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„Auch neue Händler treten Intersport bei” © Ludwig Schedl
© Ludwig Schedl

christian novacek 22.02.2019

„Auch neue Händler treten Intersport bei”

Nachdem die Tiroler Bründl-Gruppe den Intersport-Verbund verlassen hat, stehen die Zeichen dort dennoch auf Expansion.

••• Von Christian Novacek

Mein persönlicher Wunsch war es immer, in Österreich zu leben”, sagt der neue Intersport Austria-Chef Thorsten Schmitz. Abgesehen von der (ihn) zum Mountainbiken einladenden Gegend ist hier auch das Wettbewerbsumfeld durchaus sportlich angelegt: Um die Marktführerschaft rittern hierzulande nicht weniger als drei Unternehmen, nämlich Intersport, Hervis und Sport 2000.

Jedes davon findet einen optimistischen Zugang, zumindest die Aussicht auf Marktführerschaft für sich zu reklamieren. Intersport hatte zuletzt die Nase vorn, bekam aber jüngst einen kleinen Dämpfer verpasst: Die in Kaprun gegründete Bründl-Gruppe und Intersport gehen künftig getrennte Wege. Dadurch fallen 26 Filialen im Westen Österreichs aus dem Intersport-Verbund.
„Wir werden diesen Umsatzwegfall kompensieren”, ist Schmitz überzeugt. Sein probates Mittel hierfür: „Wir werden vor allem im Osten Österreichs weiße Flecken besetzen.”

Immer auf Expansionspirsch

Neue Standorte bieten sich dort unter anderem anhand des Rückzugs von Sports Direct von einigen Standorten. Bezüglich Bründls Abschied – 2017/18 setzte Bründl mit 550 Beschäftigten knapp 70 Mio. € netto um – findet der neue Intersport-Chef indes sanfte Töne: „Wir sind in einem positiven Austausch. Es gibt keinen Twist oder Streit.” Von seinem Gebührenmodell will Intersport jedenfalls nicht abrücken. „Leistung muss etwas kosten. Es ist sicher ambitioniert, das alles selbst zu machen.”

Dass das Beispiel des sportlichen Kollegen Schule machen könnte, fürchtet Schmitz nicht. Im Gegenteil: Man geht davon aus, dass weitere Händler, die dem Verbund beitreten, diese Lücke schließen. Für 2019 sei daher Wachstum das Programm. Zuletzt gab es ein achtprozentiges Plus auf 580 Mio. € (Geschäftsjahr endet per September), auch diesmal sei flächenbereinigt von einem hohen einstelligen Plus auszugehen – mit einer kleinen, dezenten Einschränkung: „Wachstum um jeden Preis wird es nicht geben!” Zehn neue Filialen sollten trotzdem wahrscheinlich sein.

Online wird alles besser

Die große Herausforderung einer Verbundgruppe mit in Österreich nahezu 110 Händlern (280 Standorte) liegt im Onlinebusiness. Derzeit macht das nämlich nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz vom Umsatz aus –hier gilt es, sich neu aufzustellen. Intersport will das für das zweite Quartal 2019 verstärkt angehen und das Level alsbald auf 15 bis 20% ausbauen. Die Schwäche des heutigen Online-Shops sei, dass nur Teile des Sortiments verfügbar seien, räumt Schmitz ein. In Zukunft bedient sich der Händler einer Spezial­lösung: Das Sortiment von rd. 600 Lieferanten soll online verfügbar sein – den Zuschlag für das jeweils bestellte Produkt erhält jener selbstständige Händler, der im Sortiment und geografisch am besten entspricht – heißt: Ein Algorithmus sorgt für die gerechte Lösung.

Rabattitis im Sporthandel

Die zweite große Herausforderung im aktuellen Sporthandelsbusiness ist eine Preisfrage: Ständig neue Player, die sich am Markt Österreich versuchen, drehen stark an der Preisschraube. Intersport habe sich in einem „preisaggressiven Diskontumfeld” gut entwickelt, findet Schmitz. „Wir wollen uns nicht mit denen messen, die permanent 80 Prozent plus geben”, sagt er mit Blick auf die Rabattpolitik mancher Mitbewerber.

Dennoch: Um im Preiskampf eine schlanke Figur abgeben zu können, ist die clevere Eigenmarkenpolitik ein unverzichtbarer Grundstein. Der Eigenmarkenanteil am Umsatz soll bei Intersport idealerweise 25% betragen, Aushängeschild sei McKinley, „nach außen hin für den Konsumenten fast schon eine Marke”, so Schmitz. Zum Vergleich: Decathlon fährt zu 100% eine Eigenmarkenstrategie (hauptsächlich zum Diskontpreis).
Neben einer strategisch relevanten Eigenmarkenpolitik werden desgleichen exklusive Arrangements mit Industriepartnern angestrebt. Beispiel dafür wäre etwa eine exklusive Linie von Adidas. „Wir wollen im Eigenmarkenbereich keine eigenen Produkte entwickeln, wie das Decathlon tut”, fasst Schmitz zusammen. „Wir wollen uns weiterhin mit starken Marken positionieren!”

Top im Branchenreport

Dass der Weg, wie ihn Intersport eingeschlagen hat, schon fast sein Ziel ist, bestätigt aktuell auch die Gesellschaft für Verbraucherstudien (ÖGVS): Sie hat Intersport in gleich fünf Kategorien zum Top-Unternehmen gekürt. Der Händler steht darin auf Platz 1 in den Kategorien „Sportgeschäfte”, „Skibedarf (Online-Shops)”, „Skiverleih”, „Outdoor-Bedarf (Online-Shops)” sowie „Outdoor-Bedarf (Filialisten)”. „Das ist uns ein Ansporn, mit den Intersport-Händlern und unseren tollen Mitarbeitern in Zukunft weiter on top zu bleiben”, ist Schmitz zufrieden.

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