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Causa GfK: Was sagen die Betroffenen? © PantherMedia / Andriy Popov
© PantherMedia / Andriy Popov

Redaktion 18.12.2020

Causa GfK: Was sagen die Betroffenen?

Zu hohe Reichweite ausgewiesen – der Fehler liegt ausschließlich im Bereich der GfK Austria, so die AGTT.

WIEN. Seit fünf Jahren hat die GfK Austria, die im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Teletest AGTT für die Messung bzw. Auswertung der TV-Nutzung in Österreich zuständig ist, fehlerhaft ausgewertet; aufgrund eines Programmierfehlers im Zusammenhang mit der Implementierung von neuen Messgeräten (beginnend im Jahr 2015) sind in Mehrpersonenhaushalten in bestimmten Konstellationen die Nutzungszeiten von gleichzeitig fernsehenden Familienmitgliedern falsch zugeordnet worden. Dadurch sind für den gesamten Markt – weitgehend gleich verteilt über alle Sender – zu hohe Reichweiten ausgewiesen worden. Die Marktanteilsdaten sollen kaum betroffen sein.

Vermutlich wichtig für die Branche in dieser Situation: Trotz der leicht zu hoch angegebenen Werte – der Anstieg der TV-Nutzung im Corona-Jahr war tatsächlich da und lasse sich belegen.

Seitens der GfK meinte Pressesprecher Kai Hummel: „Der Fehler im System ist bereits behoben. Die Daten selbst wurden ja richtig erhoben, nur dann wegen diesen alten Softwarefehlern falsch miteinander kombiniert, weshalb es zur leichten Überschätzung kam.“

Bei der GfK bedauere man den Fehler und alle Kräfte seien jetzt „voll auf die Korrektur gelenkt“ und selbstverständlich arbeite man mit „vollster Transparenz mit den Auditor zusammen“.

Angesprochen auf die Causa Radiotest, weist Hummel darauf hin, dass es sich hier um zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte handle: „Beim Radiotest ging es um ein ganz anderes Problem. Da ging es um Befragungen der Menschen, hier geht es um eine Messung.“

In diesem Zusammenhang betont Hummel auch, dass „die GfK und die GfK Austria seit 2016 massiv an Verbesserungen und Innovationen“ arbeiten. „Nach 2016 ist ja auch personell zu massiven Veränderungen gekommen“, so Hummel.

Abweichungen „unter fünf Prozent“
Die konkreten Auswirkungen der Messfehler bis November 2019 selbst sind nicht mehr reproduzierbar; in den ersten Jahren (etwa bis 2017) seien die Abweichungen „jedenfalls vernachlässigbar“, so die AGTT in einer Aussendung. Weiter heißt es: „Der über den Zeitverlauf ansteigende Fehler wirkt sich je nach Zielgruppe unterschiedlich aus; im Schnitt liegen die Abweichungen aber auch im Jahr 2020 unter fünf Prozent. Der bisher kommunizierte – auch pandemiebedingte – Anstieg der Fernsehnutzung muss daher geringfügig korrigiert werden, ist aber weiterhin signifikant.“

Walter Zinggl: „Warten Ergebnisse des Audits ab“
Die betroffenen Sender beraten nun, wie es weitergehen soll. Gegenüber medianet meint etwa IP Österreich- Geschäftsführer Walter Zinggl: „Wir warten jetzt die Ergebnisse des Audits ab, dann informieren wir wieder. Natürlich läuft die Analyse, wie es dazu kommen konnte und der Austausch mit unseren Kunden und Agenturen parallel.“

Böhm: Analyse läuft
Seitens der ORF-Enterpreise, zuständig für die Vermarktung der ORF-Programme, meint deren CEO Oliver Böhm gegenüber medianet, dass man aktuell ebenfalls die Ergebnisse des Audits abwarte und: „Aktuell läuft die Analyse, wie es dazu kommen konnte und parallel dazu läuft natürlich der Austausch mit unseren Kunden und Agenturen.“

AGTT: Umfassende Aufarbeitung
Laut AGTT liege der Fehler ausschließlich im Bereich der GfK Austria. „Die AGTT hat die GfK unverzüglich mit einer umfassenden Aufarbeitung und Richtigstellung der Daten beauftragt; die für 12/2020 veröffentlichten Daten sind daher nach heutigem Wissensstand korrekt. Die AGTT hat sich auch entschlossen, die restlichen Daten 2020 für den Markt nachproduzieren zu lassen, soweit dies möglich ist, um verlässliche Daten zu liefern. Parallel dazu hat die AGTT einen externen und unabhängigen Auditor mit der Überprüfung der betroffenen Daten beauftragt. Die endgültigen Daten für 2020 werden nach Vorliegen des Ergebnisses veröffentlicht.“

Erinnerung an Radiotest-Problem
Für die GfK ist der Vorfall nicht der erste dieser Art: Vor einigen Jahren gab es bei Erhebung und Berechnung der Daten des Radiotest ebenfalls Fehler, die zu einer Verzerrung der Marktdarstellung in der Bandbreite von ein bis drei Prozentpunkten für einzelne Sender geführt hatten. (red)

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