MARKETING & MEDIA
ORF-Wahl: Stiftungsräte loben Bewerbungskonzepte © APA/Georg Hochmuth
© APA/Georg Hochmuth

Redaktion 04.08.2021

ORF-Wahl: Stiftungsräte loben Bewerbungskonzepte

Auf einzelne Kandidaten festlegen wollte sich noch niemand, wie ein Rundruf der APA ergab.

WIEN. Die "Freundeskreisleiter" im Stiftungsrat loben im Großen und Ganzen die eingelangten Konzepte der wichtigsten Bewerberinnen und Bewerber für den ORF-Generaldirektorenposten. Auf einzelne Kandidaten festlegen wollte sich noch niemand, wie ein Rundruf der APA ergab. Nur SPÖ-"Freundeskreisleiter" Heinz Lederer machte eine Präferenz für den amtierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz deutlich. Dieser habe das "konziseste" Konzept. Bei vielen anderen sieht er "Windschattenfahren".

Lederer fordert klare Distanzierung von Politik
"Das Konzept des derzeitigen Generaldirektors ist am qualitativ nachhaltigsten", meinte Lederer. Daran seien von den anderen teils "wirklich große Anleihen" genommen. Das Konzept von ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann sei ordentlich ausgearbeitet, um ihn Wrabetz gegenüber zu präferieren, müssten inhaltliche Unterschiede aber über "Ich entscheide schneller" hinausgehen, so Lederer. Zudem fordert er von Weißmann eine klare Distanzierung von politischen Entscheidungsträgern: "Wenn der Kanzlerbeauftragte für Medien, Gerald Fleischmann (ÖVP), Gast in bürgerlichen Freundeskreissitzungen ist, würde ich schon erwarten, dass er sich klarer distanziert." Generell betonte er, dass Veränderung und Macht Kontrolle brauchen würden.

ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer attestiert Lederer ein ambitioniertes Konzept, sie solle aber offen legen, wen sie als Infodirektor sowie als Generalsekretär vorsieht und welche Kompetenzen diese hätten. Die Überlegungen von Thomas Prantner, Technik-Vizedirektor im ORF, erachtet er als zu "unausgegoren". "Eine Reduktion der Direktionen führt wohl auch zu einer Reduktion der Mitarbeiter. Er muss erklären, wie er sich das vorstellt", so Lederer.

„Werden uns noch Zeit nehmen“
Lothar Lockl, der für den Grünen nahestehende Stiftungsräte spricht, sieht "gute Überlegungen" gegeben. "Wir werden uns noch Zeit nehmen, alle Konzepte eingehend zu studieren", kündigte er an. Insgesamt müsse es um die Stärkung der Unabhängigkeit des ORF im Zeitalter digitaler Plattformen und Fake-News gehen. "Man darf aber nicht vergessen, dass insgesamt viel vom Führungsteam abhängt", betonte Lockl. Dieses müsse ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis und Persönlichkeiten mit Leadershipqualitäten aufweisen. Dem Vernehmen nach könnten die Grünen bei einer Unterstützung des ÖVP-Wunschkandidaten Weißmann mit ein bis zwei Direktorinnen- oder Direktorenposten rechnen, was Lockl dementierte.

Auf die von Totzauer geplante Informationsdirektion angesprochen, wollte Lockl keine Bewertung abgeben. "Die einzelnen Kanäle werden immer stärker verschmelzen. Die Frage ist, ab wann sich dann auch die Strukturen entsprechend ändern oder anpassen müssen", meinte Lockl. Wrabetz und Weißmann setzen beispielsweise weiterhin auf eine Radio- bzw. Audiodirektion, wobei letzterer aber eine Anpassung der Struktur nach unbestimmter Zeit in den Raum gestellt hat.

„Sehr annehmbare Konzepte“
Barbara Nepp, die für FPÖ-nahe Stiftungsräte spricht, sah bei Weißmann, Totzauer und Prantner "sehr annehmbare Konzepte", wobei sie auch Wrabetz noch nicht ausschließen wolle. Nepp wurde vom Publikumsrat in den Stiftungsrat entsandt. Dieser werde zu Unrecht gerne übersehen. "Auch in den Konzepten kommt der Publikumsrat zu kurz", monierte sie und kündigte an, einen diesbezüglichen Fragenkatalog an die Bewerberinnen und Bewerber vorzubereiten. Auf politische Deals lege sie keinen Wert. "Mir ist wichtig, dass der beste Kandidat gewinnt", betonte Nepp.

Der bürgerliche "Freundeskreisleiter", Thomas Zach, wollte sich nicht näher zu den Konzepten äußern: "Ich werde nicht jede Etappe kommentieren. Der Prozess ist klar definiert und dem werden wir folgen." Dieser sieht vor, dass bis Dienstag um 12 Uhr Mitglieder des Stiftungsrats die Möglichkeit haben, weitere Personen für die Generaldirektorenwahl nachzunominieren. Bis Freitag um 12 Uhr müssen Bewerber für das nicht-öffentliche Hearing am Tag der Wahl von mindestens einem Stiftungsrat eingeladen werden. Ob es Nachnominierungen vonseiten des bürgerlichen "Freundeskreises" geben werde und wer zum Hearing eingeladen wird, ließ Zach offen.

Hearing-Einladungen
Vonseiten des SPÖ-"Freundeskreises" und der den Grünen nahestehenden Stiftungsräte sind keine Nachnominierungen zu erwarten, wie Lederer bzw. Lockl sagten. Auch der FPÖ-"Freundeskreis" werde "eher nicht" nachnominieren, so Nepp. Für das nicht-öffentliche Hearing werden die FPÖ-nahen Räte aller Voraussicht nach Totzauer, Prantner, Weißmann und Wrabetz einladen. Lederer erklärte, dass der Diskussionsprozess in seinem "Freundeskreis" noch nicht abgeschlossen sei, aber tendenziell werde man auch die eben genannten vier Kandidaten einladen. Lockl wollte sich noch nicht festlegen, aber "sicher macht es Sinn, diejenigen mit entsprechender Qualifikation für den Posten auch einzuladen".

Weitere Stimmen zur Wahl
Die Kanzlerpartei kommt mit bürgerlichen und diesen nahestehenden unabhängigen Stiftungsräten auf eine Mehrheit im obersten 35-köpfigen ORF-Gremium. Die Anzahl jener Mediensprecher der Parlamentsparteien, die sich angesichts dessen zumindest eine Änderung der Stiftungsratsstruktur vorstellen können, wächst weiter an. "Durch das derzeitige System ist der Stiftungsrat de facto eine Spielwiese der Bundesregierung und momentan durch den Überhang an ÖVP-Stimmen ein reines Sammelbecken für Parteigänger der Volkspartei. Das soll in Zukunft anders werden", sagte Christian Hafenecker, Mediensprecher der FPÖ, am Montag im Interview mit der "Kleinen Zeitung" und plädierte zudem für eine Abschaffung der ORF-Gebühren sowie ein Ende der Amtszeit von Wrabetz.

Als beste Kandidatin hat der Österreichische Journalistinnenkongress, der jährlich die Auszeichnung der Goldenen Medienlöwin verleiht und einen Kongress als Treffpunkt für Medienfrauen abhält, jedenfalls Totzauer identifiziert. "Die Beirätinnen des Journalistinnenkongresses sind davon überzeugt, dass Lisa Totzauer alle Fähigkeiten mitbringt, die es für diese Top-Management-Position braucht: Kompetenz - journalistisch wie kaufmännisch -, Teamfähigkeit, Verhandlungsgeschick und ein starkes Rückgrat", hieß es in einer Aussendung. (APA/red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL