LUXURY BRANDS & RETAIL
Durchwachsene Bilanz für zweites Coronajahr © PantherMedia / SimpleFoto
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Redaktion 22.04.2022

Durchwachsene Bilanz für zweites Coronajahr

Manche Luxussegmente haben das Vorkrisenniveau im Jahr 2021 wieder erreicht, andere hinken hinterher.

••• Von Britta Biron

WIEN. Bis 2023 auf jeden Fall werde es brauchen, damit die Luxusbranche die herben Umsatzeinbußen von 2020 verdauen und wieder auf den gewohnten Wachstumskurs zurückfinden wird. Das war noch Anfang 2021 die weit verbreitete Meinung – die sich als falsch erwiesen hat. Für 2021 weist die Luxury Goods Worldwide Market Study, ein alljährlich von der Unternehmensberatung Bain & Company und dem italienischen Luxusgüterverband Fondazione Altagamma erstellter Report, einen Gesamtumsatz von 1.140 Mrd. € aus. Das Minus gegenüber 2019 hat sich damit von rund 22% im Jahr 2020 auf nur noch elf Prozent halbiert.

Über Vorkrisenniveau

In einigen Segmenten war die Erholung vom Corona-Schock sogar noch stärker. So haben Autos, der größte Brocken im Luxusbusiness, mit 551 Mrd.€ den Vorkrisenwert leicht übertroffen (+0,2%). Der Personal Luxury-Bereich, zu dem Designerkleidung und -accessoires, Nobelkosmetik, edle Uhren oder kostbarer Schmuck gehören, erwirtschaftete 283 Mrd. €, was einem Zuwachs gegenüber 2019 von 0,7% entspricht.

Zudem haben die Luxuskonsumenten offensichtlich ebenso wie ihre weniger gut betuchten Mitmenschen versucht, sich das zweite Corona-Jahr mit Champagner, Wein, Cognac & Co schönzutrinken. Ob mehr oder teurere Ware konsumiert wurde, geht aus dem Report – 1,3% mehr Umsatz als 2019 – aber nicht hervor. Die größte Steigerung (+18,4% vs. 2020 und + 7,1% vs. 2019) verzeichneten Möbel, Home-Deko und Haushaltsausstattung.
Nach wie vor unter den 2019er-Werten blieben wegen der Corona-Beschränkungen Luxushotellerie und -gastronomie sowie der Kreuzfahrtsektor.
Unterschiede zeigen sich auch in geografischer Hinsicht: In China, dem einzigen Land, in dem die Umsätze mit persönlichen Luxusartikeln 2020 gestiegen waren (+45% auf 44 Mrd. €), gab es auch im Vorjahr einen weiteren kräftigen Anstieg auf 60 Mrd. €. Kleinere, aber deutliche Zuwächse wurden auch in den USA, nach wie vor der größte Markt, und im Mittleren Osten verbucht. Dagegen hat sich das Geschäft in Europa, wo immer noch die kaufkräftigen Shoppingtouristen aus China und den USA fehlen, Japan sowie dem restlichen asiatischen Raum erst zum Teil erholt.

Gute Zukunftsperspektiven

Mittelfristig rechnen die Experten von Bain und Altagamma, dass sich der positive Trend des Vorjahres fortsetzt und der Umsatz im Personal Luxury-Segment im Jahr 2025 380 Mrd. € erreichen wird. Deutliche Indizien dafür, dass die Lust auf Luxus auch heuer hoch ist, zeigen die ersten Berichte für das erste Quartal 2022. So meldete Branchenprimus LVMH einen Umsatz von 18 Mrd. € (+29% zu 2021), im selben Zeitraum wurden Hermès-Produkte im Wert von 2,77 Mrd. € (+33%) verkauft.

Als recht verlässliche Indikatoren eignen sich auch die großen Uhren- und Schmuckmessen – Vincenza Oro, Watches & Wanders und Inhorgenta, die nach der pandemiebedingten Pause bzw. Verlagerung ins Internet heuer wieder im Real Life stattgefunden haben. Veranstalter, Aussteller und die Fachbesucher waren durchwegs guter Stimmung und zuversichtlich für die Zukunft.

Nachhaltig & fair

„Die Luxusgüterindustrie erfährt gerade eine wahre Renaissance”, erklärt Marie-Therese Marek, Associate Partner bei Bain und Retail-Expertin. „Allerdings ändert sich die öffentliche Wahrnehmung der Top-Marken derzeit deutlich. Ging es bislang vor allem um Status, Logos und Exklusivität, müssen die Hersteller von Nobelwaren heute ihren Fokus verstärkt auch auf Nachhaltigkeit, Diversität und soziale Verantwortung richten.”

Kleine Problemfelder

Von steigenden Energie- und Transportpreisen sind die Luxusmarken zwar auch betroffen, allerdings in der komfortablen Lage, dass sie diese mit Preiserhöhungen kompensieren können, ohne den Ärger der Kunden fürchten zu müssen. Auch der Wegfall der russischen Kunden, die ohnehin nur einen kleinen Teil zum Business beisteuern, lässt sich verschmerzen; zumindest das Beispiel von Chanel beweist das. Das französische Nobelhaus legt die EU-Sanktionen besonders streng aus und verkauft seine Edelware an russische Kunden nur noch dann, wenn diese im Ausland leben und bestätigen, die Ware nicht nach Russland einzuführen.

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