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Werbebranche blickt optimistisch in die Zukunft © communication matters

Konrad Maric, Stv. Fachgruppenobmann, Reinhard Raml, Geschäftsführer Ifes – Institut für empirische Sozialforschung.

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Konrad Maric, Stv. Fachgruppenobmann, Reinhard Raml, Geschäftsführer Ifes – Institut für empirische Sozialforschung.

Redaktion 18.02.2020

Werbebranche blickt optimistisch in die Zukunft

Eine Studie zeigt, wie die Wiener Kreativ- und Kommunikationswirtschaft dasteht und wo der Schuh drückt.

WIEN. Die Wiener Kreativ- und Kommunikationsunternehmen bewerten ihre wirtschaftliche Lage besser als im Jahr 2016, als das zum letzten Fall statistisch erhoben wurde. Vor vier Jahren erachteten 37% ihre ökonomische Situation positiv, Ende 2019 waren es bereits 46%. Die gesamte Branche blickt auch positiv in die Zukunft: 67% sehen die Entwicklung der Branche optimistisch, im Vergleich zu 56% im Jahr 2016. Diese Ergebnisse gehen aus einer umfassenden Branchenstudie hervor, bei der 652 zufällig ausgewählte Wiener Unternehmen aus den Bereichen Werbung und Marktkommunikation vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Ifes befragt wurden. Beauftragt wurde die Erhebung von der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien, die sich ein Stimmungsbild unter ihren mehr als 11.000 Mitgliedern machen wollte.

Erleichterungen für Home Office
„Dass etwa zwei Drittel unserer Mitgliedsbetriebe Ein-Personen-Unternehmen sind, nahezu die Hälfte zuhause arbeitet, aber auch immer mehr im Coworking Space, sagt viel über Veränderungen in der Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts aus“, stellt Fachgruppenobmann Marco Schreuder bei einem Pressegespräch mit Fachmedien letzten Freitag beeindruckt fest. Aus diesen leitet Schreuder interessenspolitischen Handlungsbedarf ab: „Umso besser, dass etwa die leichtere steuerliche Absetzbarkeit von Home Office im Regierungsprogramm verankert wurde“, das der Fachgruppenobmann selbst mitverhandelte.

EPU würden vor allem auch durch den niedrigeren Eingangssteuersatz im Zuge der Steuerreform profitieren. Die Senkung der Körperschaftssteuer von 25% auf 21% werde alle Unternehmen maßgeblich entlasten, bekräftige Schreuder. Ein Ziel des Fachgruppenobmanns ist es, dass Branchenmitglieder künftig Auftragsspitzen steuerlich auf mehrere Jahre aufteilen können, wie das bei Kunstschaffenden schon der Fall sei.

Branche ist wissensdurstig
„Die Studie bestätigt, dass unser Bildungs- und Serviceangebot, die Veranstaltungen und Workshops gut angenommen werden. Wir sehen das auch in der Praxis: Die Seminare sind allesamt vollkommen überbucht. Das spricht für die erfolgreiche Neuausrichtung des Kerngeschäfts der Fachgruppe seit Anbeginn der letzten Legislaturperiode. Wir setzen auf nützliches Wissen, konzentrieren uns auf die echten Probleme unserer Mitglieder und haben unser Angebot in diesem Bereich verdichtet“, schlussfolgert Studienprojektleiter und Stellvertretender Obmann der Fachgruppe Konrad Maric. „Mit unseren Veranstaltungsformaten wollen wir unsere Mitgliedsbetriebe aber auch in Sachen Vernetzung unterstützen, und gemäß dem Motto ‚Helping Your Business‘ unterstützen“, fügt Maric hinzu.

Kritik an öffentlicher Auftragsvergabe
Dass 58% der Befragten noch nie an öffentlichen Ausschreibungen teilgenommen haben und viele Unternehmen negative Erfahrungen damit gemacht haben, sei vor allem ein Auftrag an Politik und an die Auftraggeberseite, die Möglichkeit der Teilnahme einfacher, transparenter und weniger aufwändig zu machen, forderte Maric. „Wenn in einer Ausschreibung 30 Seiten zu rechtlichen Belangen stehen und nur drei Seiten zum Inhalt, dann läuft da etwas falsch“, kritisiert der Stellvertretende Obmann.

