RETAIL
Brauerei Zwettl wächst nachhaltig © Stefan Liewehr

Karl Schwarz

© Stefan Liewehr

Karl Schwarz

Redaktion 14.01.2019

Brauerei Zwettl wächst nachhaltig

Region profitiert von Investitionen des Unternehmens: Steigerung regionaler Wertschöpfung, Schaffung von Arbeitsplätzen.

ZWETTL. Der Erfolgskurs der Privatbrauerei Zwettl und der zum Unternehmensverbund gehörenden Bierwerkstatt Weitra geht weiter: Nach der guten Entwicklung der vergangenen Jahre konnte auch 2018 ein sowohl mengen- als auch umsatzmäßig erfreuliches Wachstum verbucht werden. Insgesamt wurden 24,9 Millionen Euro umgesetzt (ein Plus von 4,2 Prozent), der Gesamtausstoß lag bei 210.500 Hektolitern Getränken, davon 193.200 Hektoliter Bier (+ 2,93 %). Dies in einem Jahr des „Wechselbades der Gefühle“ – einerseits mit Freude über einen für den Bierkonsum herausragenden, langen Sommer und andererseits bei zunehmend herausfordernden klimatischen Bedingungen rund um die zum Brauen der Biere verfügbaren Rohstoffe.    
 

Erfolgsgeschichte der Region
„Die Erfolgsgeschichte des Familienunternehmens ist gleichzeitig auch eine Erfolgsgeschichte der Region Waldviertel“, betont Karl Schwarz, Geschäftsführer und Inhaber des Traditionsbetriebes. „Wir sind gut unterwegs und wachsen in einem gesättigten Markt, vor allem schauen wir dabei auch auf das Morgen und treffen dafür schon jetzt wichtige Vorkehrungen.“ Gemeint sind damit u.a. die Erweiterung von Kapazitäten, die Absicherung von Rohstoffen aus dem Waldviertel, ein hohes Engagement zum Schutz des heimischen Wassers und Investitionen in erneuerbare Energien. „Nachhaltiges Agieren ist bei uns gelebte Unternehmenskultur. Wir verdienen in und mit unserer Region und geben ihr auch etwas zurück“, so Schwarz, dem die lokale Wertschöpfung und die Schonung wertvoller Ressourcen echte Herzensanliegen sind. Aus diesem Grund engagiert sich Zwettler aktuell - durch die Übernahme einer Patenschaft - beim Neptun Wasserpreis des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus. Die für das Bierbrauen essenziellen Rohstoffe Hopfen und Braugerste sind durch langfristige Verträge mit Bauern und Produzenten aus der Gegend abgesichert.
 
Nachfrage nach naturtrübem Bier und regionstypischem Geschmack
Dass die Fokussierung auf die Region auch ein Faktor für die positive unternehmerische Entwicklung ist, zeigen einzelne Produkte. So hat die Einführung des beliebten Zwickl-Bieres in der 0,5-Liter-Flasche im Lebensmittelhandel aktiv zum Erfolg des Vorjahres beigetragen. Karl Schwarz erklärt: „Die Nachfrage nach der unfiltrierten Spezialität mit dem regionstypischen Geschmack ist sehr hoch.“ Mit dem Zwettler Zwickl bediene man den aktuellen Trend nach naturtrüben Bieren, der nach wie vor anhält und auch in der Gastronomie zu einem kräftigen Absatzplus geführt hat. Aber auch die „Klassiker“ unter den Bieren, etwa das mengenmäßig stärkste Bier aus dem Hause Zwettler, das Export Lager (mit einem Mengenplus von 6,7 Prozent) erlebten im vergangenen Jahr einen verstärkten Zuspruch, erklärt der Brauereiinhaber.
    
