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Die Strategie als Idee vor der Idee © Michael Inmann
© Michael Inmann

Redaktion 21.01.2022

Die Strategie als Idee vor der Idee

„Warum eigentlich Branchen-Ehrenamt?”: Endy Spielvogel und Jana David-Wiedemann geben "medianet" die Antwort.

••• Von Dinko Fejzuli

WIEN. In der Branche sind Jana David-Wiedemann (BBDO Wien) und Endy Spielvogel (DDB Wien) sowohl für Expertise in Strategie beziehungsweise Kreation bekannt. Ehrenamtlich sind sie auch in diesen Feldern tätig, Spielvogel als Präsident des Creativ Club Austria (CCA), David-Wiedemann als das Pendant bei Strategie Austria. Ein Berührungspunkt in diesem Zusammenhang ist „Creative Strategy”, eine neue Kategorie beim CCA-Venus Award. Aber zunächst stellt sich die Frage: Warum eigentlich Branchen-Ehrenamt? Und: Was hat sich in den beiden Feldern Strategie und Kreation in den letzten Jahren verändert? Was sind die Herausforderungen? All diese Fragen werden im Gespräch mit medianet beantwortet.

„Es geht Zeit drauf, man trägt ein Risiko, denn beim CAA ist man als Obmann ja haftbar. Warum tun wir uns das an?”, fragt Spielvogel und führt aus: „Vielleicht ist es am Anfang auch ein bisschen die Eitelkeit, aber es geht darum, für die Branche etwas Gutes zu tun.” Genau dieser Gedanke eint die beiden.
David-Wiedemann, seit 2011 teil des Vorstands von Strategie Austria und seit 2019 Präsidentin, erklärt: „Wir haben Gemeinsamkeiten in den Vereinen und in der Arbeit selbst festgestellt.”
Denn beide Disziplinen stünden vor ähnlichen Aufgaben. Spielvogel etwa meint, Kreation müsse mehr Stellung beziehen. Immerhin: Die Kreativen sind durchaus sichtbar. Das ist beim Thema Strategien anders, wie David-Wiedemann rückblickend sieht: „In den 2000ern war Strategie als Thema präsenter am Markt, das ist dann abgeflacht. Doch gerade im Zuge von Krisen und durch Veränderungen der Gesellschaft wurde erkannt, dass man das wieder braucht. Strategie wirkt nicht so greifbar wie Kreation, doch beide brauchen mehr Sichtbarkeit”, so David-Wiedemann. Doch worum geht es konkret?

Herausforderungen

In der Kreativbranche gebe es in dem Zusammenhang drei große Herausforderungen, meint der CCA-Präsident: „Zunächst haben wir ein Relevanzproblem.” Deshalb würde man auch nicht nur die Branche in den Juries entscheiden lassen, sondern beziehe auch die Auftraggeber mit ein.

„Wir wollen zudem aktive und positive Mitglieder”, heißt es weiter. Sprich: Es brauche mehr Miteinander. Verlässt ein Mitarbeiter eine Agentur und geht zu einer anderen guten, dann darf man sich auch einmal freuen.
Und drittens gebe es ein „Talenteproblem”. Hier brauche es Programme, um attraktiver zu werden.

Die Strategie Austria-Präsidentin stimmt weitgehend zu und ergänzt: „Es braucht auch bei uns eine Wir-Herangehensweise. Wenn man respektvoll miteinander umgeht, akzeptiert, dass es verschiedene Zugänge gibt, die sich ergänzen können, gibt es diese Herangehensweise.” Oder, wie es Spielvogel formuliert: „Wir sind Mitbewunderer, nicht Mitbewerber.” Das will dann auch gezeigt werden!


Zeigen, was man kann

Beim CCA wurde durchaus diskutiert, ob es eine Venus für den Bereich Strategie geben sollte – die Antwort war letztlich ja. „Die Strategie ist die Idee vor der Idee. Das wollen wir zeigen und darum haben wir uns dazu entschieden, das auch zu tun”, erklärt Spielvogel. „Dadurch hatten noch mehr Profis Lust auf die Awardshow oder in der Jury mitzuentscheiden.” Dabei gebe es auch von Strategie Austria einen eigenen Event, den Strategie-Slam, der in der D-A-CH-Region veranstaltet wurde. Wie lief der Slam ab?

„Strategen haben neun Minuten lang geslamt, die Gewinner sind dann per Publikumsvoting gekürt worden. 2019 gab es noch mehr Internationalität, da kamen Menschen aus verschiedensten Ländern wie UK, Polen oder Serbien. Das war spannend!” Doch dann kam die Pandemie und man entschied sich aufgrund des besonderen Vibes bei dem Event gegen eine digitale Ausführung der Show.
Dass Strategie nun als eigener Award beim CCA vergeben wurde, ist mehr als nur ein Ersatz. „Nur in der kreativen Blase zu sein, ist für Auftraggeber nicht so attraktiv. Es ist super, wenn Strategie auch dabei ist. Wir haben miteinander etwas geschaffen”, meint Spielvogel; David-Wiedemann ergänzt: „Wir haben bewiesen, welchen Wert Strategie für Kreation hat.”

Die Kundenseite

Dennoch bleiben die beiden Bereiche getrennte Disziplinen. Strategie, so David-Wiedemann, sei ohnehin ein „Flutschwort”, also schwer greifbar: Jeder wüsste, dass die Disziplin existiert, aber fast jeder verstehe etwas anderes darunter. Die Strategie zeichne aber auf jeden Fall den Weg vor, wohin man sich bewege, egal, ob es Unternehmen, Marken oder Menschen sind, meint sie: „Es ist wichtig, dass wir bei dieser Vielschichtigkeit fokussiert bleiben.”

Für die Kreativen sei die Strategie ein toller Sockel, der auch kundenseitig nachfragt werde. Spielvogel: „Kunden sagen uns das auch, dass sie es mögen, wenn kreative Ideen auf strategischem Aufbau fußen. Ich kenne es aber auch aus früheren Zeiten, da war das nicht so gefragt.” David-Wiedemann konkretisiert: „In der Kommunikationsstrategie macht eine zugespitzte Idee einen großen Raum für Kreativität auf.”

Awards und ihre Bedeutung

Nun sei es im Allgemeinen nicht so, dass Auftraggeber wegen eines Award-Gewinns anrufen würden; egal in welchem der Bereiche, eine gewonnene Statue würde zunächst vor allem nach innen wirken, es sei für die Ausgezeichneten schön, eine Venus zu erhalten. Vor allem würden viele Auszeichnungen zeigen, dass die Agenturen etwas draufhaben. Für David-Wiedemann kommt es auch auf die zeitlichen Zusammenhänge an: „Wenn ein Kunde auf der Suche ist und es passt zeitlich zusammen, dann kann das schon helfen, wenn die Kunden sehen, jemand hat einen Award gewonnen.”

Und was kann man 2022 erwarten? Der CCA möchte nachschärfen, immerhin wird man 50 Jahre alt. Und Strategie Austria stellt klarerweise drei Dinge in den Mittelpunkt: Qualität, Qualität, Qualität.

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