MARKETING & MEDIA
Wie privat ist man auf Twitter & Co?
Dinko Fejzuli 29.06.2018

Wie privat ist man auf Twitter & Co?

Eine neue Verhaltensregel des ORF für ­Mitarbeiter im Web sorgt für Wirbel. Zu Recht?

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

WORLD WIDE WEB. Der Name sagt es schon – wer im Internet präsent ist, ist es weltweit. Es gibt ein paar Einschränkungen, etwa, wenn man in geschlossenen Gruppen ist, die nicht für jedermann und nur gegen Einladung oder unter Verwendung eines Passworts zugänglich sind.

Nun sorgt eine Richtlinie des ORF-Generaldirektors für Wirbel, denn sie besagt nichts mehr und nichts weniger, als dass sich prominente ORF-Mitarbeiter abseits ihrer ORF-Tätigkeit auch „privat” auf ihren persönlichen Twitter- oder Facebook-Accounts mit z.B. politischen Äußerungen, die in die eine oder andere Richtung gedeutet werden können, zurückhalten sollen.
Nun stellt sich die Frage: Wann hört ein ORF-Journalist auf, ein ORF-Mitarbeiter zu sein, und ab wann ist er privat? Was ist „privat” überhaupt? Zählt der eigene Twitter-Account schon dazu, oder ist man erst dann privat, wenn die eigenen Äußerungen nicht auf einen Schlag einer breiten Öffentlichkeit zugänglich werden?
In der Tat eine schwierige Frage: Fest steht, dass es natürlich problematisch ist, wenn ein ORF-Journalist heute den Politiker einer bestimmten Partei als z.B „ZiB”-Moderator interviewt und am Tag davor schon eindeutig negative Tweets über den selben Politiker abgesetzt hat. Da darf dann die notwendigen journalistische Äquidistanz sicherlich bezweifelt werden.
Fest steht aber auch, dass etwa Politik-Journalisten genau dazu da sind, das Handeln der politischen Akteure kritisch zu hinterfragen. Das ist einer der Grundzüge des Journalismus und daran darf auch nicht gerüttelt werden.

Groupie statt Kritiker

Interessant wäre übrigens noch eine andere Frager im Zusammenhang von Journalismus und Äquidistanz zu jenen, die man als vierte Macht im Staat kontrollieren soll.

Wie sind Tweets und Posts zu werten, in denen heimischen Innenpolitik-Journalisten diverser heimischer Printmedien mit Vorliebe Selfies mit dem Bundeskanzler aus der Economy-Klasse mit dazugehörigen euphorischen Texten posten?

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL

Ihr Kommentar zum Thema