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Offener Brief des Frauennetzwerks Medien zur Frauenquote – und die Antworten der Parteien © APA/Verena Moser

Meri Disoski.

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Meri Disoski.

Redaktion 09.03.2021

Offener Brief des Frauennetzwerks Medien zur Frauenquote – und die Antworten der Parteien

SPÖ unterstützt Quote, FPÖ ist gegen „Quotenzwänge“. ÖVP, Grüne und Neos wollen sich austauschen.

WIEN. In einem offenen Brief am 1. März 2021 hat der Vorstand des Frauennetzwerk Medien den Zuspruch von mehr als 100 Journalisten, Medienfrauen und -männern bei der Kampagne #ReframingQuotenfrau zum Anlass genommen, um an die Frauen- und Mediensprecher aller Parlamentsparteien und die Verantwortlichen der Bundesregierung zu appellieren, Folgendes umzusetzen:

· Gesetzlich festgelegte und verbindliche Frauenquoten von 50% auf allen Führungsebenen von Medienunternehmen (Ressortleitungen, Chefredaktionen, Direktionen, Management, Vorstände und Aufsichtsräte); diese Quote lässt sich im Journalistengesetz verankern.

· Verbindliche Zeitrahmen und Frauenförder-Pläne, mit klaren und transparenten Schritten, um die 50% zu erreichen.

· Veröffentlichung eines jährlichen Monitoringberichts zu den Frauenanteilen auf allen Ebenen.

· Benefits für messbar herausragende Bemühungen und Sanktionen für jene Medienunternehmen, die sich nicht um mehr Frauen in ihrem Unternehmen bemühen. Beides lässt sich im Rahmen der Medienförderung umsetzen und im Gesetz BVG Medienkooperation und Medienförderung verankern.

ÖVP, Grüne, SPÖ, FPÖ und NEOS haben dem Frauennetzwerk Medien vor dem Frauentag geantwortet: ÖVP-Frauenministerin Susanne Raab nimmt die Einladung zum persönlichen Gespräch an „denn im Hinblick auf die Gleichstellung von Männern und Frauen ist es mir besonders wichtig, dass Frauen in entscheidenden Positionen und Gremien genauso vertreten sind wie Männer.“ Nach der Frauenquote in der "ZIB 2 am Sonntag" gefragt, antwortete die Frauenministerin, die sich bisher immer gegen eine Quote ausgesprochen hat: „Ich mag nur einfach nicht, wenn die Frauenpolitik ständig auf diese Quotenfrage reduziert wird.“ Ihr Fokus liege darauf, wie man reale Veränderungen für die Frauen in Österreich bewegen kann. Das Frauennetzwerk Medien steht für einen Austausch darüber, wie die Regierung dem 50%igen Frauenanteil in der Gesellschaft auch in den Medien zum Durchbruch verhelfen will, jedenfalls zur Verfügung.

SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek und SPÖ-Mediensprecher Thomas Drozda bedanken sich für die Übermittlung der „wichtigen Forderung des Frauennetzwerks Medien nach einer Frauenquote von 50 Prozent. Dieses Anliegen liegt auch uns Sozialdemokraten am Herzen. Denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Quoten notwendig und sinnvoll sind, um Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen. Das gilt auch besonders für die Medienbranche. Wir wissen, dass es sehr viel Mut braucht, diese Forderung in einer so von Männern dominierten Branche zu stellen.“ 

FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker richtet in ihrer Antwort unter anderem aus: „Mit Quoten werden die Probleme der Frauen in Österreich sicherlich nicht lösen zu sein. Diese Forderung grenzt schon fast an Zynismus, denn in Wahrheit gibt es viel zu viele wirklich vordringliche und wichtige Themen in der Frauenpolitik, von denen wir schon viel zu lange wissen, darüber reden und diskutieren: Schließen der Lohnschere, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt, Bekämpfen von Frauenarmut, soziale Sicherheit auch im Alter, um nur einige dringliche Probleme zu nennen. Da gehört nun endlich gehandelt, die nötigen Maßnahmen müssen gesetzt werden. Frauenpolitik ist eines mit Sicherheit nicht: Eine Quotenfrage.“

Das Frauennetzwerk Medien richtet der FPÖ aus, dass Frauenquoten keine „Quotenzwänge“, sondern ein bewährtes Mittel dafür sind, dass Frauen mit gleicher und besserer Qualifikation mit Quoten die gläserne Decke durchbrechen. Mit den vom Netzwerk geforderten Frauenförderung führt eine 50%ige Frauenquote zu mehr Gleichstellung am Arbeitsmarkt und höheren Einkommen. Sie ist damit ein Teil der Lösung der genannten Probleme.

Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen, und Henrike Brandstötter, Frauensprecherin der Neos, sind an einem Austausch über die Forderungen interessiert. Beide teilen das „Anliegen von Geschlechterparität und mehr Diversität in den Medien“, wie das Brandstötter formuliert. (red)

Der vollständige Brief: www.frauennetzwerk.at/reframingquotenfrau

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