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Kunst- und Kulturschaffende fordern: Ja zur Urheberrechtsnovelle © Peter Hautzinger

Peter Paul Skrepek, Gerhard Ruiss, Cesár Sampson, Mercedes Echerer

© Peter Hautzinger

Peter Paul Skrepek, Gerhard Ruiss, Cesár Sampson, Mercedes Echerer

Redaktion 06.09.2018

Kunst- und Kulturschaffende fordern: Ja zur Urheberrechtsnovelle

Kunstschaffende schlagen Alarm: Letzte Chance für ein faires Urheberrecht! Einseitige Debatte gefährdet Vielfalt von Kunst und Kultur. Nicht User, sondern Internetgiganten sollen für die Nutzung fremder Werke bezahlen.

WIEN. Heimische Kunstschaffende warnen: Es ist fünf vor zwölf. Mit der Abstimmung über den aktuellen Entwurf der Urheberrechtsnovelle am 12. September im EU-Parlament entscheidet Europa über die Zukunft der Kunst. Nur mit dem Entscheid für die neue Richtlinie und der damit einhergehenden Wahrung der Rechte von Kunst- und Kulturschaffenden im Internet kann ein Kollaps der europäischen Kulturvielfalt noch verhindert werden. "Wir müssen jetzt handeln, bevor es zu spät ist. Nichts weniger als eine unabhängige Kultur- und Medienlandschaft steht auf dem Spiel", schildert Autor und Musiker Gerhard Ruiss im Rahmen einer Pressekonferenz den Ernst der Lage. Die Debatte sei einseitig und fände ohne die Kulturschaffenden statt: Konkret gehe es um klare Regeln für Internetplattformen, die es in der Offline-Welt für Produzenten, Medien und Verlage schon längst gibt. Internetgiganten wie Google, Facebook, YouTube & Co, die mit fremden Werken Milliarden verdienen, sträuben sich jedoch vehement, für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zu bezahlen. "Die Novelle ist für uns Kulturschaffende überlebensnotwendig", erklärt Ruiss, der gemeinsam mit KollegInnen stellvertretend für heimische UrheberInnen spricht, und macht deutlich: "Es geht schlichtweg darum, dass Menschen arbeiten und dafür kein Geld bekommen. Jene, die unsere Werke nutzen, um Geld im Internet zu verdienen, sollen endlich bezahlen."

Novelle schützt Meinungs- und Informationsfreiheit
Seit Monaten versuchen Kritiker Stimmung gegen die Novelle zu machen. Allerdings: Die Debatte ist von Fehlinformationen geprägt und wenig reflektiert. So ist gar die Rede von "Internetzensur" und Einschränkungen für User - einzig allein mit dem Ziel, vom Wesentlichen abzulenken: Globale Internetplattformen verdienen mit fremden Werken Milliarden an Werbeeinnahmen und daran wollen sie auch nichts ändern. Richtig ist: Die Novelle fördert die legale Verbreitung von Inhalten im Internet. "Wir sitzen mit den Usern in einem Boot, denn auch wir möchten, dass viele Menschen unsere Werke nutzen können. Dabei müssen unsere Rechte aber auch gewahrt werden, denn Kunstschaffen ist kein Ehrenamt", betont Schauspielerin und Moderatorin Mercedes Echerer. Schon jetzt kann eine Vielzahl der Kunstschaffenden nicht mehr von ihrer Arbeit leben.

Ganz ähnlich geht es Medienhäusern. Sie müssen insbesondere für das Internet immer aufwendiger Inhalte produzieren, die dann jedoch kostenlos von Google und Facebook genutzt werden. Das Leistungsschutzrecht in der Novelle will das ändern: Medien sowie Journalistinnen und Journalisten sollen für die Verbreitung ihrer Inhalte im Internet bezahlt werden. Nur so können auch weiterhin Qualität garantiert und Populismus verhindert werden. "Seit langem arbeiten Kunstschaffende im Internet für wenig bis gar keinen Lohn. Wir brauchen die Novelle jetzt, damit es auch im Internet klare Regeln gibt. Wir können nicht auf die Freiwilligkeit großer Konzerne hoffen", so Peter Paul Skrepek, Vorsitzender der Sektion Musik in der Gewerkschaft. Die Novelle zielt klar darauf ab, Kooperations-verträge zwischen Internetplattformen und UrheberInnen abzuschließen. Das kommt auch dem User zugute, der sich derzeit in einer Grauzone bewegt.

Alle zahlen, nur die Großen nicht
Jeder Österreicher und jede Österreicherin zahlt für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke - beispielsweise bei Veranstaltungen -; jeder Radio- oder TV-Sender, jedes Medienhaus ebenso. Nur die großen Internetplattformen wollen fremde Inhalte kostenlos oder viel zu günstig nutzen. "Das Internet ist für uns das Medium der Stunde und wir lieben die Möglichkeiten, die sich hier bieten. Wir wollen keine Einschränkung für User, aber es ist klar, dass jene, die damit Geld verdienen - und das sind die großen Plattformen - dafür auch einen fairen Preis bezahlen müssen", so Komponist und Sänger Cesár Sampson, der sein Anliegen bereits in Brüssel vorgetragen hat. Er vertritt vor allem eine junge Generation an Kunstschaffenden, die, wenn es so weiter geht, keinerlei Zukunftschancen hat.

Am Beispiel des heimischen Musikmarktes wird die Schieflage besonders deutlich: Mehr als zwei Millionen User in Österreich nutzen YouTube regelmäßig für das Streamen von Musikvideos. Dafür wurden im 1. Halbjahr 2018 Vergütungen von nur 1,4 Millionen Euro geleistet. Ganz anders sieht die Situation bei Streaming-Anbietern wie Spotify aus, die Lizenzdeals mit den Rechteinhabern abschließen. Hier belaufen sich die Lizenz-Umsätze auf knapp 22 Millionen Euro bei rund 800.000 Nutzern (Premium und werbefinanzierte Angebote zusammengerechnet). Der Durchschnittswert der Vergütung pro User und Jahr unterscheidet sich dramatisch: 27 Euro bei lizenzierten Angeboten wie Spotify - und weniger als 1 Euro bei YouTube.*

Am 12. September entscheiden nun die Parlamentarier der Europäischen Union, ob sie auch in Zukunft ein starkes Europa der kulturellen Vielfalt wollen, oder ob man sich dem Druck großer Konzerne beugt und damit letztlich Mainstream-Angeboten sowie Populismus Tür und Tor öffnet. "Es ist ernst, es geht um viel. Mehr als 1.200 heimische Kunstschaffende haben sich daher zusammengetan und einen Offenen Brief an die Parlamentarier verfasst. Wir hoffen auf eine faire Entscheidung, auf eine Entscheidung für die Kunst. Ja zur Urheberrechtsnovelle," so Gerhard Ruiss abschließend. (red)

Weitere Informationen sowie den Offenen Brief gibt es hier: http://userfreiheit-kuenstlerrecht.at/

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