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Zum Golde drängt, am Golde hängt …
Redaktion 17.09.2021

Zum Golde drängt, am Golde hängt …

Die Inflationsrate steigt und parallel dazu das Goldfieber. Philharmoniker schlägt Bitcoin.

Leitartikel ••• Von Sabine Bretschneider

KRISENFEST. Die Goldkäufe haben deutlich zugelegt. 90,5 Tonnen Gold, als Barren und Münzen, haben sich etwa unsere deutschen Nachbarn in den ersten sechs Monaten des Jahres zugelegt. Angesichts der steigenden Inflation gewinnt auch hierzulande der Philharmoniker an Reiz, lässt sich doch eine Handvoll Münzen besser verstauen als ein Sackl Bargeld. Bargeld ist überhaupt so ein Thema. Gerät man beispielsweise wegen ein paar unbedacht verschickter WhatsApp-Nachrichten in den erweiterten Dunstkreis einer Korruptionsermittlung, schaut es nicht gut aus, wenn neben dem Laptop auch noch ein Billasackerl mit Banknoten im Kinderwagerl liegt.

Klassische Sparbücher haben ausgedient, weil sie, erstens, keine Zinsen bringen – bei kleineren Beträgen übersteigen die Gebühren für das Sumsi-Sparbuch eventuell die Zinsgewinne der nächsten Jahrzehnte – und, zweitens, haben die meisten Bankhäuser sie längst gegen elektronische Spardosen getauscht. Da fehlt dann irgendwie die angenehme Haptik beim Notgroschen. Zwar ist auch das Edelmetall, wenn man sich dessen Wertentwicklung so anschaut, nicht vor plötzlicher Entwertung gefeit. Aber ein gutes Gefühl hat man halt: Blackout, Lockdown, atomarer Unfall in Grenznähe … Wer Gold hat, klein gestückelt, wenn geht, rettet sich dann schon über die nächsten paar Tage drüber, insbesondere, wenn man Plündern und Brandschatzen aus moralischen Gründen ablehnt.
Abenteuerlustigere legen sich eine ausgewogenen Melange aus Gold, Immobilien, Krypto­währung und Wein zu. Notfälle sind mit einem guten Tröpfchen auf jeden Fall leichter zu verkraften; Bitcoins wiederum sind extrem unpraktisch, wenn einem nur das Klopapier ausgeht.
Wer über solche Sorgen nur den Kopf schüttelt, weil man einem Nackerten nichts mehr ausziehen kann: So schlimm wird es eh nicht werden mit der Inflation; EZB-Chefin Christine Lagarde erwartet, dass das mit der Pandemie aufgetauchte Inflationsgespenst verschwindet, „wenn die Krise ausgestanden ist”. Nun denn.

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