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Bereits 10 Mrd. Euro mit Franchise erwirtschaftet © Fotodienst/Nadine Bargad

Szene-KennerNorbert Steinwidder (Das Futterhaus), Carina Felzmann, Andreas Haider (ÖFV) und Carina Dworak (Mrs.Sporty, v.l.) sind Botschafter der Franchise Messe.

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Szene-KennerNorbert Steinwidder (Das Futterhaus), Carina Felzmann, Andreas Haider (ÖFV) und Carina Dworak (Mrs.Sporty, v.l.) sind Botschafter der Franchise Messe.

Anna Muhr 25.10.2018

Bereits 10 Mrd. Euro mit Franchise erwirtschaftet

Die Franchise Messe am 9. und 10. November zeigt die Stärke des Geschäftsmodells mit 10.400 Standorten.

••• Von Anna Muhr

Am zweiten Wochenende im November geht es im MGC Wien um Waffeln und Tierfutter, um Frauenfitness und Fritteusen, um Hanfprodukte und Mathematikunterricht. Aber eigentlich geht es um das große Thema Franchise. Auf der Franchise Messe, veranstaltet von der Kommunikationsagentur Cox Orange in Partnerschaft mit dem Österreichischen Franchise-Verband (ÖFV), werden rund 40 Aussteller aus zehn Ländern ihre Systeme präsentieren (siehe Kasten Seite 46).

„Auf der Messe trifft sich die bestehende Szene”, so Veranstalterin Carina Felzmann. Aber nicht nur das: Die Messe soll vor allem auch neue Franchise-Interessenten ansprechen und sie vor Ort mit den bestehenden Systemen zusammenbringen. In Österreich sind das aktuell 440 Systeme. Laut der von WKO und ÖFV in Auftrag gegebenen Studie „Franchising in Österreich 2017” planen mehr als zwei Drittel davon die Aufnahme neuer Franchise-Partner.
„Daher sehen wir die Messe auch als Rekrutierungstool für alle Franchise-Systeme auf Expansionskurs”, sagt ÖFV-Präsident Andreas Haider, der im Lebensmitteleinzelhandel mit Unimarkt selbst seit Jahren Franchise-erprobt ist.

Wachsende Branche

Die Zeichen stehen gut. Franchising ist in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Österreich geworden. Die heimische Branche verzeichnete seit 2015 ein Wachstum von 7%. Pro Jahr werden etwa 10 Mrd. € Umsatz erwirtschaftet. An insgesamt 10.400 Standorten wird aktuell österreichweit in Form von Franchise-Systemem gearbeitet, die mittlerweile quer durch alle Branchen vorhanden sind.

Kein Wunder also, dass immer mehr bestehende Franchise-Systeme aus Österreich weiter expandieren möchten und auf der Suche nach Partnern sind. Dazu kommen dann auch noch die Systeme aus dem Ausland, die sich auf dem österreichischen Markt etablieren wollen.
Die internationale Vernetzung nimmt zu, das kann man auch an der Liste der Aussteller bei der diesjährigen Franchise Messe erkennen. Das Unternehmen Icons Worldwide aus Dubai wird etwa sein Coffee-Shop-Konzept anpreisen, Optidruck aus Slowenien präsentiert Drucklösungen und die Australier von Floral Image ihr Business mit Kunstblumen, um nur einige zu nennen.
„Die Internationalität liegt wahrscheinlich schon in der DNA des Franchisings und ist auch der Globalisierung geschuldet”, sagt Veranstalterin Carina Felzmann. Auch die Trends kommen zum Teil von weit her. „In unseren Breiten ist Franchising noch vermehrt in Sachen Serviceleistungen ein Thema. In den USA dagegen ist es vor allem in der Gastronomie verbreitet. Da wird sich bei uns auch noch einiges tun in der Zukunft”, so Felzmann. Auch Trends wie Multi-Branding (ein Unternehmer mit mehreren Systemen) seien im Kommen.

