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Industrie weit unterhalb der Normalauslastung © AT&S
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Redaktion 23.10.2020

Industrie weit unterhalb der Normalauslastung

Industriellenvereinigung sieht Erreichbarkeit von Fernmärkten als Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche Erholung.

••• Von Paul Christian Jezek

Die konjunkturelle Talsohle wurde im Sommer zwar erreicht, allerdings hat sich die Erholungsdynamik in den vergangenen Wochen deutlich verlangsamt.

„Grund dafür ist das wiederaufgeflammte Covid-19-Infektionsgeschehen, das die wirtschaftlichen Schäden vergrößert und die Industrie bis weit ins nächste Jahr hinein belasten wird”, fasste Christoph Neu­mayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), am 14. Oktober in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit IV-Chefökonom Christian Helmenstein die aktuelle wirtschaftliche Situation zusammen:
Schon seit August ist eine Seitwärtsbewegung der wirtschaftlichen Aktivität zu verzeichnen. Mit steigender Intensität der euro­päisch und weltweit gesetzten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nimmt der wirtschaftliche Druck wieder zu, sodass die Industriellenvereinigung heuer gegenüber der April- und Juli-Prognose nach wie vor unverändert einen BIP-Rückgang um –7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet.

Industrie ist stark betroffen

Die sektorale Betroffenheit hat sich während der letzten Monate beträchtlich verändert.

Mit einem Schaden von mehr als acht Mrd. € gehört die Industrie zu den drei von Covid-19 am stärksten betroffenen Wirtschaftsbereichen – nach den sonstigen Dienstleistungssektoren (persönliche Dienstleistungen, Transport, Kultur, Sport) und noch vor der Tourismuswirtschaft (Gastronomie, Beherbergung), die Wertschöpfungsverluste in ähnlicher Größenordnung verzeichnet.
„Skepsis ob der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung herrscht vor allem bei Indus­trieunternehmen mit einer hohen Exportquote sowie – paradoxerweise – besonders bei jenen mit modernen, sogenannten hybriden Geschäftsmodellen”, erläuterte Helmenstein.
Bei Letzteren ist der Absatz von Sachgütern mit Dienstleistungen erheblichen Umfangs, z.B. Wartungsleistungen oder Analytikdiensten, gekoppelt. „Bei diesen Unternehmen schlägt die nach wie vor unzureichende Erreichbarkeit insbesondere von Fernmärkten gleich dreifach negativ zu Buche: durch Ausfälle von Neu- und Folgeaufträgen, durch fehlende Deckungsbeiträge aus der Dienstleistungskomponente, da diese nicht vor Ort erbracht werden können, sowie in Form von Rechtsrisiken. Dies trifft zu, wenn Verfügbarkeiten zugesagt wurden, die unter Covid-Bedingungen jedoch nicht in jedem Fall eingehalten werden können”, so Helmenstein.

Impulse für den Arbeitsmarkt

„Die Corona-bedingte konjunkturelle Entwicklung hat naturgemäß Auswirkungen auf den heimischen Arbeitsmarkt. Nachhaltiges Wachstum ist der einzig mögliche Weg aus der Krise, auf dem Arbeitsplätze wiederaufgebaut werden können. Dafür braucht es Wachstumsimpulse”, betonte Neumayer.

Aus Sicht der Industrie gibt es fünf zentrale Hebel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit:

1. Konjunkturbelebung durch gezielte Wachstumsimpulse
2. Entlastung von Menschen und Unternehmen im Bereich Steuern- und Abgaben, Bürokratie und Regulierung
3. Betriebsnahe Qualifizierungsmaßnahmen
4. Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte und Fachkräfteoffensive
5. Anreize bzw. Vermeiden von Fehlanreizen bei der Arbeitslosenversicherung.

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