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Wenig Bock auf den privaten Pkw © Bolt

Farhad Shikhaliyev

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Farhad Shikhaliyev

Redaktion 10.06.2022

Wenig Bock auf den privaten Pkw

Für das Mobilitätsverständnis der jungen Städter spielt das Auto eine immer unwichtigere Rolle.

Gastkommentar ••• Von Farhad Shikhaliyev

WIEN. Das Mobilitätsverständnis der 18- bis 23-Jährigen sorgt dafür, dass künftig völlig neue Wege beschritten werden müssen. Das private Auto ist für die Gen Z kein Statussymbol mehr und es bedeutet nicht mehr Freiheit, wie die aktuelle „Mobility Zeitgeist Studie” von Ford zeigt.

Jungen Menschen ist der Betrieb eines eigenen Pkw zu teuer oder Autofahren schlicht zu stressig. 42% besitzen gar kein Auto und benutzen stattdessen öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder geteilte Mobilitätsangebote.

Mobilität wandelt sich …

Mehr als ein Fünftel (22%) der Befragten verzichten aus Umweltgründen auf ein Auto. Diesel- sowie Benzinmotoren werden als Antrieb für die Zukunft abgelehnt.

Das erschwert es den Marketern einzelne Automarken zu bewerben, geschweige denn solche mit fossilem Antrieb.
Ganz anders sieht es bei der Gen Z in den Regionen aus. Während nur 46% der befragten Städter ein Auto besitzen, sind es am Land noch 71%.

Nicht umsonst ist die Behebung der Mobilitätsdefizite im ländlichen Raum einer der meist geforderten Verbesserungsvorschläge in der Studie. Freiheit verheißt für die jungen Menschen nun Mobilität, nicht mehr das Auto. Und die darf nur wenig kosten. Das Auto ist jetzt eine Mobilitätsmöglichkeit von vielen, die sich nahtlos mit den anderen verbinden soll. Diese Haltung der Gen Z korreliert auch mit aktueller Stadtplanung.

… von autozentriert …

„Der Straßen- und Parkraum für Autos wird reduziert, Radwege und Gehsteige werden ausgebaut und mit dem öffentlichen Verkehr priorisiert”, sagt Mobilitätsexperte Stefan Carsten vom Zukunftsinstitut. Prototypisch für diese Entwicklung steht Paris als „15-Minuten-Stadt”: Die täglichen Aktivitäten sollen alle innerhalb von 15 min des Zufußgehens oder Radfahrens erledigt werden können.

Bis das Realität ist, wünscht sich die Gen Z schon jetzt gut ineinandergreifende Möglichkeiten, wie man sich in der Stadt fortbewegen kann.

… zu menschenzentriert

Ob Autos, Lastenräder oder Roller: Die Pandemie hat gezeigt, dass das Angebot geteilter Mobilität vor allem räumlich ausgeweitet werden muss. Denn fast alle Mobilitätsoptionen nehmen in Richtung der urbanen Ränder wegen zu instabiler Kundennachfrage immer weiter ab.

„Die kommenden Jahre werden von einer Konsolidierung der Märkte geprägt sein, mit Geschäftsaufgaben und Übernahmen. Anschließend werden die großen Anbieter auch eine regionale Ausweitung der Dienste herbeiführen”, sagt Carsten. Erst dann werden geteilte Mobilitätsangebote ihre vollen Potenziale einer flexiblen und unabhängigen Mobilität entfalten – und den Besitz von Verkehrsmitteln immer weniger relevant erscheinen lassen. Marketing ist gefordert, diesen Wandel zu verstehen und zu fördern.

Farhad Shikhaliyev ist der österreichische Country Manager der Mobilitätsplattform Bolt.

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