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Coface: Risiko für Zahlungsausfälle steigt © sabinehauswirth

Dagmar Koch, Country Manager Coface Austria

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Dagmar Koch, Country Manager Coface Austria

Redaktion 24.10.2022

Coface: Risiko für Zahlungsausfälle steigt

WIEN. Das Risiko für Zahlungsausfälle in Österreich steigt nur in einzelnen Branchen, zu dieser Einschätzung kommt Coface in seiner vierteljährlich erscheinenden Risikoanalyse für Länder und Branchen und stuft Österreich wie bereits bei der letzten Analyse mit der Note A3 „zufriedenstellend“, ein. „"Hohe Inflation, zurückhaltende Konsumenten und sinkende Exporte – die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs haben Österreich und den Rest Europas fest im Griff"“, erklärt Dagmar Koch, Country Managerin Coface Österreich.

Insgesamt stuft Coface in seiner aktuellen Analyse acht Länder herab, sechs davon aus Europa, Heraufstufungen gibt es hingegen keine. Die Schweiz, Dänemark und Luxemburg verlieren die Bestnote A1 und werden auf A2 herabgestuft, Malta wird von A2 auf A3 hinabgestuft, Italien und Zypern verlieren dagegen ihre A-Bewertung und steigen von A4 auf B ab. „"Die Herabstufungen haben unterschiedliche Gründe"“, betont Koch. „"Die Schweiz, Dänemark und Luxemburg werden aufgrund der starken Inflationsbeschleunigung, die auf den europäischen Marktpreis für Gas zurückzuführen ist, herabgestuft. Italien wurde bereits vor Kriegsausbruch in der Ukraine mit der Note A4 bewertet, ausschlaggebend für die Abwertung ist neben den hohen Konsumentenpreisen, ein schwacher Konjunkturausblick sowie die Regierungswahl des Rechtsbündnisses."“

Risiko in Österreich steigt in drei Branchen
In drei Branchen in Österreich beobachtet Coface ein gestiegenes Risiko von Zahlungsausfällen. Handel-, Holz- und Verpackungsbranche werden in der aktuellen Untersuchung von „medium risk“ zu „high risk“ herabgestuft. „"Die Herabstufung dieser Branchen ist kein österreichisches Phänomen, vielmehr folgt die Entwicklung dem gesamteuropäischen Trend"“, so Koch. Während in der Holzindustrie aufgrund von Waldbränden, Dürren und Schädlingsbefall, geringes Angebot einer hohen Nachfrage gegenübersteht, sind in der Verpackungsindustrie hohe Energiekosten, im Einzelhandel die gestiegenen Konsumentenpreise für die Abstufung verantwortlich.
Insolvenzen weiter unter Vorkrisenniveau

Für 2022 erwartet Coface einen starken Anstieg der Insolvenzen im Vergleich zum Vorjahr. Laut KSV 1870 ist bereits nach den ersten neun Monaten für 2022 ein Anstieg von 92 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr zu beobachten. „"Für 2022 erwarten wir die stärkste Inflationsdynamik seit 25 Jahren, das Insolvenzniveau bleibt jedoch dieses Jahr noch knapp unter dem Vorkrisenniveau"“, erklärt Koch.
Inflationsdynamik flacht ab, Zielkonflikt zwischen Finanz- und Geldpolitik

Für 2022 erwartet Coface in Österreich ein Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent, das von dem starken ersten Halbjahr 2022 profitiert. Die Inflation erreicht mit einer Jahresrate von 8,3 Prozent ihren Höhepunkt. „"2023 erwarten wir eine veränderte Dynamik. Die Inflation wird etwas abflachen, das Wirtschaftswachstum wird mit lediglich 1,1 Prozent jedoch deutlich niedriger ausfallen"“, so Koch. Hohe Inflation und geringes Wachstum stellen Regierungen und Zentralbanken vor eine schwierige Aufgabe: Während die Zentralbanken entschlossen sind, die Inflation mit allen Mitteln zu bekämpfen, versuchen die nationalen Regierungen die Nachfrage hochzuhalten. Das Ergebnis: ein wachsendes öffentliches Defizit und steigende Finanzierungskosten. „"Die Maßnahmen der Regierungen werden sich in der Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen widerspiegeln. Das Insolvenzniveau dürfte sich nur langsam über das Vorkrisenniveau hinaus entwickeln"“, betont Koch abschließend zur Analyse von Coface. (red)

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