Rote Nasen Sommercircus baut Brücken© Elke Schwarzinger elffotografie
MARKETING & MEDIA Redaktion 28.07.2023

Rote Nasen Sommercircus baut Brücken

24 Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen waren beim Zirkusworkshop in Ledenitzen in Kärnten begeistert dabei.

WIEN. Seit 2017 schlägt der Rote Nasen Sommercircus nun bereits im Juli und August österreichweit seine Zelte auf, um gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen ihre ganz persönliche Zirkusshow zu erarbeiten und auf die Bühne zu bringen. Das Einzigartige: Mit dabei sind sowohl Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung, als auch junge Teilnehmer aus der jeweiligen Region. Durch das gemeinsame Einstudieren und Proben von Jonglage, Zauberei und Clownerie ergibt sich ein stärkendes Miteinander – kulturelle Besonderheiten werden ausgetauscht, sprachliche Barrieren mit Hilfe aller Teilnehmer überwunden.

In Ledenitzen hieß es unlängst zum zweiten Mal in Folge „Manege frei“: In Kooperation mit dem Wohnausprojekt „Live Together“, auf dem das Zirkuszelt seinen Platz fand, und der Bundesbetreuungseinrichtung Finkenstein, tauchten sieben Rote Nasen Clowns fünf Tage lang gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan, Afrika, Österreich und Deutschland in die Zirkuswelt ein.

„Der Zirkus bedient viele Ebenen gleichzeitig und bietet für alle eine Möglichkeit sich einzubringen. Musik, Akrobatik, gruppendynamische Übungen oder auch Arbeit in Kleingruppen, die Kinder suchen sich aus, was ihnen am meisten Spaß macht. Jede/r einzelne bringt großartige, individuelle Talente mit, darauf gehen wir ein und machen den Kindern Mut, zu zeigen wer sie sind und was sie können“, beschreibt Marlies Franz, die Koordinatorin der Emergency Smile Projekte* in Kärnten, die Arbeit beim Sommercircus.

Im Mittelpunkt des bunten Treibens stehen die Freude und der Zusammenhalt. Die jungen Artist merken, dass sie alle etwas dazu beitragen können, dass die Zirkusshow gelingt. Am Ende jedes Workshoptages gibt es bereits einen kleinen Auftritt: „So gewinnen die Kinder Selbstvertrauen, fühlen sich wertgeschätzt und verlieren die Scheu sich zu präsentieren“, so Franz.

12 Teilnehmer des Sommercircus in Ledenitzen kamen aus dem Wohnprojekt „Live Together“, 12 weitere waren unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, die in der Bundesbetreuuungseinrichtung Finkenstein leben. Sie sind allein nach Österreich gekommen, haben teilweise keine Familien mehr und sind von ihrem langen Fluchtweg körperlich sowie psychisch schwer gezeichnet: „Die Jugendlichen tauschen sich natürlich über ihre schweren Schicksale untereinander aus und teilen viele negative, belastende Erfahrungen. Mit der gemeinsamen Zirkusarbeit möchten wir ihnen Lichtpunkte schenken, Positives und Erfreuliches, das sie als Team erleben und worauf sie sich ab sofort beziehen können. Die Teilnahme an einem Projekt gibt den Jugendlichen auch Halt und bietet ihnen Struktur und einen geregelten Tagesablauf“, so Marlies Franz über den wichtigen sozialen Aspekt des Rote Nasen Sommercircus.

Manege frei für Lachen und Lebensfreude
Im Laufe der arbeitsreichen Workshopwoche wuchsen die 24 Nachwuchsstars immer mehr zusammen und standen dann als Gruppe im Rampenlicht: Mit Unterstützung der Rote Nasen Clowns führten sie als Finale eine Zirkusshow für ein ausgewähltes Publikum von Freund, Betreuer und Angehörigen auf.

„Die harte Arbeit hat sich gelohnt, denn alle Kinder sind mit einem Lächeln auf der Bühne gestanden und waren zu Recht stolz auf ihre Leistung. Auch für uns als Zirkusteam war dieser Moment sehr berührend und motivierend. Wir haben wieder gesehen, dass es möglich ist, die Kinder in eine magische Welt eintauchen zu lassen und ihnen allen eines mitzugeben: Sie sind wertvoll, egal welche Sprache sie sprechen und woher sie kommen. Sie können sich gegenseitig helfen und bestärken und so sprachliche, kulturelle und gesellschaftliche Grenzen überwinden“, freut sich die langjährige Rote Nasen Clownin über den Erfolg des Projekts.

„Unsere Klienten sind jeden Tag mit großer Freude zum Sommercircus gegangen und haben mir das Erlernte dann bereits in der Mittagspause vorgeführt. Auch wenn wir intern versuchen eine Tagesstruktur zu vermitteln, in dieser Woche war das nochmals etwas ganz anderes, da die Jugendlichen täglich einen „Termin“ hatten und das Projekt ihnen großen Spaß gemacht hat. Besonders schön war es zu sehen, wie glücklich, unbeschwert und stolz sie bei der Aufführung waren. Man hat gemerkt, welch ein Geschenk ihnen damit gemacht wurde, kontinuierlich an etwas Bestimmtem zu arbeiten und dann die Erfolgserlebnisse zu sehen. Ein großes Danke dafür an die Clowns und Clowninnen, es ist eine tolle Zusammenarbeit“, bestätigt Gabriela Nikoghosyan, die Leiterin der Bundesbetreuungseinrichtung Finkenstein, die positive Wirkung des Rote Nasen Sommercircus.

Besonderer Dank für die gute Kooperation gilt dem Wohnhausprojekt „Live Together“, der BBE Finkenstein sowie dem Kärntner Circus Dimitri, der dem Rote Nasen Sommercircus stehts mit Equipment und Reparaturhilfe zur Seite steht!

Bereits Mitte August gibt es eine zweite Rote Nasen Sommercircus Woche – und zwar in Fehring in der Steiermark. Dort werden Kinder aus der Umgebung gemeinsam mit ukrainischen Flüchtlingen Zirkusluft schnuppern und ihre Talente vor den Vorhang holen.

Emergency Smile & Sommercircus
In ganz Österreich besuchen Rote Nasen Clowns seit 2015 im Rahmen von „Emergency Smile“ Einrichtungen für geflüchtete Menschen. Wo Hilfsorganisationen Erste Hilfe im medizinischen und sozialen Bereich leisten, kümmern sich Rote Nasen Clowns um die Erste Hilfe für die Seele. Dabei ist das Eis schnell gebrochen. Meist sind es Kinder, die den ersten, neugierigen Schritt auf die Clowns zugehen und schon bald mit Begeisterung mitmachen. Dabei spielen sprachliche Barrieren keine Rolle. Der Rote Nasen Sommercircus ist ein Sonderprojekt, bei dem geflüchtete Kinder und Jugendliche gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen aus der Region über mehrere Tage hinweg eine Zirkusshow erarbeiten.

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