Weg in die Selbstständigkeit

Für potenzielle Franchise-Nehmer ist das Feld also weit und das Angebot bunt. Die meisten müssen dazu aber zunächst den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Laut der ÖVF-Studie wechseln rund 75% der Franchise-Nehmer aus einem Angestelltenverhältnis, nur ein knappes Viertel war bereits außerhalb des Franchisings selbstständig. Die Statistik spiegelt sich laut Carina Felzmann auch bei den Messe-Besuchern: „Die größte Gruppe, die kommt, sind die Angestellten, danach aber gleich die Unternehmer”, sagt die Veranstalterin. Und: „Es kommen auch Menschen, die kurz vor der Pension stehen und die mittels Franchising, wo die Verträge meistens nur über einige Jahre gehen, noch einmal etwas Neues starten möchten.”

Arbeiten mit Partnern

Die Vorteile von Franchising im Vergleich zum Aufbau eines neuen, komplett eigenen Unternehmens liegen für viele klar auf der Hand: Man nutzt ein bereits erprobtes Konzept und eine bekannte Marke und kann darüber hinaus von der Zusammenarbeit mit dem Franchise-Geber und anderen Franchise-Nehmern profitieren.

„Nicht jeder hat eine eigene Idee und möchte allein ein Business aufziehen”, sagt dazu Norbert Steinwidder, CEO des Zoofachhandels Das Futterhaus und einer der Botschafter der Franchise Messe. „Bei uns können sich Franchise-Nehmer auf den Kern der Tätigkeit konzentrieren und müssen nicht viel Zeit in Marketing-Konzepte investieren. Jeder kann vorbereitet auf alles zurückgreifen”, erklärt er. Außerdem: „Wo sonst kann man, wenn Fragen auftauchen, einfach bei einem anderen Geschäft anrufen und den Kollegen fragen? Die Franchise-Nehmer sind Kollegen, keine Konkurrenten”, sagt Steinwidder.
Auch die Zahlen sprechen für das System. Laut einer Studie der Universität Münster aus 2014 sind Franchise-Gründungen erfolgreicher als Neugründungen. Drei Jahre nach der jeweiligen Gründung waren im Untersuchungszeitraum der Studie (2007–2012) noch 82% der Franchiser aktiv, dagegen nur 71% der Neugründer.

ÖFV will Qualität sichern

Entsprechend zufrieden ist das Gros der Franchise-Nehmer – sowohl mit der Arbeit an sich, als auch mit dem jeweiligen Franchise-Geber. In der ÖFV/WKO-Studie gaben 93% der Teilnehmer an, dass sie sich wieder für eine Tätigkeit im selben System entscheiden würden.

Um die hohe Zufriedenheitsquote zu halten und generell die Qualität innerhalb der Branche zu sichern, hat der ÖFV den System-Check eingeführt, dem sich alle ordentlichen Mitglieder mindestens einmal unterziehen müssen, um den Titel „Geprüftes Mitglied” tragen zu dürfen. Unter die Lupe nimmt der Verband dabei wirtschaftliche und vertragliche Gegebenheiten bei den Franchise-Gebern sowie die Kommunikation mit den Franchise-Nehmern. Diese dürfen den Franchise-Partner außerdem anonym bewerten.

Finanzierung als Thema

Auch um ein weiteres Thema ist der ÖFV aktuell bemüht: die Finanzierung. Diese sei hierzulande vergleichsweise hart, so sind sich die Franchise-Experten und Messe-Botschafter einig. Noch sei nicht in allen Köpfen angekommen, dass die Branche ein wichtiger Arbeitgeber ist. Aber: „Uns ist es gelungen, die Volksbank Wien für das Thema zu begeistern”, so ÖFV-Präsident Andreas Haider. Die Bank ist deshalb auf der Franchise Messe diesmal auch im Consulter Corner vertreten.

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