FINANCENET
Das Kofferwort im Bankgeschäft © Panthermedia.net/Alex Brylov

So schaut’s aus: Mit Smartdevices und den entsprechenden Apps Bankgeschäfte tätigen – von wo auch immer.

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So schaut’s aus: Mit Smartdevices und den entsprechenden Apps Bankgeschäfte tätigen – von wo auch immer.

12.02.2016

Das Kofferwort im Bankgeschäft

FinTech stellt à la longue den Bankensektor auf den Kopf. Weil wir zwar Bankgeschäfte tätigen, dafür aber nicht ­zwingend zur Bank müssen.

••• Von Helga Krémer

WIEN. „Banking is necessary, banks are not”, soll Bill Gates bereits Mitte der 90-Jahre verkündet haben. Genau auf diesen Zug der Notwendigkeit des Bankgeschäfts – ohne Notwendigkeit einer Bank – springen zahlreiche FinTech (ein Kofferwort für Finanztechnologie, Anm.)-Unternehmen und fahren mit ihren revolutionären und kundenorientierten Angeboten den großen Banken an den Karren.

Nicht-traditionelle vs. etablierte

Der Druck sei, einer PwC-Studie zufolge, vor allem im Einzelhandelsbereich spürbar, Banken mit häufigem Kundenkontakt erfahren tiefgreifende Einschnitte durch die Fintech-Konkurrenten. PwC-Analysten legen dar, dass 55% der Bankenchefs eine Gefahr in nicht-traditionellen Akteuren sehen. Diese nicht-traditionellen Player seien, so die Studie, eine Herausforderung für die Etablierten, da sie mit kundenorientierten und innovativen Geschäftsmodellen punkten können. Konsumenten würden nach immer mehr Service und Nutzen verlangen, etablierte Banken täten gut daran, ein kundenorientiertes Geschäftsmodell zu entwickeln, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auch in den nächsten Jahren zu sichern.

Alles steht Kopf

Technologie-Innovatoren wie TransferWise (für Auslandsüberweisungen, Anm.), Nutmeg und Funding Circle fragmentieren den Markt immer weiter, indem sie Finanzdienstleistungen entflechten und ein agiles Angebot erstellen. Sie stellen die bestehende Ordnung auf den Kopf, indem sie verbraucherorientierte Innovationen anbieten. Diese Entwicklungen würden, heißt es bei Experten, den Kern des Konkurrenzkampfs zwischen dem Fintech-Sektor und den traditionellen Banken beschreiben. In Österreich (sic!) macht das FinTech-Start-up baningo.com allen vor, wie es geht. baningo versteht sich als Web-Service bzw. Plattform für Bankkunden und für Banken. Das Finden des individuell passenden Bankberaters ist ein Kinderspiel – service rules.

Die Aussichten bis 2020

Die PwC-Experten haben für die nächsten fünf Jahre sehr genaue Vorstellungen, wohin die Reise gehen wird. Hier der „Fahrplan”:

Jede Bank wird eine Direktbank. Wettbewerbsfähigkeit wird nicht mehr durch das Filialnetz, sondern vielmehr durch Banklizenzen, Technologie und Werbebudgets bestimmt. Die überlebenden Banken werden zu „Billig-Anbietern” (von ein paar Premium-Banken abgesehen). Verbraucher werden ihr Handy als primäres Zahlungsmittel entdecken. Biometrie, wie Fingerabdrücke oder Spracherkennung, wird bis 2020 gemeinsam mit einem physischen Gerät, z.B. Smartphone, für die Transaktionsautorisierung alltäglich geworden sein.
Pessimisten könnten nun annehmen, dass mit dem Verscheiden des letzten Internet-Muffels auch die klassische Bankfiliale für immer wird schließen müssen ...

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