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Die Chronik eines  angekündigten Verkaufs Panthermedia.net/Fernando Gregory; Baumax; Montage: B. Schmid
Panthermedia.net/Fernando Gregory; Baumax; Montage: B. Schmid

Redaktion 10.09.2015

Die Chronik eines angekündigten Verkaufs

Schuldenschnitt der Gläubiger, Sozialpaket für die Mitarbeiter, 49 Märkte werden übernommen, für 16 wird eine Lösung gesucht

••• Von Daniela Prugger

WIEN. Mit bauMax wird auch ein Kapitel österreichischer Firmengeschichte abgeschlossen. Seit Monaten hält das Familienunternehmen die Öffentlichkeit auf Trab: Manche Filialen stehen vor dem endgültigen Aus, manche Mitarbeiter werden ihren Job verlieren, und immer wieder das große Schweigen. Die Arbeiterkammer beklagte jüngst den „unzureichenden Informationsfluss“ an die Mitarbeiter, die Details der Abwicklung der Betriebsübernahme durch Obi seien völlig unklar.
Eine Antwort darauf, warum sich bauMax so vage, so diskret, so unklar nach außen hin gibt, erhielt medianet von einer Sprecherin: „Wir dürfen zur Transaktion nichts sagen. Der Investor wünscht keine Kommunikation nach außen.“ Das Ausmaß an Diskretion reicht soweit, dass man den Namen „Obi“ nicht einmal in den Mund nehmen will, „das haben jetzt Sie gesagt. Ich kann Ihnen nur sagen, dass eine Transaktion stattgefunden hat“, kokettierte die Sprecherin. Und das, obwohl seit einiger Zeit bekannt ist, dass die deutsche Baumarktkette die Übernahme von bauMax-Filialen bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet hat. Die Frist für die wettbewerbsrechtliche Prüfung endet am 29. September.

400 Mio. € Schuldenschnitt

Obi wird das Eigentum an bestimmten Vermögensgegenständen erwerben, die bauMax zugeordnet seien. Und auch der Umstand, dass Obi die Mitarbeiter der Standorte übernehmen wird, ist bekannt. Auch die Banken haben den Weg mittlerweile frei gemacht für die Zerschlagung der Baumarktkette und die Übernahme von mehr als zwei Drittel der Filialen durch die deutsche Heimwerkerkette Obi. Die größten bauMax-Bankengläubiger Raiffeisen, Erste und Bank Austria sollen für den Schuldenschnitt von rund 400 Mio. € (40% der Gesamtschulden) bereits Vorsorge getroffen haben. Doch über die genaue Schuldensituation liegen laut APA derzeit keine Informationen vor. Lieferanten, bauMax-Beschäftigte, das Finanzamt und die Sozialversicherung sollen aber nicht auf offenen Rechnungen und Ansprüchen sitzen bleiben.
Die insgesamt 42 Gläubigerbanken hatten im April 2014 bei bauMax noch rund eine Mrd. Euro im Feuer, davon 350 Mio. € Betriebsmittelkredite und 650 Mio. € besicherte Immobilienkredite. Aus dem Verkauf der Kunstsammlung von bauMax-Gründer Karlheinz Essl sollen die Banken „deutlich“ über 100 Mio. € erhalten haben. Die Banken indes wollten die Details des Schuldenschnitts nicht kommentieren.

Nur drei Betriebsräte

Das Familienunternehmen startete vor 38 Jahren und führt neben 65 Märkten in Österreich noch 24 in Tschechien, 14 in der Slowakei und 2 in Slowenien. „Ich kann bestätigen, dass der Deal stattgefunden hat und in Österreich 49 Märkte übernommen werden. Für 16 Märkte suchen wir eine individuelle Lösung“, erkärte die Sprecherin. Rund 6.200 Mitarbeiter sind bei bauMax in Österreich, Tschechien, in der Slowakei und in Slowenien beschäftigt. In Österreich gibt es nur in drei Märkten einen Betriebsrat. Für die Mitarbeiter setzt sich hauptsächlich ein landesweites Vertrauenskomitee ein. „Unsere Mitarbeiter wissen alle Bescheid, sie wissen, wie ihre Zukunft aussieht“, versichert die bauMax-Sprecherin. „Es wurde ein Sozialpaket geschnürt – besonders für Personen über 50, mit freiwilligen Abfertigungen, und wir werden auch Ausbildungen bezahlen. Ich kann nur sagen, dass deutlich weniger Personen als die in den Medien genannten 1.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren werden.“ Derzeit heiße es abwarten, erst Ende September könne man Genaueres mitteilen.

Wer sich als Mitarbeiter über seine derzeitige Situation, seine Möglichkeiten und Rechte im Moment nicht im Klaren ist (und das scheint bei einigen der Fall zu sein, wie die Facebook-Einträge auf der bauMax-Seite zeigen), kann sich über eine Hotline bei der Arbeiterkammer informieren. Sehr bemüht und freundlich werden dort anfällige Fragen beantwortet. Vom Jobverlust betroffen sind vor allem die Mitarbeiter in der Firmenzentrale in Klosterneuburg sowie im Warenverteillager in Wien. Und auch den Mitarbeitern jener Märkte, die bis Ende September keinen Käufer finden, droht die Kündigung. Vorsorglich wurden österreichweit 1.100 von rund 3.700 Mitarbeitern beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet.

Essls Lebenswerk

Was ist nur geworden aus dem einstigen Vorzeigeunternehmen, dem Lebenswerk von Karlheinz Essl? Es waren vor allem die Auslandsgeschäfte, die dem Unternehmen teuer zu stehen kamen. 2010 expandierte bauMax in die Türkei, wo binnen drei Jahren sieben Baumärkte eröffnet wurden. Noch 2012 und 2013 kamen Märkte in Bulgarien, Tschechien und Rumänien dazu. Und schon damals sollen Branchenkenner einen Rückzug aus einzelnen Ländern empfohlen haben – um das Österreich-Geschäft nicht zu gefährden. Denn die Auslands-Töchter schrieben (mit Ausnahme der Slowakei) durchwegs Verluste. Und noch im Jahr 2014, als eine drohende Insolvenz der Baumarktkette bereits diskutiert wurde, ging der Konzern mit dem Slogan „bauMax. Und fertig.“ in die Offensive.

Essl Senior wurde Beratungs­resistenz vorgeworfen, die Übergabe des Geschäfts an seinen Sohn Martin Essl soll gar nur auf dem Papier erfolgt sein. Aus dem Aufsichtsrat heraus soll Karlheinz Essl nach wie vor alle wichtigen Entscheidungen getroffen haben. Heute muss die Familie Essl – bekannt für ihre guten Beziehungen zu den Reichen und Mächtigen in diesem Land – mit Spott (vor allem in den Sozialen Netzwerken) umgehen. Recht unberührt vom bauMax-Niedergang scheint auch der neue Obmann der WKO-Sparte Handel, Peter Buchmüller. Gegenüber dem  WirtschaftsBlatt meinte er: „Es ist immer schade, wenn ein österreichisches Unternehmen ausscheidet. Aber das ist der Lauf der Wirtschaft und bringt Chancen für andere.“

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