„Es geht ja schließlich nicht darum, die schönste und teuerste Ausschreibung eines Juristen zu bekommen, sondern darum, die schönste Arbeit oder Kampagne und einen kreativen und innovativen Kommunikationspartner zu finden. Das ist aber nicht möglich, wenn sehr viele Betriebe gar nicht mehr bereit sind mitzumachen, weil sich der Aufwand nicht lohnt“, so Maric. Gelockerte Bedingungen und weniger Bürokratie für kleinere Etats würden dazu beitragen, dass sich auch kleinere Unternehmen wieder an Ausschreibungen beteiligen, so Maric und Schreuder unisono.

Situation und Unterstützung für Unternehmer Ü50
„Mein Vater war Tischlermeister. Der ist mit 70 noch in der Tischlerei gestanden und die Lehrlinge haben ihn um seinen technischen Rat gefragt. Bei uns in der Kommunikationswirtschaft ist das umgekehrt: Da fragen die Älteren die Jüngeren, wie etwas funktioniert“, stellt Maric fest. „In so einer jungen, sich irrsinnig rasant entwickelnden Branche ist es gar nicht leicht, bei all den Trends mitzuhalten. Viele langjährige Unternehmerinnen und Unternehmer, oftmals Einzelkämpfer, sind daher gefordert, ihr Geschäftsmodell anzupassen. Die Einkommenssituation im Alter stellt sich zudem problematisch dar“, so Maric. „Lange hat man hat nicht auf Ältere geschaut. Es ist an der Zeit, auch Unternehmerinnen und Unternehmer in späteren Jahren zu fördern und ihre Probleme zu artikulieren. Und das werde ich in Zukunft tun. Der Wifi-Potenzialcheck für Ü50 ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung Chancen durch neue Geschäftsmodelle“, kündigt der Obmannstellvertreter an.

Pflege für EPU besonders herausfordernd
Als Herausforderung für die Zukunft nannte Fachgruppenobmann Schreuder vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die für etwa die Hälfte der befragten UnternehmerInnen ein gewisses Thema ist. „Der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze ist hier das Gebot der Stunde. Wien ist da auf einem guten Weg. Aber gerade in den Ferienzeiten, und da vor allem im Sommer, muss das Angebot größer werden“, so Schreuder. Das oft vernachlässigte Thema Pflege spiele auch eine große Rolle: „Wenn man 50 plus ist und auf einmal pflegebedürftige Eltern hat, ist man gerade als EPU oder Kleinstunternehmer in einer schwierigen Lage. Da ist die Vereinbarkeit noch längst nicht gegeben“, merkte der Fachgruppenobmann an. Die Annahme, als Selbstständiger würde man sich da leichter tun, weil man sich die Zeit selbst einteilen könne, sei ein Trugschluss – was die Branchenstudie auch bestätige, in der ein Vergleich mit Unselbstständigen gezogen wurde.

Künstliche Intelligenz: Mehr Chance als Gefahr
Veränderungen der Arbeit durch Artificial Intelligence (AI) und Digitalisierung sehen die meisten Befragten als die größte Herausforderung für die Branche. Die Mehrheit der Mitglieder sieht AI optimistisch und bei jüngeren Befragten ist der positiv gestimmt Anteil hier deutlich höher. „Wenn ich mit jüngeren Mitgliedern rede, höre ich oft: ‚Ach, der technische Fortschritt wird uns helfen. Wenn ein Logo durch Künstliche Intelligenz entsteht, dann soll mir das recht sein. Dann habe ich mehr Zeit für andere Dinge.‘ Die sind also ganz und gar nicht besorgt“, sagte Schreuder. „Beratung und Empathie werden aber sicher mehr denn je gefragt sein, wenn viele Aufgaben automatisiert ablaufen“, ist sich der Fachgruppenobmann sicher. (red)


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