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Österreichs ESC Teilnehmerin Paenda: "Ich geb halt manchmal gerne Gas" © df

Paenda

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Redaktion 14.05.2019

Österreichs ESC Teilnehmerin Paenda: "Ich geb halt manchmal gerne Gas"

Vom Fokussieren, Variationen auf der Bühne und warum man sich manchmal wie Mr. Bean fühlt.

TEL AVIV.

medianet: Paenda, oder wollen Sie lieber Gabriela genannt werden?
Paenda: Nein. Paenda ist einfach der Künstlername.

medianet: Sie sind ja jetzt schon einige Tage hier. Wie ist es Ihnen ergangen? Wie ist das Zusammenspiel mit dem Team und der Delegation?

Paenda: Es ist super alles ist sehr entspannt - zumindest für mich. Ich fühle mich auf der Bühne pudelwohl. Wahrscheinlich merkt man das auch. Also ich habe mir noch in keinem Moment gedacht "Da will ich jetzt nicht sein". Und das ist mir schon sehr wohl passiert - dass es Bühnen gegeben hat, auf denen ich mir gedacht habe „Da fühle ich mich gerade überhaupt nicht wohl'. Ich liebe es, auf der Bühne zu sein, aber das ist halt manchmal so. Es ist auch ganz lustig, weil ich nicht nervös bin, also schon ein bisschen, aber nicht richtig.

medianet: Glauben Sie kommt das dann, wenn es morgen ins Semifinale geht? 
Paenda: Nein.

medianet: Warum nicht?
Paenda: Keine Ahnung. Bei der ersten Probe war ich noch sehr fokussiert und habe geschaut, was so rundherum passiert. Und beim zweiten Mal habe ich es ja schon gekannt. Aber der Moment, als ich mich hingesetzt habe - das war eine ganz arge Szene. Ich kann es nur immer wieder erzählen, es ist alles schwarz - das komplette Saallicht ist ausgeschalten und es ist nur der eine Spot auf mir. Und dieser erste Moment war arg, weil ich dagesessen bin und mich gefragt habe „Was passiert jetzt?“, „Wie wird das jetzt werden?“. Und dann geht's los und das Licht geht aus und alles ist schwarz und nur der eine Spot scheint auf mich. 

Haben Sie mal Mr. Bean gesehen? Ungefähr so war es. So habe ich mich dann zurückgesaugt gefühlt, als ich den Song geschrieben habe, da war auch alles schwarz und absolute Leere und nur dieser eine Spot auf mich. Und es war wie in dem Moment, als ich den Song geschrieben habe in meinem Wohnzimmer. Es waren plötzlich alle Gefühle wieder da und ich habe so richtig gespürt „Wow, deshalb habe ich den Song geschrieben“ und aus keinem anderen Grund. Nicht weil ich dort sitze und gewinnen will, sondern es waren die Gefühle, aus dem es entstanden ist. 

medianet: Das ist ja das besondere an Ihrem Lied. Das heißt, dieses Gefühl kommt entweder auf die Bühne, oder es kommt nicht. 
Paenda: Ich sage immer: So einen Song kannst du nur schreiben, wenn du es wirklich erlebt hast. Ansonsten geht das nicht. 

medianet: Wie schaffen Sie es, immer diese Emotion auf dem Punkt auf der Bühne dann zu reproduzieren? Wie schaffen Sie es, sich da wieder hineinzuversetzen?
Paenda: Das Lustige ist, dass ich in dem Moment nicht das Gefühl habe, dass ich irgendetwas dazu beitragen muss, dass es so ist.  Das ist einfach so, es hat mich einfach so zurückgeholt, ich war - ohne etwas tun zu müssen - instant wieder in der Emotion drinnen. 

medianet: Hat das auch damit zu tun, dass Sie den Song selbst geschrieben haben? Und ihn nicht jemand anderer für Sie geschrieben hat? 
Paenda: Ja, natürlich. So einen Song musst du selbst geschrieben haben oder dabei gewesen sein. Oder es muss deine Geschichte sein. Sonst funktioniert es nicht, dass du so einen Song sofort fühlst.  

medianet: Sie variieren den Song ja auf der Live-Bühne auch. Wie riskant ist das?