Das bringt 2019 - Bierwerkstatt Weitra: Ausbau geht weiter
Eine in den letzten Jahren beständige Entwicklung zeigt die Bierwerkstatt Weitra, die vor 15 Jahren übernommen und seither kontinuierlich ausgebaut wurde. Auf Wunsch der Eigentümerfamilie wurde neben zahlreichen Neuerungen die heute seltene - aber traditionelle und damit wertvolle - Form der offenen Gärung beibehalten. „Die Biere aus der Bierwerkstatt Weitra sind extrem begehrt, aber sehr oft ausgetrunken“, schmunzelt Schwarz. Daher soll im kommenden Jahr die Kapazität von derzeit 16.000 Hektoliter pro Jahr nahezu verdoppelt werden, dafür werden insgesamt 3,5 Millionen Euro unter anderem in einen neuen Gär- und Lagerkeller, eine neue Würzepfanne mit Energierückgewinnung sowie eine Kühlung für Lagertanks und Gärbottiche investiert. Gleichzeitig bekommen die Biere aus Weitra ein adaptiertes Design in Form neu gestalteter Flaschenetiketten und 6er-Träger; auch der Online-Auftritt wird gestärkt. Hatte Weitra Bräu vor der Übernahme nur lokale Bedeutung, wird heute bereits mehr als zwei Drittel der Verkaufsmenge außerhalb des Waldviertels abgesetzt – hier vor allem in der Bundeshauptstadt Wien.
 
Investment und starke Verbundenheit zur Region
In der Privatbrauerei Zwettl selbst sind für 2019 große Investments geplant: 6,5 Millionen Euro fließen allein in die Errichtung einer neuen, 6.000 m² großen, Lagerhalle. Ein Teil der Halle wird als Bürofläche fremdvermietet, auch der vor einem Jahr von der Brauerei übernommene regional wie überregional tätige Weinfachhändler „Hauptsache Wein“ zieht inklusive angeschlossener Vinothek ein. Der Baubeginn erfolgt in Kürze. In Folge entstehen auch neue Arbeitsplätze bei Hauptsache Wein sowie in der Brauerei und das Vertriebsgebiet der Sparte Wein wird ausgeweitet. Zusätzlicher Benefit: Die Dachfläche wird mit einer 430 KW-Photovoltaikanlage ausgestattet, welche eine jährliche C02-Ersparnis von bis zu 86.000 Kilogramm ermöglicht.
 
Ein eigenes Bier für die Wirtshauskultur, neue Gastro-Partner
Gute Ergebnisse gibt es auch bei den alkoholfreien Produkten aus dem Unternehmen: Die vor einigen Jahren eingeführte Eigenlimonade Korl sowie Frucade - die im Lizenzvertrieb geführt wird - liegen im Trend und legen zu. Weiters geplant: Ein ganz besonderes Bier, das exklusiv für die 220 Betriebe des Vereins Niederösterreichische Wirtshauskultur eingebraut und Mitte April präsentiert wird. Generell bleibt der Fokus auf heimische Gastronomie-Betriebe aufrecht: Unter dem Motto „die Gastronomie führt Zwettler“ konnten bereits in den vergangenen Monaten neue, namhafte Partner wie beispielsweise in Wien 4-Hauben-Koch Konstantin Filippou mit seinem gleichnamigen Lokal sowie Dingelstedt 3 oder auch das legendäre Café Drechsler gewonnen werden. „An diese attraktiven Partnerschaften wollen wir 2019 nahtlos anschließen“, so Karl Schwarz.
 
Rohstoffe bleiben zentrales und nachhaltiges Thema
Last but not least widmet sich Zwettler 2019 intensiv dem immer turbulenter werdenden Thema der Rohstoffe. „Dies ist ein zentrales wie brisantes und vor allem essentielles Thema“, erklärt Schwarz. Das Unternehmen selbst ist im Waldviertel durch langjährige Abnahmeverträge bei Hopfen und Braugerste gut abgesichert, will sich aber noch weiter in der Region Waldviertel einbringen und über Vertragslandwirtschaft die lokale Produktion nachhaltig stärken. Auch das Engagement beim Neptun Wasserpreis wird fortgesetzt und der vermehrte Einsatz von nachhaltigen Materialien und Energien forciert. So stellt die Brauerei ihre Etiketten auf rund 20 Millionen Bierflaschen jährlich von alubedampftem Papier auf klassisches - und damit umweltfreundlicheres - Papier um. (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL