des ersten Quartals 2020.

Die gefragten Klassiker

Sparklassiker wie Sparbuch mit 57% (minus ein Prozentpunkt) und Bausparvertrag mit 39% minus zwei Prozentpunkte) bleiben die erste Wahl, gefolgt von der Pensionsvorsorge (31%, plus vier Prozentpunkte) und Lebensversicherung (30%, plus drei Prozentpunkte). Fonds, Aktien und Anleihen rücken langsam, aber dennoch stetig in den Fokus der Österreicher: 32% (plus zwei Prozentpunkte) wollen in diese Wertpapiere investieren.

Die Richtung stimmt

„Der Trend geht in die richtige Richtung, denn ohne Wertpapiere lässt sich kein Ertrag erwirtschaften. Eine steigende Nachfrage verzeichnen wir speziell bei nachhaltigen Investmentfonds”, so Schaufler. Grundsätzlich empfiehlt es sich, mit Fondssparplänen in die Wertpapierwelt einzusteigen. Den größten Zuwachs bei den Anlageformen verzeichnen Immobilien (19%) mit einem Plus von sechs Prozentpunkten.

Kreditsumme steigt heftig an

Jeder Dritte (34%, minus drei Prozentpunkte) plant in naher Zukunft eine größere Anschaffung und veranschlagen dafür ein Budget von 116.400 €; im Vergleich zum Vorjahr legt dieser Betrag (93.800 €) ordentlich zu, nämlich um satte +24%.

Nach wie vor soll diese Anschaffung großteils über eigene Ersparnisse finanziert werden. Anders als im ersten Quartal 2020 wollen die Österreicher dabei aber vermehrt auf einen Bankkredit oder ein Bauspardarlehen zurückgreifen (20%, plus sechs Prozentpunkte).

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL