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Social Media & Fake News: Herausforderungen für Öffentlich-rechtliche © Departement für Europapolitik und Demokratieforschung

Ulrike Guerot

© Departement für Europapolitik und Demokratieforschung

Ulrike Guerot

Redaktion 16.05.2019

Social Media & Fake News: Herausforderungen für Öffentlich-rechtliche

Konkurrenz durch Google und Facebook - Expertin: Größtes Manko ist Fehlen öffentlich-rechtlicher Anstalten im Internet; neuer ORF Public-Value-Bericht präsentiert.

WIEN.  Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich, aber auch in ganz Europa, ist mit zwei großen Herausforderungen konfrontiert: Die Konkurrenz durch Plattformen wie Google und Facebook einerseits sowie die dortige Präsenz von Fake News und rechtspopulistischen Inhalten andererseits. Wie man diesen beiden Aspekten, die oft zu einem Verlust an Reichweite führen, begegnen kann, stand im Zentrum einer Debatte über die Rolle und Zukunft des europäischen, öffentlich-rechtlichen Rundfunks am Mittwochabend im ORF Radiokulturhaus in Wien.

Mit Fake News und rechtspopulistischen Inhalten hätten nicht nur Qualitätsmedien, sondern auch viele Parteien im EU-Wahlkampf zu kämpfen, sagte die deutsche Politikwissenschaftlerin Ulrike Guerot vom European Democracy Lab. "85 Prozent aller Posts, die mit der EU zu tun haben, haben AfD-Hintergrund", so Guerot.

Für den finnische Medienexperte Atte Jääskeläinen liegt das mitunter daran, dass die Menschen ihr Leben und ihre Kultur nicht in den Medien widergespiegelt sehen. Der Rundfunk müsse es daher schaffen, wieder repräsentativer zu werden, so Jääskeläinen, der kürzlich für die European Broadcasting Union (EBU) einen Bericht zum Status Quo der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa verfasst hat.

Auch Maria Mayrhofer von der Initiative #aufstehn sieht den Schlüssel darin, die Bevölkerung dort zu erreichen, wo sie sich aufhält. Das Problem sei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Netzwerken wie Facebook noch nicht angekommen sei. "Es gibt sehr viele, die viel erfolgreicher und stärker darin sind, Falschmeldungen zu verbreiten, die gut und für dieses Medium adäquat aufbereitet sind und eine Grundlage für eine Mobilisierung am rechten Rand bieten. Uns hingegen fehlen oft gut aufbereitete Informationen, die man verwenden kann."

Das Manko sei das Fehlen öffentlich-rechtlicher Anstalten im Internet, so Guerot. Demgegenüber steht die Idee der "Plattform Europa", einer gemeinsamen digitalen Plattform unter anderem der öffentlich-rechtlichen Sender Europas. Diese Idee wird auch im neuesten Public-Value-Bericht des ORF, der im Zuge der Diskussion am Mittwochabend vorgestellt wurde, thematisiert. Damit soll ein Gegengewicht zu den amerikanischen Giganten gesetzt und Qualitätsjournalismus europaweit zugänglich gemacht werden.

Jääskeläinen glaubt allerdings nicht an den Erfolg einer solchen Plattform. Laut dem Experten der LUT Universität Finnland wäre es extrem schwierig, in Konkurrenz zu den anderen "global players" und deren sehr hohen Werbeausgaben zu treten. Keine europäische Regierung könne das leisten. Eben deshalb finde er aber Restriktionen wie in Österreich "idiotisch". "Natürlich sollte der öffentlich-rechtliche Sender alle verfügbaren Möglichkeiten ausschöpfen können, um die Menschen zu erreichen, um eine moderne Arena für politische Diskussionen zu schaffen und Qualitätsinhalte zu verbreiten." Die derzeitige gesetzliche Regelung in Österreich sieht vor, dass der ORF seine Inhalte nur sieben Tage lang in der TVThek zeigen darf. Ausnahmen gelten etwa für Inhalte, die für den Schulunterricht geeignet sind.

Der Public-Value-Bericht mit dem Titel "Der Auftrag 2019 - für Europa", soll belegen, wie der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt. Die erste diesjährige Ausgabe erschien im Jänner unter dem Titel "Der Auftrag - für Österreich". Der nun vorliegende zweite Report beschäftigt sich hingegen mit den Leistungen, Zielen und Herausforderungen des Senders in Richtung Europa. (red)

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