Paenda: Das ist egal, ich weiß ja was meine Stimme kann und was nicht (lacht). Das Schöne daran, wenn man so etwas schon so lange macht, ist ja, dass ich ganz genau weiß, wo meine stimmlichen Grenzen sind. Ich spüre das auch sofort und dann schalte ich um.

medianet: Darf man das beim Song Contest?
Paenda: Da frag ich doch niemanden. Also ich meine, ich mache keine gravierenden Änderungen, das darf man natürlich nicht, aber es ist künstlerische Freiheit. 

medianet: Ich habe es gesehen und habe mir gedacht, ok, das ist ja ganz anders.
Paenda: Ja, der Mittelteil ist anders. Aber einfach auch deshalb, weil ich jemand bin, der live auch gerne ein bisschen Gas gibt dann. Als ich den Song die ersten Male geprobt habe, habe ich gemerkt, dass ich schon mehr tun möchte. Ich habe das Gefühl, dass dann so viele Emotionen hochkommen und da passt das Ruhige dann eigentlich nicht. Das hat in der Ruhe, in dem Recording-Setting gepasst, aber dann auf der Bühne habe ich das Gefühl gehabt, dass sich das  so richtig zuspitzt. Und mit dem Chor konnte ich das dann auch besser so umsetzen.

medianet: Wie viele singen denn im Chor bei Ihnen?
Paenda: Drei.

medianet: Die kommen ja nicht auf die Bühne.
Paenda: Die sind auf der Bühne, aber sie stehen hinten, also man sieht sie quasi nicht. Man hat sie auch nicht sehr gut gehört, ich habe jetzt noch einmal bemängelt, dass sie lauter sein müssen.

medianet: Kommen wir zur Inszenierung, so wie sie ist: Wie weit ist das Ihre Idee, wie weit hat Marvin Dietmann, der Stage Director ist, sich eingebracht? 
Paenda: Das erste Wort habe immer ich gehabt. Das war immer allen Beteiligten klar - aber unausgesprochen. Sie haben alle sehr viel Respekt vor mir als Künstlerin. Also nicht so, dass sie mir zu Füßen liegen, sondern weil sie verstehen, dass das mein Herzensprojekt ist und ich mir bei allem, was ich mache, etwas denke. Also es gibt keinen Moment bei Paenda, wo ich vorher nicht drüber nachgedacht hätte, was ich hier jetzt eigentlich gerade tue und ob das Sinn ergibt. Aber die Zusammenarbeit mit  Marvin war super. Kathrin Zechner hat mir auch immer wieder Tipps gegeben, aber in Wirklichkeit waren es Marvin, Kerstin und ich. Und das Schöne war, dass am Ende eigentlich jeder immer dieselbe Vision gehabt hat. Es ist natürlich zwischendurch ein bisschen abgewichen, aber es war grundsätzlich immer sehr nahe beieinander alles, das heißt, wir haben nicht wirklich über irgendetwas diskutieren müssen. Es war sehr klar, wo das hinlaufen soll, was sozusagen das Grundding ist, und der Rest hat sich darauf begrenzt, Ideen zu sammeln, also z.B. wo wir noch ein Licht machen könnten. Was es sein soll, war für uns alle drei immer klar. 

medianet: Weil du die ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner angesprochen hast: Wie  funktioniert die Zusammenarbeit mit dem ORF und auch die Unterstützung durch den Sender?
Paenda: Super. Ich kann nur immer wieder sagen, das Commitment das sie da von sich gegeben hat war offensichtlich wirklich ernst gemeint. Und mir ist freie Hand gelassen worden. Also das war so „tu, was du tust, wir geben Inputs, du hast das letzte Wort“. Natürlich ist es eine Zusammenarbeit, eine Kooperation. Aber es ist eben tatsächlich eine Kooperation. Also wenn wir gesagt haben nein, dann war nein. Da hat uns auch keiner dann irgendwie hinterrücks etwas reingewürgt. (fej)

 

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