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Herrin des Kunsthandwerks © Patek Philippe (7)

In Singapur präsentierte Patek Philippe 467 Zeitmesser, darunter besondere antike Stücke und eigens für die Show kreierte Modelle.

© Patek Philippe (7)

In Singapur präsentierte Patek Philippe 467 Zeitmesser, darunter besondere antike Stücke und eigens für die Show kreierte Modelle.

irmie schüch-schamburek N/A

Herrin des Kunsthandwerks

Sandrine Stern, Head of Creations bei Patek Philippe, über die Kunst, außergewöhnliche Uhren zu fertigen.

Singapur/Genf. Auf der Watch Art Grand Exposition in Singapur präsentiert Patek Philippe nicht nur Zeitmesser mit einzigartigen Komplikationen, sondern auch kunsthandwerkliche Meisterleistungen. Für medianet sprach Irmie Schüch-Schamburek mit Sandrine Stern, die als Head of Creations seit 2009 die Ästhetik solcher tickenden Kunstwerke verantwortet.

medianet:
Werden Sie als Frau anders wahrgenommen als Ihre männlichen Kollegen?
Sandrine Stern: Ich bin seit 25 Jahren in diesem Business und daher gewohnt, mit vielen Männern zusammenzuarbeiten. Mittlerweile empfinde ich mich neutral, da ich genügend Gelegenheiten hatte, um mein Können unter Beweis zu stellen. Die Vorstellung, dass Männer in der Uhrenbranche bedeutender als Frauen sind, ist Gott sei Dank immer weniger vorherrschend. Auch in technischen Abteilungen gibt es inzwischen etliche Frauen.

medianet:
Wie groß ist Ihr Team?
Stern: Die Abteilung für feines Kunsthandwerk besteht insgesamt aus 30 Personen, der etliche Künstlerinnen angehören, sowie zwei Designerinnen, die jedoch nicht auf Damenmodelle spezialisiert sind. Es ist mir wichtig, verschiedenste Sichtweisen in unsere Entwicklungen einfließen zu lassen.

medianet:
Was war Ihre Aufgabe bei der Watch Art-Ausstellung in Singapur?
Stern: Ich war für die Präsentation des kunsthandwerklichen Know-hows von Patek Philippe verantwortlich. Zeitmesser in diesen Ausführungen sind ein sehr wichtiger und großer Teil unserer Kollektionen. Die hier ausgestellten Exponate sind ein Mix aus Museumsstücken und neuen Modellen, die teilweise speziell für den asiatischen Markt gefertigt wurden – aber alle weisen die gleichen kunsthandwerklichen Techniken auf.

medianet:
Wie lange hat die Arbeit an den Uhren für die Ausstellung gedauert?
Stern: Wir haben vor über zwei Jahren mit den Vorbereitungen begonnen. Es war nicht nur eine große Herausforderung, so viele Modelle für diese Ausstellung fertigzustellen, sondern wir haben auch genauestens recherchiert, um zu Asien passende Motive und Farben zu finden. Die Besucher sollten sich angesprochen fühlen, die Ideen der Designs verstehen und sich damit identifizieren können. Es freut uns und wir sind stolz, dass wir als Feedback bekamen, dass uns dies auch gelungen ist.

medianet:
Ist der asiatische Geschmack anders als der europäische?
Stern: Wir beschäftigen uns nicht so sehr mit kulturellen Unterschieden, sondern richten uns nach unserer Intuition und Leidenschaft, dann taucht man automatisch in die verschiedenen Welten ein. Wenn wir ein Motiv mögen, dann experimentieren wir mit den verschiedenen Formen, Farben und Techniken, bis es perfekt erscheint. Einzig in ihrer Erscheinungsform von Farbe und Formen ist die asiatische Kultur reichhaltiger.

medianet:
Wo holen Sie sich Ihre Inspirationsquellen für neue Modelle?
Stern: Ich reise viel, mache viele Fotos, besuche Museen und beobachte mein Umfeld genau – die Natur, die Architektur, die Kunst und natürlich ist auch unser Museum eine wichtige Inspirationsquelle. So kann beispielsweise ein Detail einer Museumsuhr der Ausgangspunkt für ein neues Modell sein. Aber man muss sich auch dazu konditionieren, die Augen offenzuhalten, um interessante Dinge erkennen zu können.

medianet:
Welche Rolle spielen aktuelle Trends?
Stern: Keine. Wir schaffen unsere eigenen Trends. Wir verwenden rare Handwerkskünste in allen unseren Modellen, für einfachere Werke und auch für große Komplikationen. Und wir überlegen dann, was für das jeweilige Modell passend ist.


medianet: Wie sieht der typische Ablauf bei der Kreation eines neuen Modells aus?
Stern: Zumeist sind die Gehäusegröße, die Form und die Komplikation fixe Vorgaben, die berücksichtigt werden müssen. Wir starten mit einem Brainstorming, bei dem wir anhand zusammengetragener Unterlagen die Motive erarbeiten, und erstellen danach Designs, die auf den technischen Angaben basieren, und verfeinern diese. Die Motive werden bei uns vorerst immer noch von Hand gezeichnet und nachdem wir eine Auswahl getroffen haben, überlegen wir, welche Technik hierfür am besten passt. Dann werden die Daten auf einen Computer übertragen, Prototypen entwickelt, um die Dimensionen und den Tragekomfort zu überprüfen, und schließlich die ‚Métiers d’Art'-Arbeiten von unseren hauseigenen Künstlern umgesetzt.

medianet:
Sie setzen vor allem alte Handwerkskünste ein; erfinden Sie auch ‚neue' Techniken?
Stern: Wir bleiben bei unserem bewährten, hochqualitativen Know-how, wie feine Intarsien, Metallbearbeitungen und Emaille-Malereien. Innovation passiert eher bei den Uhrwerken und bei Materialien. Aber es gibt auch Ausnahmen. Wir haben jetzt eine Emaille- Technik präsentiert, die matte und glänzende Optik kombiniert. Das war noch nie am Markt und wurde von unseren Experten entwickelt.

medianet:
Was zeichnet für Sie eine schöne Uhr aus?
Stern: Sie muss harmonisch sein, ausbalancierte Proportionen von Gehäuse und Zeigern, aber auch Motiven und Materialien haben. Ich spüre sofort, wenn ich eine Uhr in die Hand nehme, ob die Bauhöhe stimmt oder die Uhr zu dick oder zu grob ist. Und auch eine perfekte Finissage, also die Veredelung der Oberflächen, ist sehr wichtig, um ihr ein exklusives Erscheinungsbild zu verleihen.

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