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Unpackbar große Herausforderungen © Verband Druck Medien
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Redaktion 15.10.2021

Unpackbar große Herausforderungen

Der Packaging Kongress am 19. Oktober steht ganz im Zeichen der nachhaltigen Verpackung.

••• Von Britta Biron

WIEN. Verpackungen sind Schutz, Transportbehälter und Werbefläche und ein wachsender Markt für die Druckbranche. Das Auftragsvolumen für Karton- und Kunststoffverpackungen sowie Etiketten hat sich in den letzten Jahren zweistellig erhöht. Parallel zu den Verpackungs- sind aber auch die Müllmengen und die Umweltbelastung gestiegen und damit die Notwendigkeit, Verpackungen zu reduzieren bzw. nachhaltiger und umweltverträglicher zu gestalten. Die EU-Mitgliedsstaaten haben sich diesbezüglich ehrgeizige Ziele gesetzt, die auf alle Unternehmen – von Papier- und Kunststoffherstellern, über Verpackungsdesigner, Handel, Industrie und Druckereien bis zur Recycling- und Abfallbranche – große Auswirkungen haben.

EU-Vorgaben

„Die neue Verpackungsverordnung hat nicht nur massive Auswirkungen auf die Druck- und Medienbranche, sondern auch auf Handel, Gewerbe, Logistikunternehmen und Industrie. Wir spüren hier gerade eine unheimlich starke Innovationskraft, um die Nachhaltigkeitziele zu schaffen”, erklärt Peter Sodoma, Geschäftsführer des Verbands Druck Medien, warum man heuer im Rahmen des diesjährigen Druck- und Medienkongresses erstmals einen eigenen Green Packaging-Kongress veranstaltet. „Einerseits werden Kartonalternativen für Produkte entwickelt, die früher klassisch in Kunststoff verpackt wurden, andererseits wird intensiv an recycelten und recyclingfähigen Kunststoffen und Klebstoffen gearbeitet.”

Viel Innovationskraft

Zwar gibt es schon eine Reihe von Green Packaging-Innovationen am Markt und ihre Zahl steigt kontinuierlich; um aber bis 2025 allein die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen von 50% zu erreichen – und das ist nur ein Teilbereich der neuen Verpackungsverordnung – noch zu wenige.

„Laut Untersuchungen unseres Institutes ist ein Drittel der am Markt befindlichen Kunststoffverpackungen noch nicht ausreichend recyclingfähig und muss redesigned werden”, erklärt Manfred Tacker, Gründer und Leiter des Studiengangs Verpackungstechnologie am FH Campus Wien, Geschäftsführer der Circular Analytics TK GmbH und einer der Referenten am Packaging Kongress. „Verpackungsoptimierung ist ein komplexer Vorgang, da immer wieder Zielkonflikte auftreten, etwa zwischen Produktschutz und Recyclierbarkeit oder Carbonfootprint. In dieser Hinsicht gibt es keine allgemeingültige beste Lösung, alle Verpackungsmaterialien haben ihre Berechtigung und ihre spezifischen Vor- und Nachteile.” Es sei jedoch möglich, Best Practice-Lösungen für jede Produktgruppe darzustellen.
Mit den Circular Packaging Guidelines, an deren Erstellung Tacker und sein Team maßgeblich mitgewirkt haben, stehen auch schon die notwendigen Industriestandards – allerdings auf freiwilliger Basis – zur Verfügung.

Hohe Komplexität

Aber die Recyclingfähigkeit ist nur ein Faktor für die Nachhaltigkeit.

„Man muss die Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus betrachten”, sagt Tacker. „Die Umstellung einer Verpackung, die zwar eine niedrige Recyclingfähigkeit aufweist, deren Carbonfootprint aber niedrig ist, auf eine Verpackung, die besser recyclingfähig ist, aber weit höheren Carbonfootprint aufweist, ist nicht nachhaltig.”
Das Packaging Cockpit, entwickelt von FH Campus Wien, Circular Analytics und dem Softwareunternehmen MCP, ist ein neues Online-Tool, mit dem vollautomatisch Recyclingfähigkeit und Lebenszyklusanalyse von Verpackungen berechnet und Verpackungsdaten zwischen Unternehmen ausgetauscht werden können.
Sodoma freut sich über das große Interesse am Packaging Kongress. Die 100 Karten für den Präsenz-Event gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, aber natürlich sei auch eine Online-Teilnahme möglich.

Fachliches Know-how

Wie wichtig das Thema nachhaltige Verpackung ist, zeigt sich auch an der hohen Nachfrage nach Weiterbildung in diesem Sektor: Seit dem Wintersemester 2020/21 haben bereits 150 Personen an der Campus Wien Academy die Circular Packaging-Seminare absolviert und ab Dezember wird das Programm um eine Seminarreihe für Quereinsteiger, z.B. aus den Bereichen Einkauf, Vertrieb, Produktmanagement, Logistik/oder Qualitätssicherung, erweitert.

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