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Expo 2017: Wird Kasachstan ein Öko-Musterschüler? © Expo 2017 Astana
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02.10.2015

Expo 2017: Wird Kasachstan ein Öko-Musterschüler?

Die Ziele sind höchst ambitioniert, und auch für österreichische Unter­nehmen bieten sich durch die grüne Revolution gute Chancen.

••• Von Britta Biron

ASTANA/WIEN. Während die Expo in Mailand ihrem Ende entgegen- geht, laufen die Vorbereitungen für die nächste Veranstaltung, die Expo 2017 in der kasachischen Hauptstadt Astana, auf Hoch­touren.

Präsident Nursultan Nasarbajew, Außenminister Rapil Zhoshybayev und Energieminister Vladimir Shkolnik sowie weitere Spitzen der kasachischen Regierung haben daher zurzeit einen besonders dichten Zeitplan, gilt es doch, auf einer weltweiten „Tour du Charme” Staaten und Unternehmen die Teilnahme an dem Mega-Event schmackhaft zu machen.

48 Teilnehmernationen fix

Erst kürzlich fanden in den USA hochrangige Treffen statt – mit durchaus positiven Ergebnissen, wie es vonseiten des Organisationsko­mi­tees heißt. So soll etwa Google bereits großes ­Interesse signalisiert haben.

Laut Akhmetzhan Yessimov, Bürgermeister von Almaty, haben bereits 48 Länder ihre Teilnahme fix zugesagt. Dazu zählen unter anderem Brasilien, Argentinien, Chile, China, Frankreich und die Schweiz.
Eine Einladung, als bevorzugter Partner an der Expo teilzunehmen, ging auch an Österreich.
Bisher wurden zwischen Wien und Astana aber vor allem diplomatisch-höfliche Floskeln ausgetauscht.

Österreich in Warteposition

Die konkrete Entscheidung für oder auch gegen eine Teilnahme wird im Jänner 2016 fallen; Experten gehen aber davon aus, dass Österreich zusagen werde, vor allem auch, weil die Wirtschaftskammer das Projekt massiv unterstützt – nicht nur durch Argumente, sondern auch durch Taten. So wird über die AussenwirtschaftsCenter in Moskau und Almaty vom 18. bis 23. Oktober eine Wirtschaftsreise nach Kasachstan und Aserbaidschan organisiert. Am Programm stehen Informationsverstaltungen sowie Treffen mit kasachischen Behörden und Unternehmen.

Handelsbeziehungen

Denn auch wenn die Wirtschaftsentwicklung in Kasachstan aufgrund der Ukraine-Krise und des derzeit niedrigen Ölpreises nicht mehr jenen Drive der letzten Jahre aufweist, biete das Land weiterhin interessante Möglichkeiten für heimische Unternehmen.

Mit Exporten von 257 Mio. € im Jahr 2014 ist Kasachstan immerhin unser wichtigster Handelspartner in Zentralasien; importiert werden zum überwiegenden Teil (fast 98%) Erdöl und Erdölprodukte.
Hans Holzhacker, Programmdirektor für Internationale Wirtschaft an der T.Ryskulov New Economic University in Almaty, hat in einer aktuellen Studie analysiert, welche Bereiche für einen Ausbau der Handelsbeziehungen besonders erfolgversprechend sind. Dazu zählt etwa der Sektor Metallurgie und die daran anknüpfende Chemische Industrie sowie der Maschinen- und Anlagenbau.

Rot-weiß-rotes Öko-Know-how

Grundsätzlich sprechen trotz der etwas angespannten Beziehungen zwischen Österreich und Kasachstan – so gehört Österreich nicht zu jenen Staaten, für die Kasachstan bereits die Visa-Bestimmungen gelockert hat, und das, obwohl (wie im Expo-Werbeschreiben auch explizit angeführt wird), man „innerhalb der Europäischen Union Österreich als wichtigen Handelspartner sieht”, und man „die Zusammenarbeit und Entwicklung mit Österreich weiter vertiefen möchte” – starke Argumente für eine Teilnahme an der Expo in ­Astana.

Attraktiver Markt

Einerseits wären die Kosten für den Bund mit drei bis vier Mio. € durchaus vertretbar. Viel wichtiger ist aber, dass eine Zusage die Chancen österreichischer Unternehmen in Kasachstan deutlich steigern würde. Denn lukrative Aufträge für die notwendigen Infrastruktur im Vorfeld der Großveranstaltungen, gibt´s nur für Unternehmen aus Teilnehmerstaaten. Aber auch abseits des Großprojekts ist der zentralasiatische Staat ein interessanter Markt für rot-weiß-rote Unternehmen.

