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Deutsche Amazon-Beschäftigte streiken erneut APA EPA UWE ZUCCHI
APA EPA UWE ZUCCHI

Redaktion 29.09.2016

Deutsche Amazon-Beschäftigte streiken erneut

Die Proteste finden in sechs Versandlagern statt.

SEATTLE/KOBLENZ. Die deutsche Gewerkschaft ver.di lässt im Tarifkonflikt mit Amazon nicht locker. Im Kampf um einen Tarifvertrag sind Beschäftigte des Versandhändlers Amazon erneut an mehreren deutschen Standorten in den Streik getreten. Wie ver.di am Mittwoch mitteilte, galt der Aufruf für die beiden Versandzentren im hessischen Bad Hersfeld sowie in Koblenz (Rheinland-Pfalz), Leipzig (Sachsen), Rheinberg und Werne (beide NRW).

Auch beim DVD-Verleiher und Video-Streaming-Dienst Amazon Prime Instant Video in Elmshorn (Schleswig-Holstein) wurde nach ver.di-Angaben gestreikt.

Die Arbeitsniederlegungen begannen mit der Frühschicht und sollten bis zum Ende der Spätschicht dauern. Die Streiks hätten keinen Einfluss auf pünktliche Lieferungen, sagte eine Amazon-Sprecherin in München. Insgesamt hätten sich weniger als 850 Beschäftigte in der Frühschicht an den Protesten beteiligt. Im Tagesverlauf beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1.700 Beschäftigte. "An den einzelnen Standorten war damit zwischen einem Viertel und einem knappen Drittel der aktuellen Belegschaft einer Schicht im Ausstand", sagte Thomas Voß von ver.di.

ver.di forderte das Unternehmen auf, die Blockade gegen Tarifverhandlungen aufzugeben. Die Gewerkschaft verlangt in dem seit Jahren andauernden Konflikt einen Tarifvertrag nach den Bedingungen des Einzel- und Versandhandels. Das US-Unternehmen verweigert aber Verhandlungen, sieht sich als Logistiker und verweist auf eine Bezahlung am oberen Ende des Branchenüblichen. Deswegen kommt es seit Mai 2013 immer wieder zu Streiks an verschiedenen Standorten bundesweit. Amazon beschäftigt in den Warenlagern über 11.000 Festangestellte.

Trotz des festgefahrenen Tarifkonflikts zeigte sich ver.di-Sprecher Voß kämpferisch und zuversichtlich. Die Streikbereitschaft lasse nicht nach, und die Gewerkschaft habe viel erreicht; die Arbeitsbedingungen seien verbessert und Lohnerhöhungen erreicht worden.

"Die Beschäftigten verlangen, dass Amazon seine Blockadehaltung gegenüber Tarifverhandlungen aufgibt", betonte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Wir zeigen Tag für Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann", unterstrich Amazon. Der Konzern bezahle in seinen Logistikzentren "am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist". Mitarbeiter starteten mit einem durchschnittlichen Basislohn von umgerechnet 10,40 € brutto pro Stunde, nach zwei Jahren seien es im Durchschnitt 12,41 €.
(APA)

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