Denn Präsident Nasarbajew hat seinem Reich einen höchst ambitionierten Innovationskurs verordnet, geht es doch darum, Kasachstan bis 20510 unter die 30 meistentwickelten Länder zu bringen.

Umwelt & Infrastruktur

Dazu laufen zahlreiche Programme im Bildungsbereich, der Privatisierung der Wirtschaft, zum Ausbau und der Modernisierung der Infrastruktur und vor allem am Sektor der Erneuerbaren Energien, die auch das zentrale Thema der Expo 2017 sind.

Und gerade in diesem Sektor zählt Österreich durchaus zu den führenden Nationen, sowohl was Forschung als auch Industrie betrifft, und könnte mit seinem Know-how Kasachstan bei der Erreichung der hochgesteckten Ziele durchaus unterstützen – zum beiderseitigen Nutzen.
Zum Teil passiert das bereits. So hat der Andritz-Konzern im Vorjahr von JSC Shardarinskaya HPP, einer Tochtergesellschaft des staatlichen kasachischen Energieversorgungsunternehmens Samruk Energy, einen 75 Mio. € schweren Großauftrag für die umfassende Modernisierung des Wasser­kraftwerks Shardarinskaya erhalten.
Kapsch hat auf den Autobahnabschnitten von Almaty nach Bishkek und zwischen Astana und Petropavlovsk Weigh-In-Motion-Systeme installiert; aus den erhofften Folgeaufträgen ist bisher allerdings noch nichts geworden.
Auch die OMV, Schoeller Bleckman, VA Tech oder Wagner Biro gehören zu den Betrieben, die bereits in Kasachstan aktiv sind.

Go-Green-Politik

Derzeit ist Kasachstan freilich noch eine Hochburg der fossilen Energien und vom gewünschten grünen Image weit entfernt.

Das Land zählt zu jenen mit den größten Öl- und Gasvorkommen, in deren Förderung zahlreiche internationale Unternehmen eingebunden sind. Die hohe wirtschaftliche Abhängigkeit von Öl und Gas hat allerdings auch ihre Schattenseiten: Der Staatshaushalt für die Jahre 2015 bis 2017 basierte auf einem Ölpreis von 80 USD pro Barrel. Angesichts des Preisverfalls musste der Haushalt Anfang 2015 korrigiert und auf einer Basis von 50 USD pro Barrel neu berechnet werden – mit dem Ergebnis, dass heuer und nächstes Jahr jeweils rund 4,3 Mrd. Euro im Budget fehlen.
Neben Öl und Gas verfügt ­Kasachstan auch über große Vorkommen anderer wichtiger Rohstoffe wie Zinn, Uran, Blei, Zink, Bauxit, Eisen, Gold, Silber, Phosphor, Mangan, Seltene Erden oder Kupfer. Daneben spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle.
Allerdings sind die Strukturen weitgehend veraltet, Energieeffizienz für Unternehmen und Einwohner noch meist ein Fremdwort, und in Sachen Erneuerbarer Energie hat man – obwohl die topografischen und klimatischen Voraus­setzungen gut wären – auch erst wenig vorzuweisen; ihr Anteil an der Energieerzeugung liegt bei nicht einmal einem Prozent. Das grüne Engagement ist derzeit also noch eher theoretisch.
Zu tun gäb´s praktisch also genug, allerdings gibt es auch ein paar nicht unwesentliche Faktoren, die für westliche Investoren (und die braucht man dringend) nicht sonderlich attraktiv sind.

Etliche Hürden

Einerseits ist das die enge wirtschaftliche Verflechtung mit Russland, die angesichts der Ukraine-Krise noch mehr Bedeutung erlangt hat. Und eine freie Marktwirtschaft westlicher Prägung hat sich trotz der im Vergleich zu anderen ehemaligen GUS-Staaten recht offenen Wirtschaftspolitik bisher noch nicht etabliert. Die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft sind eng, staatliche Unterstützungen nicht allein vom wirtschaftlichen Nutzen geprägt; kurzfristig sind Eingriffe immer möglich und die bürokratischen Hürden hoch.

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